1994/95: Die erste Bundesliga-Meisterschaft des BVB - und eine Jahrhundertschwalbe

Das Coronavirus hat auch den Fussball in die Knie gezwungen. Um die Zwangspause etwas angenehmer zu gestalten, widmen wir uns in den nächsten Wochen in einer Serie einigen Klassikern der Bundesligageschichte. Die erste Folge: Dortmunds erste Meistersaison in der Bundesliga 1994/95.

Der BVB meldet schon nach den ersten Spieltagen Meisterschaftsambitionen an. Am 1. Spieltag siegt das Team von Hitzfeld 4:0 gegen 1860 (im Bild), am 2. Spieltag fegt Dortmund den 1. FC Köln mit 1:6 aus dessen eigenem Stadion und gewinnt dann auch noch 2:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern.
Bremen hingegen legt mit einem 1:1 bei Dynamo Dresden einen Stolperstart hin, fängt sich aber bereits am 2. Spieltag mit einem 3:2 gegen Bayer 04 Leverkusen wieder und siegt am 3. Spieltag souverän gegen den VfL Bochum mit 3:0. Überragender Mann gegen Bochum ist Mario Basler mit einem Dreierpack.
Für eine riesige Überraschung sorgt am 2. Spieltag der SC Freiburg mit einem 5:1-Kantersieg gegen den Deutschen Meister FC Bayern München.
Als mögliche Abstiegskandidaten zeichnen sich schon früh der TSV 1860 München und der VfL Bochum ab. Ersterer muss sich am 6. Spieltag mit 1:3 im Münchner Stadtderby dem FCB geschlagen geben. Die Torschützen für die Bayern: Schupp, Ziege, Zickler (im Bild).
Am 4. und 5. Spieltag erlebt der BVB eine Minikrise mit einer 1:4-Pleite bei Eintracht Frankfurt und einem 2:2 gegen Leverkusen. Nach einem Sieg gegen Freiburg katapultiert sich Werder am 4. Spieltag an die Tabellenspitze. Es folgen weitere Siege gegen Gladbach und Duisburg, Bremen hat am 6. Spieltag zwei Punkte Vorsprung auf die Borussen. Überragender Mann immer wieder: Mario Basler (im Bild), der spätere Torschützenkönig.
Nachdem Werder mit 1:4 gegen den Hamburger SV verloren hat, übernimmt der BVB am 7. Spieltag mit einem 2:0-Sieg beim KFC Uerdingen wieder die Tabellenspitze. Auch das Revierderby gegen den S04 gewinnt der BVB. Andreas Möller trifft in der 71. Minute zum 3:2-Endstand.
Der FC Bayern mit seinem Trainer Giovanni Trapattoni kommt an drei Spieltagen hintereinander nicht über Remis hinaus und steht in der Tabelle auf Platz vier hinter Dortmund, Bremen und Freiburg. Eine enttäuschende Bilanz für den "Maestro".
Am 10. Spieltag kommt es zum Aufeinandertreffen von Borussia Dortmund und dem FC Bayern. Der BVB gewinnt das Spiel knapp mit 1:0 durch ein Tor von Karl-Heinz Riedle. Oliver Kahn (li.) ist in seiner ersten Saison für den FC Bayern noch deutlich netter zum Gegner als in späteren Jahren.
Am 12. Spieltag dann das Topspiel. Der Tabellenerste BVB trifft auf den Tabellenzweiten Werder Bremen. Das Spiel geht mit 2:0 an den BVB. Andreas Möller verwandelt in der 80. Minuten einen direkten Freistoss zum Endstand.
Bis zum Ende der Hinrunde ist der BVB nicht von der Spitze zu vertreiben, Werder Bremen folgt mit vier Punkten auf Platz zwei. Im Mittelfeld stehen die Mannschaften ebenfalls dicht gedrängt. Der FC Bayern, immerhin amtierender Deutscher Meister muss sich mit Platz 5 für die Winterpause begnügen.
Bei Eintracht Frankfurt kommt es vor dem 16. Spieltag zum Eklat zwischen Trainer Jupp Heynckes und den drei Eintracht-Stars Anthony Yeboah, Maurizio Gaudino und Jay-Jay Okocha. Nachdem die drei laut Heynckes "schlecht trainiert" und den zur Strafe angesetzten Waldlauf geschwänzt hatten, melden sich die drei dann auch noch für das Spiel gegen den HSV "krank".
Heynckes wirft die drei Aufrührer im Anschluss aus dem Kader. Am 2. April löst Heynckes seinen Vertrag bei Frankfurt auf und verzichtet sogar auf die Abfindung.
Noch vor dem Start der Liga in die Rückrunde erschüttert der erste Dopingskandal in ihrer Geschichte die Bundesliga. Am 6. Februar 1995 verurteilt das Sportgericht des DFB Roland Wohlfarth (links) vom VfL Bochum zu einer zweimonatigen Sperre. Wohlfarth war im Rahmen eines Hallenturniers in Leipzig positiv getestet worden. Er hatte einen Appetitzügler mit dem verbotenen Wirkstoff Norephedrin eingenommen.
Der BVB kommt bestens gelaunt aus der Winterpause und fegt den TSV 1860 mit 5:1 aus dem Olympiastadion. Es treffen Zorc, Sammer, Riedle, Chapuisat (links im Bild) und Möller.
Am 21. Spieltag stolpert der BVB zum ersten Mal seit langer Zeit wieder und spielt nur Unentschieden bei Eintracht Frankfurt. Durch einen 5:1-Kantersieg gegen den SC Freiburg mit einem Basler-Doppelpack (links im Bild) schliesst Werder Bremen bis auf einen Punkt zum Tabellenführer auf.
Am 23. Spieltag gewinnt Bremen erneut mit 5:1, dieses Mal gegen den MSV Duisburg und ist damit punktgleich mit dem BVB ...
... der beim VfB Stuttgart nicht über ein 0:0 hinauskommt (siehe Bild). Es zeichnet sich langsam aber sicher ein spannender Titelkampf ab.
Am 26. Spieltag macht sich Andreas Möller unsterblich – allerdings nicht auf die gute Art. Im Spiel gegen den KSC lässt sich der BVB-Stürmer ohne Berührung des Gegners im Strafraum fallen. Eine Jahrhundert-Schwalbe. Oder wie es sein Gegenspieler vom KSC, Dirk Schuster, später im Magazin "11Freunde" ausdrückt: "Zwischen ihm und mir hätte ein Kleinwagen parken können."
Der BVB bekommt einen Elfmeter, dreht das Spiel und kann so wieder einen Punkt Abstand zu Bremen, das bei Köln nur 0:0 spielt, herstellen – und Andi Möller wird zu dem wohl meistgehassten Fussballer im Land.
Ebenfalls am 26. Spieltag setzt Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni einer verkorksten Bayern-Saison noch eine Krone auf, als er im Spiel gegen Eintracht Frankfurt aus einer Verletzungsnot heraus vier Amateure einsetzt. Erlaubt sind zum damaligen Zeitpunkt laut DFB aber nur drei. Eigentlich hätte der FCB das Spiel haushoch mit 5:2 gewonnen, so wurde es vom DFB mit 2:0 für Frankfurt gewertet. Einer der Amateure: Marco Grimm (links im Bild), der unglückselige vierte: Didi Hamann.