Wenn man auf seine Erfolge schaut, vergisst man schnell, dass Mario Götze erst 27 Jahre alt ist. Fünfmal Deutscher Meister, viermal DFB-Pokalsieger, beides mit zwei Klubs, dazu Weltmeister mit der Nationalmannschaft und Klubweltmeister mit dem FC Bayern. Eine herausragende Karriere so weit.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk

Und dann fällt der Blick auf seine aktuelle Situation bei Borussia Dortmund. Während der Hinrunde stand Götze nur fünfmal in der Start-Elf des BVB, zehnmal wurde er eingewechselt. Seine Ausbeute: zwei Tore, eine Vorlage. Vom Glanz des Finaltorschützen 2014 bleibt da nicht mehr viel übrig.

Einem so gebeutelten Profi wünscht man nur eines: einen Tapetenwechsel. Bei Lucien Favre bekommt Mario Götze jedenfalls kein Bein mehr auf die Erde. Wenn es drauf ankommt, vertraut ihm der Trainer nicht. Beim 3:3 gegen RB Leipzig spielte er keine einzige Minute.

Götze braucht einen Verein, der eine Perspektive verspricht, eine Stadt, die ihn dankend aufnimmt, einen Trainer, der das Gute in ihm sieht und nicht die Schludrigkeiten, die fast jedem genialen Spieler nachhängen. Mit anderen Worten: Hertha BSC - in Berlin - Jürgen Klinsmann.

Mario Götze muss raus aus seiner BVB-Komfortzone

Er könnte natürlich seinen Arbeitsvertrag beim BVB bis zum Ende der Laufzeit 2020 aussitzen, schweigend das viele Geld kassieren, das ihm Borussia Dortmund noch immer zahlt, und auf bessere Zeiten hoffen. Ein ablösefreier Spieler bekommt im Sommer immer lukrative Angebote.

Aber das wäre unwürdig. Ein Wintertransfer zu Hertha BSC hätte den Charme, dass Götze einen temperamentvollen Trainer erlebt, der schon mehrfach bewiesen hat, dass er müde Kicker wiederbeleben kann. Klinsi kennt Götzes Situation: Er hat sie so ähnlich selbst erfahren.

Mit 30 Jahren hat er sich 1994 bei Tottenham Hotspur neu erfunden, bevor er zu Bayern München in die Bundesliga zurückkehrte. Nun könnte Götze sich in Berlin neu erfinden - ohne ein Umfeld, das ihn täglich an die guten alten Zeiten erinnert und ihn an vergangenen Taten misst. Ein Neuanfang halt.

Ja, vermutlich wird er in Berlin weniger Geld verdienen. Darum geht's ja: dass Sportliches seinen Weg leitet und nicht Finanzielles. Götze kann, wenn er denn will, dem deutschen Fussball noch ein paar Jahre schenken. Aber dazu muss er raus aus seiner Komfortzone bei Borussia Dortmund.

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