Die stärksten Bilder der Formel-1-Saison 2020

Die Formel 1 fährt in der Corona-Pandemie fast ohne Zuschauer: Wir zeigen Ihnen die besten Bilder der Saison 2020.

Lewis Hamilton, der auf den dritten Platz fuhr, stand bereits frühzeitig als Weltmeister fest. Für den Briten war es eine überragende Saison. Mit seinem siebten WM-Titel stellte er den Rekord von Michael Schumacher ein.
"Ich werde aufgefressen", funkte Vettel nach etwas mehr als der Hälfte des Rennens an seine Box. Am Ende schafft es der 33-Jährige erneut nicht in die Punkte - er wurde 14. Vettel beendete das turbulente Corona-Notjahr damit als WM-13. so schlecht wie nie zuvor in seiner Karriere in einer kompletten Saison. Er kehrt der kriselnden Scuderia ohne den erhofften Titel den Rücken und fährt ab nächstem Jahr für das neue Werksteam von Aston Martin.
Sergio Perez hat den Grossen Preis von Bahrain gewonnen. Für den Mexikaner ist es der erste Sieg überhaupt in der Formel 1. Der 30-Jährige profitierte dabei von einer Pannenserie des Mercedes-Teams, das das Rennen eigentlich dominiert hatte.
Bei Mercedes bot sich im 16. von 17 Rennen ein ungewohntes Bild. Weltmeister Hamilton fehlte wegen eines positiven Corona-Tests. Er wurde von George Russell (Foto) ersetzt, der eigentlich für Williams fährt. Der 22-jährige Brite sah lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Doch dann kamen die Mercedes-Mechaniker bei den Boxenstopps mit den Pneus durcheinander, brauchten erst ewig für den Stopp von Bottas und mussten Russell wegen vertauschter Reifen sogar noch einmal an die Garage beordern. Statt Platz eins und zwei gab es am Ende nur Platz acht (Valtteri Bottas) und neun (Russell).
Sebastian Vettel steckte wie so oft in diesem Jahr im Mittelfeld fest. Schon im Training war der Hesse nicht in Fahrt gekommen, zudem musste auch noch sein Motor wegen eines technischen Problems getauscht werden. Und es wurde nicht besser für den 33-Jährigen. Als er nach 32 Runden zum Boxenstopp kam, patzten seine Mechaniker - nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Am Ende wurde Vettel Zwölfter.
Zwei Wochen, nachdem Lewis Hamilton mit seinem siebten WM-Titel mit Rekordchampion Michael Schumacher gleichgezogen ist, gewinnt er auch den Grossen Preis von Bahrain. Hamilton nimmt mit seinem elften Erfolg des Jahres die Bestmarken von Schumacher und Sebastian Vettel in Angriff. Die beiden Deutschen konnten jeweils 13 Mal in einer Saison gewinnen.
Von neuen Bestmarken ist Sebastian Vettel nach wie vor weit entfernt. "Der Wagen ist unfahrbar", klagte der Ferrari-Pilot während des Rennens in Bahrain. Dort reicht es für den Deutschen nur für Platz 13, Teamkollege Charles Leclerc wird Zehnter.
Im Fokus steht beim Rennen in Bahrain diesmal allerdigs nicht das Sportliche. Schon nach wenigen hundert Metern kommt es zu dem fürchterlichen Crash. Romain Grosjean zieht aus zunächst unbekannten Gründen mit seinem Haas nach rechts, touchiert dabei Daniil Kwjat von Alpha Tauri und schiesst förmlich in die Leitplanke. Dann schiessen Flammen aus dem Wrack.
Der Franzose kann sich selbstständig aus seinem lichterloh brennenden Wagen befreien. Ein Streckenarzt hilft dem geschockten Piloten nach wenigen Sekunden über die Leitplanke. Grosjean sitzt kurz danach im Auto des Streckenarztes. Er muss gestützt werden, als er anschliessend in einen Krankenwagen begleitet wird.
Grosjeans Wagen wird bei dem Crash in zwei Teile gerissen.
Die Front verkohlt durch das Feuer beinahe vollständig. Durch den sogenannten "Halo" wird aber Schlimmeres beim Franzosen verhindert. Der "Heiligenschein" ist ein Cockpitschutz, der seit 2018 in der Formel 1 Pflicht ist. Es handelt sich dabei um einen Titanbügel von etwa sieben Kilogramm, der ringförmig über den Kopf des Fahrers im Cockpit gespannt und in der Mitte mit einer Strebe befestigt ist.
