Die Karriere des Torjägers Manfred Burgsmüller

Manfred Burgsmüller war nur drei Mal Nationalspieler, nie Torschützenkönig, und erst als 38-Jähriger durfte sich der technisch feine Stürmer aus Essen endlich Deutscher Meister nennen. Doch seine Torausbeute ist herausragend. Ein Rückblick.

Bei Rot-Weiss Essen wird Manfred Burgsmüller, Mitte, 1968 Profi, kommt aber bis 1971 nur zu zehn Einsätzen in der Bundesliga.
Nur Insidern ist Burgsmüller als Torjäger von Bayer Uerdingen noch ein Begriff. Die Krefelder schiesst der gebürtige Essener 1974 aus der Regionalliga West in die neu gegründete 2. Bundesliga Nord. Zwischen 1971 und 1974 gelingen Burgsmüller unerreichte 80 Treffer in 101 Ligaspielen für Uerdingen.
1974 kehrt Burgsmüller nach Essen zurück und spielt endlich auch gegen die Bayern und deren Kapitän Franz Beckenbauer. Zwei Jahre später erreicht RWE als Tabellenachter der Bundesliga um ein Haar den UEFA Cup. Es ist die bis heute beste Bundesliga-Platzierung für Rot-Weiss Essen am Ende einer Saison.
Trotzdem wechselt Burgsmüller 1976 kurzzeitig zurück nach Uerdingen und trifft in sieben Zweitligaspielen ein Mal für den Werksklub.
Im Herbst 1976 beendet Burgsmüller seine Wanderjahre und wird in Dortmund sesshaft. Die Borussia ist gerade nach vier trüben Jahren in der Zweitklassigkeit in die Bundesliga zurückgekehrt. Burgsmüller bleibt bis 1983 und wird ihr bester Schütze. Ein Höhepunkt ist das 11:1 über Arminia Bielefeld. Der BVB gewinnt dabei die zweite Halbzeit mit 10:0. Kapitän Burgsmüller trifft an diesem denkwürdigen Samstag alleine fünf Mal.
Drei Wochen später heisst es für Burgsmüller und dessen Kollegen bei den Bayern 0:3. In dieser Szene entwischt Burgsmüller gekonnt Bayerns Platzhirsch Paul Breitner, doch unter dem Strich ist Burgsmüllers Vorstellung an diesem 15. Spieltag dem "kicker" nur die Note fünf wert.
Auch mit anderen Bundesliga-Legenden kreuzt sich Burgsmüllers Weg, beispielsweise mit Winfried Schäfer, hier in Diensten von Borussia Mönchengladbach. Im Gegensatz zu Burgsmüller legt Schäfer anschliessend noch eine schillernde Trainer-Karriere hin, vor allem beim Karlsruher SC.
Mit der Karriere in der Nationalmannschaft aber klappt es für Burgsmüller nicht so recht. In der Saison vor der WM-Endrunde in Argentinien schafft es der Dortmunder zwar ins Aufgebot des Weltmeisters, kommt unter Bundestrainer Helmut Schön aber nur dreimal zum Zug. Sein Debüt am 16. November 1977 in Stuttgart gegen die Schweiz (im Bild) aber geht in die Geschichte ein. Nicht jedoch wegen Burgsmüller, sondern wegen Klaus Fischers Fallrückziehertor.
Sein Jahr beim 1. FC Nürnberg endet für Manfred Burgsmüller 1983/84 im zweiten Abstieg seiner Karriere nach jenem mit Rot-Weiss Essen 1971. Am 12. Spieltag sieht es im Derby bei den Bayern in München jedoch prima aus für den Club. Burgsmüllers Doppelschlag beschert dem Gast eine 2:1-Pausenführung. Kurz vor Schluss aber machen die Bayern aus einem zwischenzeitlichen 2:2 noch einen 4:2-Sieg.
Der Essener Burgsmüller kehrt in den Westen zurück und wird 1984 Kapitän bei Rot-Weiss Oberhausen. Auch mit fast 35 Jahren ist Burgsmüller noch immens treffsicher, so wie hier gegen Alemannia Aachen. Mit einer Rückkehr in die Bundesliga rechnet er trotzdem nicht mehr.
Da aber hat Burgsmüller die Rechnung ohne einen anderen Essener gemacht, den er noch aus gemeinsamen Dortmunder Tagen kennt. Von Verletzungspech gebeutelt, erinnert sich Otto Rehhagel an Burgsmüller und lotst ihn als 35-Jährigen zu Werder Bremen. Burgsmüller, noch immer topfit, erlebt an der Weser seinen dritten Frühling.
Burgsmüller geniesst es, als einer ihrer Methusalems, wieder in der Bundesliga zu kicken. Zum Beispiel in den Derbys gegen den Nordrivalen Hamburger SV. Burgsmüller hört erst 1990 auf, wird endlich mal Deutscher Meister und steht in zwei Endspielen um den DFB-Pokal. In 115 Bundesligaspielen für Werder netzt der Altmeister noch 34-mal ein.
1996 wagt es Burgsmüller, die Sportart zu wechseln und tauscht Ball gegen Ei. Als Kicker für Düsseldorf Rhein Fire feiert der einstige Bundesliga-Star noch zwei Titel in der NFL Europe und hört erst auf, als er sich 2002 mit 52 Jahren als ältester Football-Profi der Welt in die Geschichtsbücher eingetragen hat.