Skyguide, die dieses Jahr 100 Jahre Flugsicherung in der Schweiz feiert, hat Mühe, Fluglotsen zu rekrutieren, insbesondere in der Westschweiz. Nur fünf Personen beginnen im September mit der Ausbildung, obwohl 16 Stellen zu besetzen wären.

"Dieser Trend ist in Europa allgemein, aber in der Westschweiz besonders ausgeprägt", sagte Skyguide-Chef Alex Bristol am Donnerstag vor den Medien in Genf.

Im den Job attraktiver zu machen, hat das Unternehmen bereits reagiert: Die Löhne für Auszubildende im ersten Jahr werden von 2000 auf 4000 Franken pro Monat verdoppelt.

Als Gründe für das mangelnde Interesse würden mitunter eine uninteressierte Generation Z oder Sprachprobleme genannt, sagte Pierre-Etienne Lévêque, Leiter des Flugsicherungszentrums West. Das erste Ausbildungsjahr absolvieren die angehenden Flugverkehrsleiterinnen und Flugverkehrsleiter im Zentrum in Dübendorf ZH in englischer Sprache. Die Ausbildung erstreckt sich über fast drei Jahre.

Die Bewerberinnen und Bewerber müssen zwischen 18 und 30 Jahre alt sein und über einen Maturitätsabschluss oder ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (EFZ) verfügen. Der Beruf erfordere unter anderem logisches Denken und Teamfähigkeit, erklärte CEO Bristol, der auch die Vielseitigkeit des Berufes lobte.

Leidenschaft für Luftfahrt

Christian Eichenberger, 45 Jahre alt, Supervisor und seit 23 Jahren Fluglotse bei Skyguide, widerspricht ihm nicht. Der Waadtländer hat seit seiner Kindheit eine Leidenschaft für die Luftfahrt.

Er liebt es, an seinem Arbeitsplatz im Kontrollturm am Rande des Rollfeldes zu sitzen. Die Arbeit mit durchschnittlich 500 Starts und Landungen pro Tag, die er mit seinen Kollegen bewältigen muss, mache ihn nicht müde, sagte er.

Skyguide-Chef Alex Bristol bedauert den Imageschaden für das Unternehmen und die Folgen für die Fluggäste.

Panne wird weiter untersucht

Die Panne, die das System von Skyguide am 15. Juni dieses Jahres beeinträchtigte und zur Schliessung des Schweizer Luftraums führte, ist noch immer ein Gesprächsthema. Skyguide-Chef Bristol äusserte sich auf Anfrage der anwesenden Journalisten zu diesem Vorfall und erklärte, dass die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien.

Zum jetzigen Zeitpunkt stehe jedoch fest, dass das Problem an einem "Schalter mit falschen Daten" gelegen habe. Es sei auch klar, dass es sich nicht um einen Cyberangriff gehandelt habe. "Wir wissen, was passiert ist und wie wir vorgehen müssen, damit so etwas nicht wieder passiert", fügte Bristol hinzu.

Er bedauere den Imageschaden für das Unternehmen und die Folgen für die Fluggäste. Bristol betonte jedoch, dass die Vorgesetzten perfekt reagiert hätten, als sie um 03.30 Uhr morgens eine Anomalie feststellten. "Es fehlten Daten in den Flugplänen. Da sie das Ausmass des Problems nicht kannten, zögerten sie nicht, den Flugverkehr aus Sicherheitsgründen zu unterbrechen", erklärte Bristol.

15'365 Minuten Verspätung

Der fünfstündige Systemausfall sei zwar ärgerlich gewesen, habe aber keine grossen finanziellen Auswirkungen auf Skyguide. Das Unternehmen verlor Einnahmen im Zusammenhang mit der Unterbrechung des Flugverkehrs, musste aber keine finanziellen Entschädigungen an die Fluggesellschaften zahlen.

Der Schaden verursachte insgesamt 15'365 Minuten Verspätung auf dem gesamten europäischen Netz, während der Tagesdurchschnitt bei 120'000 Minuten liegt, wie Bristol relativierte.

Tendenz steigend

In Genf überwachte Skyguide 2021 rund 91'500 Starts und Landungen von kommerziellen Flügen, Businessjets und Helikoptern, 16,2 Prozent mehr als 2020. Im Kontrollzentrum West gab es 378'549 Transitflüge über dem überwachten Gebiet. Das entspricht einer Zunahme von 31,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Mangel bei Fluglotsen: Zu wenig junge Menschen können sich für einen Job im Kontrollturm begeistern.

Insgesamt arbeiten 699 Personen am Hauptsitz von Skyguide in Genf, davon 58 Lotsen im Kontrollturm und 120, die den Flugbetrieb im Luftraum der Westschweiz sicherstellen.  © Keystone-SDA