Wenn die Ereignisse in den letzten Tagen vor einem Spiel immer zum Ergebnis dazugezählt werden müssten, dann ginge Borussia Dortmund heute Abend mit einer 2:0-Führung ins Treffen der Giganten. Der BVB hat nämlich in der Allianz-Arena das Momentum auf seiner Seite: Die Wunden verheilen langsam, die Mentalität ist seit dem Mailand-Sieg zurück, und der Trainer kann tatsächlich lauter sprechen, als wir alle je gedacht hätten!

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Das einzige, was heute für den amtierenden Meister Bayern München spricht, ist: Dass er amtierender Meister ist und daheim spielt. Der BVB geht also mit zwei Assen in der Hand ins Spiel, und Bayern hat gerade nicht mal einen König. Doch so seltsam es klingt: Das Schlimmste, was den Münchnern heute passieren könnte, wäre ein Sieg.

Der FC Bayern hat ein Hierarchieproblem

Ein Erfolg gegen Dortmund würde so vieles verschwimmen lassen, was man dieser Tage so klar beobachten konnte: Das Hierarchieproblem der Bayern in der Chefetage, das Vakuum auf der Trainerbank, die Schwäche im Spielsystem.

Ein wie im Rausch aufspielender FC Bayern, und damit muss man ja immer rechnen bei solchen Duellen, könnte zur Folge haben, dass plötzlich an der Säbener Strasse alle denken: Ach, wieso eigentlich nicht einfach weitermachen mit Interimstrainer Hansi Flick?

Das soll kein Flick-Bashing werden. Der Mann hat Ahnung von Fussball und ist sicher ein glänzender Theoretiker mit vielversprechender Zukunft, aber Bayern lebt im Heute, und Flick ist zumindest momentan nicht der Mann für die grossen Ziele, die der Klub hat. Und die heissen nicht Vizemeisterschaft oder Champions-League-Viertelfinale.

Merke: Wer gross denkt, der muss gross handeln.

Also bitte nicht Flick!

Dortmund hat Selbstbewusstsein getankt

Natürlich hat die Vergangenheit gezeigt, dass der FC Bayern fast immer da ist, wenn es drauf ankommt. Und dass der Fall des Gegners umso tiefer wurde, je grösser seine Hoffnung und seine Aussichten vorher waren. Ruf mal in Leverkusen an und frag nach, die einstigen ewigen Zweiten haben vor Auswärtsspielen in München früher gern den "Streifen in der Hose" gehabt, wie Reiner Calmund mal so treffend sagte.

Aber heute? Dortmund kommt in Topbesetzung, die Festplatte "Selbstbewusstsein" ist bis aufs letzte Byte gefüllt, und die externe Festplatte Trainer läuft schnell, sauber und virenfrei.

Das sind andere Voraussetzungen, und das ist wunderbar. Ein Sieger steht also schon fest: Der Fussball-Fan.

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0:4 im Topsiel beim FC Bayern - Borussia Dortmund hat wieder einmal Angsthasenfussball abgeliefert, meint unser Kolumnist.