Nach dem souveränen 5:0 im Hinspiel ähnelt der Münchner Auftritt bei Besiktas einem besseren Trainingsspiel. Die Verletzung von Torschütze Thiago und die unnötigen Gelben Karten für Hummels und Boateng dürften Trainer Heynckes aber trotzdem geärgert haben.

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Der FC Bayern hat auf dem Weg in das Viertelfinale der Champions League auch ohne grossen Glanz einen weiteren Sieg verbucht. Nach dem 5:0-Schützenfest im Achtelfinal-Hinspiel liessen es die abgeklärten Münchner am Mittwoch im Hexenkessel von Besiktas Istanbul vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw beim 3:1 (1:0) deutlich ruhiger als vor drei Wochen angehen.

Besiktas hat versucht, Druck aufzubauen

Nach der Führung durch den später verletzt ausgewechselten Thiago (18. Minute) und einem Eigentor von Gökhan Gönül (46.) sorgte der türkische Meister durch das 1:2 von Vagner Love (59.) noch einmal für Stimmung unter den rund 42.000 Zuschauern. Der eingewechselte David Wagner (83.) sicherte schliesslich den verdienten Sieg.

Jetzt blickt der deutsche Fussball-Rekordmeister gespannt auf seinen nächsten Gegner. Bei der Auslosung am Freitag in Nyon drohen den Münchnern Hammerlose wie Titelverteidiger Real Madrid oder ManCity mit Ex-Coach Pep Guardiola.

Leichtere Aufgaben wären da der AS Rom oder der FC Sevilla. Auf jeden Fall durften sich die Bayern über 6,5 Millionen Euro UEFA-Prämie für den Viertelfinal-Einzug und den alleinigen Königsklassenrekord für Jupp Heynckes freuen. Es war für den Trainer saisonübergreifend der elfte Sieg nacheinander.

"In der zweiten Halbzeit war es ein bisschen ein wildes Spiel. Wir haben das Spiel nicht wirklich unter Kontrolle bekommen. Bei einem 3:1 denkt man eigentlich, dass man Vieles richtig gemacht hat. Es hat sich aber nicht so angefühlt", sagte Thomas Müller. Auch Jérôme Boateng sah ein paar Schönheitsfehler: "Wir hatten Phasen, in denen wir zu leicht die Zweikämpfe verloren haben."

"Höchste Konzentration" hatte Heynckes trotz des komfortablen Vorsprungs aus dem Hinspiel gefordert. Enttäuscht wurde er von seiner Mannschaft nicht. Die Bayern liessen sich von der hitzigen Atmosphäre im Vodafone Park - in der Türkei ist vom lautesten Stadion Europas die Rede - überhaupt nicht anstecken.

Ganz abgeklärt traten die Münchner auf und liessen erst gar keine Hoffnungen auf ein Fussball-Wunder aufkommen.

Angestachelt von seinen heissblütigen Fans versuchte Besiktas Druck aufzubauen, an der Bayern-Hintermannschaft war aber kein Vorbeikommen. Vielmehr gehörten die ersten Chancen den Gästen. Erst setzte Arturo Vidal einen Kopfball neben das Tor (2.), dann prüfte David Alaba den türkischen Keeper Tolga Zengin mit einem Freistoss (10.). Den Nachschuss setzte Thomas Müller über das Tor.

Von den Türken ging kaum Gefahr aus

Kurz darauf war es aber schon passiert. Nach einer Flanke von Müller traf Thiago freistehend zur Münchner Führung. Es war zugleich das 100. Pflichtspiel-Tor des deutschen Meisters in dieser Saison.

Allzu lange konnte sich der Spanier, der für den daheim gebliebenen Arjen Robben in die Startelf gerückt war, über sein Tor aber nicht freuen. Schon in der 35. Minute musste Thiago mit einer Verletzung am linken Fuss wieder vom Feld. Für den Mittelfeldspieler kam der Kolumbianer James ins Spiel.

Die Verletzung Thiagos und auch die Gelben Karten für die Innenverteidiger Mats Hummels und Jérôme Boateng in einem längst entschiedenen Duell dürften Heynckes überhaupt nicht gefallen haben. Insbesondere bei Boateng ist nach einer weiteren Verwarnung eine Sperre fällig.

Umso ärgerlicher, zumal von den Türken kaum Gefahr ausging. Ein relativ ungefährlicher Freistoss von Ricardo Quaresma war noch die beste Aktion des Tabellenzweiten der Süper Lig (37.).

In der zweiten Halbzeit dauerte es gerade einmal 28 Sekunden, ehe es für die Besiktas-Fans den nächsten Stimmungskiller gab. Nach einer Flanke von Rafinha beförderte Gönül den Ball ins eigene Tor. Spätestens nach dem zweiten Münchner Tor schaltete die Heynckes-Elf in den Trainingsspiel-Modus. Für grössere Begeisterung sorgte bei den türkischen Fans noch eine verirrte Katze auf dem Spielfeld.

Auf dem Rasen blieb dagegen alles beim Alten. Die Bayern kontrollierten das Geschehen und vergaben durch James eine weitere gute Gelegenheit (56.). In der Defensive liess es der Bundesliga-Spitzenreiter aber zu arglos angehen. Ein Abspielfehler von Alaba leitete das Anschlusstor von Vagner Love ein.

Kurz darauf vergab Mustaf Pektemek sogar die Chance zum Ausgleich (61.). Den Schlusspunkt setzte aber Wagner, der in seinem ersten Königsklassen-Spiel seit dem 24. November 2010 gleich traf.  © dpa