Deutscher Meister 2009: Der VfL Wolfsburg führt den FC Bayern München vor

Am 23. Mai 2009 wird der VfL Wolfsburg sensationell Deutscher Meister. Den Grundstein für den ersten Meistertitel legt die Mannschaft von Felix Magath am 26. Spieltag mit einem Gala-Sieg gegen Bayern München - inklusive eines Zaubertors von Grafite. Wir blicken zurück.

Ein fulminantes 5:1 über Werder Bremen macht die Sensation am 23. Mai 2009 perfekt: Der VfL Wolfsburg ist erstmals Deutscher Meister. Die graue Maus aus der Autostadt feiert den grössten Erfolg der Vereinsgeschichte.
Meistermacher Felix Magath wird zur Feier des Tages mit Bier geduscht. Magath hat einer Mannschaft weitgehend Namenloser Siegermentalität, Disziplin und Kondition verpasst, so dass diese sogar mit Magaths Ex-Verein Bayern München Katz und Maus spielt. Der unvergessene 5:1-Sieg über den Meister läutet am 26. Spieltag die vorübergehende Wachablösung im deutschen Fussball ein.
Noch ahnen Magath und Bayern-Manager Uli Hoeness an diesem 4. April 2009 nicht, welch legendäres Spiel sie erwartet. Wolfsburg empfängt am 26. Spieltag den Double-Gewinner aus München. Beide Teams sind absolut punkt- und torgleich und wollen Hertha BSC an der Tabellenspitze ablösen. Der Vorsprung der Berliner beträgt nur einen Punkt.
Hoeness hatte Magath 2004 vom VfB Stuttgart zu den Bayern geholt und im Januar 2007 - trotz des erstmaligen Gewinns von zwei Doubles nacheinander - entlassen. Seit Sommer 2008 ist der ehemalige DFB-Teamchef Jürgen Klinsmann für die sportlichen Geschicke beim FC Bayern München verantwortlich. Noch grinst "Klinsi" ...
Die Wolfsburger kaufen den Bayern auf dem Rasen den Schneid ab. VfL-Verteidiger Andrea Barzagli wirft sich in jeden Zweikampf mit seinem italienischen Landsmann Luca Toni. Dem Bayern-Torjäger gelingt mit dem Halbzeitpfiff trotzdem der 1:1-Ausgleich, nachdem Christian Gentner die "Wölfe" erst eine Minute davor in Führung geschossen hat.
Es wird das einzige Erfolgserlebnis der Gäste an diesem denkwürdigen Nachmittag bleiben. Denn Barzagli kümmert sich zwischendurch auch erfolgreich um Bayerns Nationalspieler Lukas Podolski. Der ist der schlechteste Münchner in dieser Partie: Im "kicker" kassiert "Poldi" die Note sechs.
Das zweite Wolfsburger Tor zum 2:1 in der 63. Minute inspiriert Marcel Schäfer (l.) und Torschütze Edin Dzeko zum Baby-Jubel.
Franck Ribéry (l.) und Zé Roberto sind ebenso rat- und fassunglos wie ...
... Toni und Podolski.
Wolfsburg spielt sich in einen Rausch. Binnen 14 Minuten klingelt es viermal im Kasten der Bayern. VfL-Torjäger Grafite trifft - wie sein Kollege Edin Dzeko - doppelt. Für Dzeko sind es die Saisontore 14 und 15. Grafite hat vor der Begegnung bereits 18-mal zugeschlagen. Sein grosser Auftritt ist das 5:1 in der 77. Minute.
Ein solches Tor hat die Bundesliga zuvor noch nie gesehen. Grafite hält in jenen unvergessenen Sekunden die gesamte Deckung des Meisters zum Narren.
Grafite läuft quer durch den Strafraum des FC Bayern. Torwart Michael Rensing wirft sich verzweifelt, aber vergebens dazwischen, während Breno (33) versucht, das Tor zu decken.
Philipp Lahm eilt hinzu, kann aber auch nicht entscheidend stören. Grafite steht mit dem Rücken zum Tor, holt mit dem rechten Fuss aus und ...
Immerhin stehen da auch noch Andreas Ottl und Breno.
Grafites Ball jedoch findet den Weg durch die Abwehr und über die Linie. 5:1!
Der demütigende Nachmittag ist für den FC Bayern München aber noch nicht vorüber. Felix Magath führt gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber noch etwas im Schilde.
Magath holt ohne ersichtlichen Grund seine Nummer eins vom Feld. Torwart Diego Benaglio darf in der 89. Minute Feierabend machen.
Für den Schweizer kommt André Lenz zu seinem vierten Saisoneinsatz. Der damals 35-Jährige soll in den Genuss des historischen Ereignisses kommen. Für einen ehemaligen Münchner Löwen wie Lenz ist das gegen den FC Bayern ein doppeltes Vergnügen.
Die Wolfsburger feiern ihren Triumph nach dem Schlusspfiff ausgelassen.
Wolfsburg springt an die Tabellenspitze, die Bayern fallen auf Rang vier zurück und weisen nunmehr drei Punkte Rückstand auf. Wolfsburg hat seinen achten Sieg in Folge errungen und wird diese Serie noch auf zehn Siege nacheinander ausbauen.