Der FC Bayern München hat die Meisterschaft gewonnen - für viele Fussball-Fans ist das keine Überraschung. Eine Selbstverständlichkeit ist es nach Ansicht unseres Kolumnisten allerdings auch nicht.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk

Nein, es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Bayern München zum achten Mal in Folge die Meisterschale gewonnen hat. Man muss nur die Liste von Spielern betrachten, die den Rekordmeister seit dem Serienstart 2013 verlassen haben, um den permanenten Erneuerungsprozess in seiner ganzen Tragweite zu würdigen.

Es gingen Weltmeister wie Philipp Lahm, Toni Kroos und Basti Schweinsteiger. BVB-Einkäufe wie Mario Götze und Mats Hummels. Superstars wie Arjen Robben, Xabi Alonso und Franck Ribéry. Internationale Stars wie Arturo Vidal und Mario Mandzukic. Nebenbei Nationalspieler wie Mario Gomez und Sebastian Rudy. Nicht zu vergessen: Trainer wie Pep Guardiola und Jupp Heynckes.

FC Bayern: Achte Meisterschaft in Folge

Und trotzdem mischten diese Bayern auch im achten Jahr die Liga auf. Die Bilanz von 100 Saisontoren ist nicht nur die zweitbeste der Bundesliga-Geschichte. Die Zahl ist ein Statement: Der Verein ist grösser als die Spieler, die dort ihr Geld verdienen. Auch deshalb hört der FC Nimmersatt nicht mit dem Fussballspielen auf, wenn der Meistertitel längst perfekt ist.

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Der Vergleich mit Borussia Dortmund ist nicht gewollt, aber unvermeidbar: Die einen gewinnen am letzten Spieltag halt 4:0 beim VfL Wolfsburg, während die anderen zu Hause 0:4 gegen die TSG Hoffenheim verlieren. Es ist eine Charakterfrage: Bin ich mit meinen Gedanken schon in Urlaub - oder will ich aus bis zur letzten Sekunde zeigen, was mir Spass macht?

Genau deswegen greift der Vorwurf, dass die Bayern allein wegen ihres Festgeldkontos der Bundesliga jede Spannung raubt, viel zu kurz. Am Geld allein liegt’s ja nicht, dass die Rivalen leichtfertig die einfachen Liga-Spiele abschenken. Selbst wenn man die direkten Duelle verliert, wie es Borussia Dortmund getan hat: Allen anderen Klubs ist man selbst finanziell überlegen.

Dortmund und RB Leipzig fehlt die Konstanz

In der Abschlusstabelle haben die Bayern 13 Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund. Normal ist das nicht. Die grossen Bayern der 1970er- und 1980er-Jahre hatten irgendwann ihren Zenit überschritten und zeigten ihre Verfallserscheinungen so deutlich auf dem Rasen, dass die Konkurrenz gleichzog. Diesmal sind keine Anzeichen für einen Machtwechsel erkennbar.

Schlimmer noch: Die mangelhafte Mentalität beim BVB und die mangelhafte Konstanz bei RB Leipzig sind offensichtlich. Wenn bei den Bayern ein Erfolgstrainer wie Niko Kovac bei der Mannschaftsführung schwächelt, wird er ausgetauscht. Bei Borussia Dortmund darf der Trainer seine Laborversuche eine weitere Saison fortsetzen - das ist der Unterschied.

Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fussball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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