Auf den ersten Blick darf man Bayern München durchaus zu seinem jüngsten Transfergeschäft gratulieren. Für jedes Tor, das Robert Lewandowski nicht beim Rekordmeister schiesst, zahlt der FC Barcelona jetzt eine Million Euro Ablöse; also 45 bis 50 in Summe.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
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Obendrein spart die Personalabteilung 20 bis 25 Mio. Euro Gehalt 2022/23, was einerseits die Vertragsverlängerung mit Serge Gnabry erleichtert hat und andererseits Luft für die geplanten Zugänge Matthijs de Ligt (Juventus Turin) und Konrad Laimer (RB Leipzig) verschafft.

Bei aller Freude über die spannende wie gelungene Import/Export-Aktivitäten von Sportvorstand Hasan Salihamidzic sollte eines nicht in Vergessenheit geraten: Drei Wochen vor Bundesliga-Start fehlt Bayern München nun ein Torjäger von Weltklasse-Format.

Keinesfalls darf man dem Irrglauben verfallen, dass eine Systemumstellung von Trainer Julian Nagelsmann alle Sturmprobleme beseitigt. Wäre das so, hätte man die Variante in der Rückrunde häufiger sehen müssen, als die Ladehemmung in der Champions League offensichtlich wurde.

Die Bayern brauchen einen Kracher im Sturm

Nein, Bayern München hat aktuell niemanden, der (a) trifft, wenn keiner damit rechnet, und der (b) zwei Verteidiger bindet und damit Räume für Nebenleute erarbeitet. Ein Rekord-Torjäger wie Robert Lewandowski wird niemals gleichwertig zu ersetzen sein. Aber nix tun - das wäre falsch.

Ex-Bundestrainer Joachim Löw hat’s ja in der Nationalmannschaft erlebt. Als Torschützenkönig Miroslav Klose aufhörte, dokterte er jahrelang an Lösungen mit Mario Götze und Thomas Müller herum, um einen klassischen Mittelstürmer zu vermeiden. Die Folge: Turnier-Blamagen.

Bei Bayern ist die Kluft zu durchwachsenen Stürmern wie Eric Maxim Choupo-Moting zu gross, um den Lewy-Verlust allein mit Bordmitteln zu kompensieren. Ein Kracher muss her! Einer, der zwei Dutzend Bundesliga-Tore erzielt und in der Champions League Alarmbereitschaft auslöst.

Alle Augen auf Plan B

Damit sind wir bei Salihamidzic. Er hat, gar keine Frage, in dieser Transferperiode einen tollen Job gemacht und mit der Verpflichtung von Sadio Mané jeden Zweifler ruhiggestellt, der ihm keinen Hammer-Transfer zugetraut hat. Das ist die eine Sicht.

Die andere: Kaderplanung setzt Weitsicht voraus, dass alle Positionen nicht nur doppelt besetzt sind, sondern auch taktische Varianten im Spielverlauf ermöglichen. Die Qualität vorne im Sturm hat Bayern München, siehe oben, jetzt noch nicht. Es gibt keinen Neuner.

Weil der Abgang von Lewandowski nun wirklich nicht überraschend kam (allen Basta-Ausrufen an der Säbener Strasse zum Trotz), darf man auf Plan B gespannt sein. De Ligt und Laimer - Haken dran. Nun muss Salihamidzic seinem Trainer einen Top-Torjäger liefern. Er hat keine Wahl.

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Pit Gottschalk, ist Journalist, Buchautor und Chefredakteur von SPORT1. Seinen kostenlosen Fussball-Newsletter Fever Pit'ch erhalten Sie hier.
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