Nachdem bekannt wurde, dass Manuel Neuer seinen Vertrag beim FC Bayern bis 2023 verlängert hat, traf seinen künftigen Kollegen und Konkurrenten Alexander Nübel die gesammelte Häme aus den sozialen Netzwerken. Drei Jahre Ersatzbank oder doch Leihgabe - in jedem Fall wurde dem Noch-Schalker eine düstere Zukunft prophezeit: ein Leben im Schatten der Bayern-Legende.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk

Was bei der Argumentation vergessen wurde: Nübel wusste, als er seinen Wechsel zum FC Bayern Mitte Dezember bekannt gab, dass die Wahrscheinlichkeit einer Banklehre hoch ist. Niemand hatte ihm in Aussicht gestellt, dass er vom ersten Tag an Stammspieler wird. Sondern nur: dass ihm die Zukunft gehört und er eine überschaubare Zahl von Spielen macht.

Manuel Neuer spielt, Alexander Nübel lernt

Der Weltmeister spielt, der Lehrling lernt: Entspricht dieses Modell nicht exakt jenem Vorschlag, wonach man den Nachwuchs behutsam auf das nächsthöhere Level heben soll? Bayern konnte nichts Besseres passieren: Die Qualität im Tor ist gesichert, der mögliche Nachfolger kann sich bewähren, das Risiko bleibt bei einem ablösefreien Transfer überschaubar.

Nübel selbst, erst 23 Jahre alt, kann nach 40 Bundesliga-Spielen für Schalke noch keine höheren Ansprüche stellen. Er wusste sogar: Kein Bayern-Boss wird ihm die Garantie geben, dass er die Qualität entwickelt, um Nachfolger von Manuel Neuer zu werden. Er geht eine Wette auf die Zukunft ein. Die Alternative wäre gewesen: zu kneifen und sich mit Mittelmass zu begnügen.

Neuer geniesst Vertrauen der Bayern-Bosse

Neuer dagegen, inzwischen 34, geniesst mit der Vertragsverlängerung das Vertrauen aus der Chef-Etage, dass seine Dienste beim Rekordmeister bis auf Weiteres gefragt sind. Ein vorzeitig abgeschlossener Vertrag bedeutet nämlich auch, dass die Bezüge vorzeitig angehoben werden und in der Addition bis 2023 ein prächtiges Sümmchen vor dem Karriere-Ende ergeben.

So viel Weitsicht in der Kaderplanung wünscht man sich bisweilen in den anderen Bundesliga-Mannschaften. Man braucht nicht viel Geld, um dem Stammpersonal ein gutes Gefühl zu vermitteln und dem Nachwuchs eine Perspektive aufzuzeigen. Man muss ja nur nach Schalke schauen, wie das mit Fährmann, Nübel und Schubert im Tor gelaufen ist - ein einziges Chaos.

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Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fussball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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