Ist Bayern München erpressbar? Wenn man den jüngsten Auftritt von Robert Lewandowski richtig deutet, will er genau das herausfinden.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
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Der polnische Weltklasse-Torjäger Robert Lewandowski behauptet in aller Öffentlichkeit, dass seine Ära beim deutschen Rekordmeister beendet ist – und er tut dies in dem Wissen, dass sein Arbeitsvertrag beim FC Bayern noch ein weiteres Jahr läuft und seine Bosse längst einen Wechsel verboten haben. Er will einfach weg. Trotz eines gültigen Vertrags.

Lewandowski sendet damit die Botschaft: Lasst mich besser gehen. Wörtlich: Das sei "das Beste für beide Seiten". Loyalität zum Verein, der ihn und den er in acht gemeinsamen Jahren gross gemacht hat: gleich null. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn sagt deshalb in seiner ersten Reaktion völlig zu Recht: "Wertschätzung ist keine Einbahnstrasse." Darum kümmert sich aber niemand, der seinen Willen erpressen will. Er dreht lieber die Daumenschrauben fester.

Das Dilemma des FC Bayern München

Lewandowski treibt Bayern München in ein unlösbares Dilemma. Knickt der Verein ein und lässt ihn doch gehen, wird es heissen: Bayern ist tatsächlich erpressbar. Bleibt Bayern hart, läuft Lewandowski schmollend herum, vergiftet das Klima im Team und verliert seinen Wert, bis er nächstes Jahr zum Vertragsende doch ablösefrei gehen darf. Seit heute weiss man: Der charakterstarke Spieler, der 2013/14 seinen Vertrag beim BVB erfüllte, ist er nicht mehr.

Bayern München kann es jetzt nun noch darum gehen, die Ablösesumme in astronomische Höhen zu treiben. Das schafft man nur, indem man weiterhin beharrlich auf Vertragserfüllung pocht, bis der FC Barcelona die Nerven verliert, und man doch verkauft. Borussia Dortmund ist das beim selben Verein auch schon gelungen, damals beim erpressten Wechsel von Ousmane Dembélé. Am Ende mussten die Katalanen rund 150 Millionen Euro Ablöse zahlen.

An den Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey kann jeder teilnehmen. In das Ergebnis fliessen jedoch nur die Antworten registrierter und verifizierter Nutzer ein. Diese müssen persönliche Daten wie Alter, Wohnort und Geschlecht angeben. Civey nutzt diese Angaben, um eine Stimme gemäss dem Vorkommen der sozioökonomischen Faktoren in der Gesamtbevölkerung zu gewichten. Umfragen des Unternehmens sind deshalb repräsentativ. Mehr Informationen zur Methode finden Sie hier, mehr zum Datenschutz hier.

Was jeden Fan so traurig zurücklässt: Lewandowski hat Rekorde erzielt, das Triple gewonnen, Meisterschaften beim FC Bayern gefeiert. Bei keinem anderen Verein wäre er wahrscheinlich zum Weltfussballer aufgestiegen. Niemand hat ihn gezwungen, dass er einen Vertrag bis 2023 abschliesst. Das Mehr an Geld, das damit verbunden war, nahm er gerne. Dass sein möglicher vorzeitiger Abschied jetzt so jämmerlich ausfällt, hat er massiv selbst zu verschulden.

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Pit Gottschalk, ist Journalist, Buchautor und Chefredakteur von SPORT1. Seinen kostenlosen Fussball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier.
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Zeichen stehen auf Trennung: Lewandowski will bei Bayern wohl nicht verlängern

Nach einem Bericht der "Bild" will Robert Lewandowski seinen im Sommer 2023 auslaufenden Vertrag beim FC Bayern München nicht verlängern. Fotocredit: IMAGO/Sven Simon