Die Leitpanke, gegen die Grosjean krachte, wird stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch Vettel äussert sich nach dem Rennen zu dem schweren Unfall und sagte: "Die Leitplanke sollte aber nicht so nachgeben und das Auto sollte auf diese Art kein Feuer fangen." Die Formel 1 untersucht nun den Vorfall.
Grosjean selbst hat den Unfall glücklicherweise gut überstanden. Wie er noch am Sonntag in einem von ihm veröffentlichten Video mitteilte, gehe es ihm gut. Sein Team hatte zuvor bereits mitgeteilt, dass Grosjean sich nur "einige kleinere Verbrennungen an seinen Händen und Knöcheln" zugezogen hat.
So absehbar der siebte WM-Titel für Lewis Hamilton angesichts des Saisonverlaufs gewesen sein mag: Als der Moment da ist, überwältigen den 35-Jährigen seine Gefühle. Er hat aufgeschlossen zum bisherigen Rekord-Weltmeister Michael Schumacher, einem Idol seiner Kinder- und Jugendtage. "Träumt so gross, wie Ihr könnt", teilt Hamilton nach seinem schwer erkämpften Sieg in Istanbul allen Kindern und Jugendlichen via Sky mit. "Ihr könnt alles erreichen, wenn Ihr Zeit und Anstrengung investiert."
Hamilton weiss, wovon er spricht: Sein 94. Rennsieg, den er angesichts seiner abgefahrenen Reifen auf der letzten Rille eringt, wird dem Engländer nicht geschenkt. Von Startplatz sechs kommend, benötigt der beherrschende Pilot der letzten Jahre 37 der insgesamt 58 nassen Runden, um vor Sergio Perez in Führung zu gehen. Für den Mexikaner im Racing-Point-Boliden bleibt der beste Platz seiner Karriere, der zweite.
Auf Rang drei läuft ein alter Bekannter ein, dem eine derart gute Platzierung in der zu Ende gehenden Saison zuvor nicht geglückt war: Sebastian Vettel, dessen fahrerischen Qualitäten das miese Wetter entgegenkommt, passiert in seinem Ferrari kurz vor dem Ziel seinen frustrierten Teamkollegen Charles Leclerc - und ist anschliessend erster Gratulant bei Hamilton.
Zwei Legenden der Formel 1, harte Duellanten in zig Rennen und Saisons, demonstrieren ihre gegensichtige Achtung voreinander und marschieren Arm in Arm durch den Parc Ferme. Dem künftigen Aston-Martin-Piloten Vettel ist zwischen 2010 und 2013 jenes WM-Quadruple gelungen, das Hamilton nun hingelegt hat.
Der wie schon im Vorjahr zweitbeste Formel-1-Fahrer der Welt, Valtteri Bottas, links, geht in Istanbul leer aus, holt zum dritten Mal in der Saison 2020 keinen WM-Punkt. Insofern hätte sich Hamilton sogar einen Ausfall erlauben können, ohne seine vorzeitige Ehrung als Weltmeister zu gefährden. Bottas bezeichnet sein Rennen - abgesehen von den ersten 200 Metern - als "Katastrophe". Er legt insgesamt sechs Dreher hin und wird nur 14. Hamilton überrundet ihn gar.
Beider Teamchef, Toto Wolff, rechts, lobt Hamiltons Geduld und Klasse in einem anspruchsvollen Rennen. Hamilton sei "mit einem Auto, das ganz schwer zu fahren war", auf der Strasse geblieben. "Er hat auf seine Chance gewartet, und ist am Ende einsam davongefahren." Wolff hegt keinen Zweifel daran, dass der alleinige Rekordweltmeister am Saisonende 2021 Hamilton heissen wird: "Er ist natürlich mitten in seinem Schaffen. Ich glaube, da kommt noch was drauf."
Schon, weil Hamilton während der Saison 2020 - und speziell in Istanbul - nicht nur seinen gewachsenen Erfahrungsschatz gewinnbringend eingebracht, sondern gelernt hat, mit Rückschlägen und Widrigkeiten umzugehen. "Je mehr ich Rennen fahre, umso besser werde ich." Aber auch Könner Hamilton wirft der glatte Asphalt zwischendrin ab: "Das war wie auf Eis. Ich kann mich nicht erinnern, jemals schon ein Eisrennen bestritten zu haben."