Die Bayern-Bosse geben sich gelassen, auch wenn sie in der Trainerfrage nicht mit einer Sprache sprechen. Doch in den zwei anstehenden Spielen gegen Werder Bremen droht die gesamte Saison ins Wanken zu geraten. Pit Gottschalk beleuchtet die Situation beim Rekordmeister.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Ein bisschen wurmt es Uli Hoeness dann doch, dass der erste Meistertitel der Saison nicht an den FC Bayern ging - sondern an Werder Bremen. Seine Bayern hatten auf eine Teilnahme an der Virtuellen Bundesliga verzichtet. eSports und Hoeness, das war immer ein schwieriges Verhältnis.

"Sollen wir da mitmachen?", fragte der Bayern-Präsident kürzlich in kleiner Runde und skizzierte vorsichtig, wie sein Kompromiss in den Kinderzimmern aussehen könnte: Fifa19 ja, Ballerspiele nein. "Das sollten die Mitglieder entscheiden." Hauptsache, Bayern wird Meister.

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Wie soll man Uli Hoeness da glauben, dass ihn der Ausgang des Titelrennens in der realen Liga nicht tangiert? "Und selbst wenn wir Zweiter würden, ist das doch kein Desaster", wollte er Anfang April weismachen, als seine Bayern gerade Borussia Dortmund 5:0 abgefertigt hatten.

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Schicksalsgegner Werder Bremen

Die Wahrheit ist eine andere: Fünf Spieltage vor Saisonschluss darf sich der Tabellenführer den winzigen Vorsprung von einem Punkt auf Verfolger BVB nicht mehr nehmen lassen. Der gesamte Hoeness-Kosmos geriete ins Wanken. Wieder spielt Werder Bremen eine entscheidende Rolle.

Samstag in der Bundesliga in München, Mittwoch im DFB-Pokal in Bremen: In nur fünf Tagen kann der Nordklub dem ewigen Rivalen das ersehnte Double aus Meisterschaft und Pokalsieg zunichte machen und damit das Trostpflaster für das Scheitern in der Champions League.

Für Hoeness steht weit mehr auf dem Spiel. In Nibelungentreue hält er an seinem Trainer Niko Kovac fest und versicherte ihm beim Mittagessen im Restaurant "Käfer" sogar Rückendeckung, falls die Mannschaft strauchelt. Er mache Druck auf die Spieler, nicht auf den Trainer, so Hoeness.

Hoeness und Rummenigge spielen "Guter Bulle, böser Bulle"

Keine zwei Tage später konterkarierte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das Treuegelöbnis des Aufsichtsratsvorsitzenden. "Es gibt keine Job-Garantie bei Bayern München, für niemanden", sagte er beim Fussballtalk "Wontorra" und erinnerte Hoeness ans eigene Grundgesetz.

"Jeder muss bei Bayern München liefern - das ist das Prinzip Bayern München", so Rummenigge. "Wer damit nicht umgehen kann, ist im falschen Klub." Natürlich war der Trainer gemeint. Hoeness aber dürfte die Aussage nach dem Schulterschluss mit Kovac persönlich verstanden haben.

"Wie soll ich mit jemandem zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit infrage stelle?", konterte Hoeness im "Kicker" überraschend deutlich. "In so einem Spannungsfeld, wie unser Trainer in den letzten Wochen gelebt hat, kann man nicht auf Dauer arbeiten."

Kahn soll Rummenigge beerben

Wenn Hoeness und Rummenigge bei Bayern-Spielen so einträchtig nebeneinander auf der Haupttribüne sitzen, geben sie keinen Anlass zu Spekulationen, wie es um ihre Beziehung steht. Hoeness aber machte unter der Woche klar, dass Rummenigge ein Vorstandschef auf Abruf ist.

Der designierte Rummenigge-Nachfolger Oliver Kahn, so Hoeness bei DPA, soll am 1. Januar 2020 seine Einarbeitungszeit beim FC Bayern beginnen - ein Jahr früher als ursprünglich vorgesehen. Noch vor kurzem hiess es, Kahn sollte allein das letzte Rummenigge-Jahr 2021 begleiten.

Die Machtverhältnisse kippen nur dann, wenn Bayern München gegen Werder Bremen die Saison versemmelt. Dann landet mit der Trainerfrage auch die Zukunftsfähigkeit des Rekordmeisters auf der Agenda. Es ist kein Geheimnis, dass Rummenigge eher Thomas Tuchel als Niko Kovac wollte.

Werder zuletzt leichte Beute für die Bayern

Rummenigge dürfte sich dann bestätigt fühlen. Die Gefahr für Hoeness ist aber nicht hoch. 18 Pflichtspielsiege in Folge feierte der FC Bayern gegen Werder Bremen. In den letzten sieben Bundesliga-Heimspielen schoss Bayern gegen Werder 36 Tore - nie weniger als vier.

Darum ist die Zuversicht vor dem Doppelpack gross. "Es ist eine besondere Situation, aber wir müssen uns auf das erste Spiel konzentrieren", sagte Trainer Kovac am Gründonnerstag. "Bremen ist ein Gegner, der gut in Form ist und den wir sehr ernst nehmen."

Neben Torwart Manuel Neuer (Wadenverletzung) dürfte auch Innenverteidiger Mats Hummels pausieren. Kovac möchte bei der Zerrung kein unnötiges Risiko eingehen. Er braucht Hummels für das Pokalspiel; dort ist Niklas Süle gesperrt. Es steht zu viel auf dem Spiel.

Pit Gottschalk, 50, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fussball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de.
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