Die seltsame Meisterfeier des FC Bayern: ohne Bier, ohne Frauen, ohne Fans

Der FC Bayern hat die achte Meisterschaft in Folge eingetütet. Es wird eine unvergessliche Feier, aber nicht weil sie besonders ausgelassen wäre. Sondern eher, weil man die seltsamen Bilder des leeren Stadions nie vergessen wird. Einer kommt aber auch ohne Bier in Bierlaune: Thomas Müller.

Seine erste Meisterfeier als Cheftrainer des FC Bayern hätte sich Hansi Flick wohl etwas anders vorgestellt. Dennoch: Die gute Laune lässt sich Flick auch von Corona nicht verderben.
Die obligatorischen T-Shirts müssen dann natürlich auch sein. Die hatte man - ganz zufällig - mit eingepackt. Die Zahlen sind allerdings schon sehr beeindruckend: 30-mal ist der FC Bayern inzwischen schon Deutscher Meister geworden. Die diesjährige Meisterschaft ist die achte in Folge.
Der Auftritt gegen Werder Bremen hätte etwas souveräner ausfallen können, die Erleichterung der Spieler, die Meisterschaft dennoch eingetütet zu haben, dafür entsprechend gross. Jerome Boateng und Lucas Hernandez üben sich in anständigem Corona-Jubel: kein Handshake, keine Umarmung, stattdessen Minimalkontakt der Hüfte. Vorbildlich.
Den eben gezeigten Jubel will Lucas Hernandez dann offenbar bei Manuel Neuer wiederholen. Doch der kontert mich Schutzhand. Das gibt Abzüge in der B-Note.
Manuel Neuer scheint wirklich nicht gern angesprungen zu werden. So ungefähr dürften alle Leute unter ihren Masken dreinblicken, wenn im Supermarkt jemand neben ihnen hustet. Euphorie geht anders.
Ahhh, er kann's also doch: Immerhin wird der angeflogene Joshua Kimmich sehr ordentlich vor Manuel Neuer geherzt. Bei so viel Freude erscheinen sogar die leeren Ränge im Hintergrund in einem warmen, freundlichen Licht.
Auch auf den oberen Rängen geht die Party ab. Karl-Heinz Rummenigge reisst gar die Hände in die Höhe. Yippie yippie yeah, Krawall und Remmidemmi!
Zumindest einer hat Spass: Es scheint, Thomas Müller kann sein Bierzeltgesicht auch ganz ohne Bier oder Zelt aktivieren. In dem Kerl schlummert einfach ein Feierbiest.
Es ist aber auch einfach wahnsinnig undankbar: Keine Fans, kein Weissbier und die Frauen der Spieler dürfen coronabedingt auch nicht mitfeiern. Man könnte fast Mitleid haben.
Wenn er schon niemandem ein Bier drüberkippen darf, dann beglückt Müller seine Mitspieler eben mit Massagen. Cuisance scheint es ok zu finden.
Ob zu Hause vor den Fernsehbildschirmen wohl ein paar Bayern-Fans die Welle mitgemacht haben? Und könnte man nicht die Feier am Marienplatz via Zoom stattfinden lassen? Fragen über Fragen ...
Nett war's. Jetzt heisst es sich auf Grösseres besinnen, immerhin ist in dieser Saison auch das Triple noch drin.
Also, packt die T-Shirts wieder weg, liebe Bayern-Spieler. Am 4. Juli geht es im DFB-Pokal gegen Leverkusen und Ende August dann in der Champions League um alles. Und wer weiss, vielleicht gibt es dann auch wieder Bier und Frauen und Fans. Das wäre doch schön.