Der FC Schalke nagt anno 2020 finanziell wie sportlich am Hungertuch. Die Knappen brauchen dringend Einnahmen. Sogar das Land Nordrhein-Westfalen springt in höchster Not als Bürge ein. Ausgerechnet Dortmunds Jahrhunderttrainer Jürgen Klopp könnte mit dem FC Liverpool dank seines Lockrufs Richtung Schalkes Talent Ozan Kabak zum Retter werden.

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Der FC Schalke 04 nagt vor der Spielzeit 2020/21 sportlich wie finanziell am Hungertuch. Dass mit Jürgen Klopp ausgerechnet ein Ex-Borusse Teil der königsblauen Rettung sein könnte, hat das Zeug zur Schmonzette. Mindestens aber ist es kurios.

Klopps FC Liverpool möchte laut "Bild" und "kicker" Ozan Kabak auf die Insel lotsen. Von 35 Millionen Euro Ablöse ist die Rede.

Der erst 20-jährige Kabak war in einer blamablen Rückrunde 2019/20 vielleicht der beste Schalke. Der Einäugige unter den Blinden, wenn man so will. Doch weil bei den Knappen Verbindlichkeiten von knapp 200 Millionen Euro drücken, steckt der Revierklub in der Zwickmühle.

Der FC Schalke 04 in Geldnot: Das Land NRW springt ein

Die Coronakrise, der ausbleibende sportliche Erfolg, Skandale: Das Jahr 2020 meint es insbesondere mit dem FC Schalke 04 nicht sonderlich gut.

Weil der Schuldenberg kaum noch zu überblicken ist, springt jetzt sogar das Land Nordrhein-Westfalen ein. Schalke erhält eine Landesbürgschaft von 31,5 Millionen Euro. Damit soll ein Kredit von angeblich 35 Millionen Euro abgesichert werden.

Was kurios klingt, ist im Fussball tatsächlich nicht unüblich. In NRW haben Vereine vom MSV Duisburg über Alemannia Aachen, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund bis hin zu Schalke immer wieder diese Form der Unterstützung erhalten. Sie dient vor allem dazu, günstigere Kredite zu erhalten.

Trägt die öffentliche Hand das Risiko, verlangen die Banken weniger Zinsen. Und die Risiken bei Schalke, das zeigt die jüngere Vergangenheit, sind nicht gerade gering.

Schalke braucht neue Spieler - doch woher?

Ein Kredit allein wird Schalke jedoch nicht wieder auf die Beine helfen. Der Klub benötigt dringend Einnahmen - und eigentlich auch neue Spieler.

Damit haben sich die Knappen in eine Sackgasse manövriert: Sie müssten ihre besten Spieler halten, diese aber gleichzeitig gewinnbringend verkaufen, um neue Spieler holen zu können, die sie dringend brauchen.

Rund um die Arena AufSchalke wird nach einem Ausweg aus dieser prekären Lage gesucht. Die Vorstände Alexander Jobst und Jochen Schneider sprachen am 1. Juli auf einer Krisen-Pressekonferenz noch von "Transparenz", nur um zwei Wochen später "um Verständnis" zu bitten, "dass sich der Verein zu weiteren Details" der Bürgschaft "nicht äussern wird". Also doch keine Transparenz.

Kabak-Verkauf und Knappenschmiede sollen Not lindern

Eine Antwort von Schneider ist die Knappenschmiede, die immerhin die Weltmeister Manuel Neuer, Mesut Özil, Benedikt Höwedes, Julian Draxler, aber auch Max Meyer und - nicht zuletzt - Leroy Sané hervorgebracht hat.

Mit Can Bozdogan, Levent Mercan, Malik Thiaw und Jimmy Kaparos stehen einige Talente in den Startlöchern. Spieler wie Hassim Boujellab und Ahmed Kutucu haben bereits mehr oder weniger Bundesligaluft geschnuppert. Hinzu kommt die klare Ansage von Schneider, dass das europäische Geschäft für Schalke vorerst nicht mehr das erklärte Ziel sein wird. Das allein dürfte jedoch nicht ausreichen.

Daher sollen - oder, besser gesagt: müssen - ehemals auf Schalke Gescheiterte wie Sebastian Rudy oder Mark Uth nach ihrer Leih-Rückkehr eine zweite Chance erhalten. Und dann wäre da eben noch Kabak. Sein Verkauf würde einige Millionen in die leeren Knappen-Kassen spülen - aber eben auch ein Loch in Schalkes Innenverteidigung reissen.

Klopp lockt Ozan Kabak - und Schalke muss verkaufen

Kabak war einer der raren Lichtblicke in einer tristen königsblauen Saison. Er war der Transfer-Coup 2019, erst für den VfB Stuttgart im Januar, dann für Schalke im Juli.

Der 20-Jährige gilt als grosses Talent. Er stammt aus der Jugend von Galatasaray, ist zweikampfstark und ambitioniert - und in Klopps Geburtsstadt Stuttgart machte er weiter auf sich aufmerksam.

Als Kabak nach Deutschland zum VfB wechselte, erzählte er: "Bevor ich ging, haben mich alle gefragt: 'Mensch, traust du dir das auch zu?'" Kabak traute sich und wurde nach nur einem halben Jahr zum Rookie der Saison 2018/19 gewählt.

Anschliessend lockte der FC Bayern, den Zuschlag erhielt jedoch Schalke. Ein Jahr später sieht Klopps FC Liverpool die Chance gekommen. Und auch, wenn Schneider jüngst in einem Interview mit dem Sport-Informationsdienst (SID) betonte, keine Spieler aus Geld-Not verkaufen zu müssen, sieht die Realität doch genau so aus.

Verwendete Quellen:

faz.net: Schalke und die Intransparenz

stuttgarter-zeitung.de: Ozan Kabak ist ein Talent mit Köpfchen

transfermarkt.de: Ozan Kabak, Spielerprofil

Teaserbild: © imago/PA Images