Es ist nicht das erste Mal, dass Spieler bei Borussia Dortmund über die Stränge schlagen. Früher Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé, jetzt eben Jadon Sancho. Er kam zu spät zum Training und zahlt dafür eine horrende Geldstrafe. Angeblich 100.000 Euro.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Mit der Suspendierung am vergangenen Samstag, als er beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) aussetzen musste, ist es aber nicht getan. Borussia Dortmund hat ein grundsätzliches Problem mit der Disziplin der Spieler.

Ein Verein, der Durchgangsstation für Supertalente aus ganz Europa sein will, muss sich darauf verlassen können, dass die gut bezahlten Angestellten ihre Aufgaben mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angehen. Sonst gefährden sie zwangsläufig den gemeinsamen Erfolg.

In der Champions League fällt heute Kapitän Marco Reus für das Auswärtsspiel bei Inter Mailand aus. Es wird auch auf Jadon Sancho ankommen, dass diese Lücke im Angriff geschlossen wird. Wie will er das schaffen, wenn er Tage zuvor fahrlässig das Training sausen lässt?

BVB-Verantwortliche spielen Sanchos Disziplinlosigkeit herunter

Es ist offensichtlich: Einzelne Spieler tanzen den BVB-Bossen auf der Nase herum. Mit Trainer Lucien Favre hat das nur bedingt zu tun. Das Problem kannten schon seine Vorgänger Thomas Tuchel und Peter Stöger. Auch bei ihnen verursachten Fliehkräfte Irritationen.

Für eine ambitionierte Spitzenmannschaft ist das Verhalten geschäftsschädigend. Aber bei der abschliessenden Pressekonferenz am Dienstag taten die Verantwortlichen wieder alles, um den Fall herunterzuspielen.

So geht das jedesmal: Ein Spieler macht nicht, wofür er bezahlt wird - und darf hinterher sicher sein, dass er in Watte gepackt wird. Vielleicht muss es genau andersherum sein: dass die Fehler beim Namen genannt werden und das Vergehen öffentlichen Druck aufbaut.

Erst wenn das gesamte Publikum weiss, und zwar aus erster Hand, was sich der Spieler auf seine Kosten geleistet hat, ist der Rückzug in die Komfortzone ausgeschlossen. Manche Dinge kann man nicht nur in den eigenen vier Wänden klären. Der BVB erlebt es ja.

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Andreas Brehme (58) spielte von 1988 bis 1992 bei Inter Mailand, wurde dort sogar Italiens Fussballer des Jahres. Am Mittwochabend spielt sein alter Klub gegen Borussia Dortmund in der Champions League.