Schon nach 15 Minuten wurde zwischen Paris St. Germain und Istanbul Basaksehir in der Leipziger Champions-League-Gruppe kein Fussball mehr gespielt. Acht Minuten später erfolgte der Abbruch der Partie. Grund dafür war eine rassistische Beleidigung aus dem Mund des Vierten Offiziellen. Mit rund 22 Stunden Verspätung geht das Spiel weiter.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk
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Ob das Wort, das gefallen sein soll, nun "negro" oder angeblich rumänisch "negru" für schwarz war, spielt keine Rolle: Die Champions League erlebt einen ungeahnten Rassismus-Skandal.

Über die Aussenmikrofone war die Beleidigung Pierre Webos, des Co-Trainers von Istanbul Basaksehir, durch den Vierten Offiziellen Sebastian Coltescu aus Rumänien im Rahmen des Europacup-Spiels gestern Abend in Paris zu hören.

Der frühere kamerunische Nationalspieler Webo, mit 38 Jahren ein erfahrener Mann auf der Trainerbank, flippt nicht grundlos aus und provoziert nicht grundlos einen Spielabbruch beim Stand von 0:0 nach 15 Minuten.

Zum ersten Mal steht ein UEFA -Vertreter unter Verdacht, noch am Rasen alle Werte des Fussballs mit Füssen getreten zu haben. Die Spieler von Basaksehir taten das einzig Richtige, als sie das Spielfeld verliessen. Das Auswärtsspiel bei Paris Saint-Germain war es nicht wert, dass man stillschweigend die vernommene rassistische Äusserung eines Schiedsrichters hinnimmt, damit die UEFA ihr Millionenspiel weiterspielen kann. Die rote Linie konnte in der Königsklasse nicht deutlicher markiert werden: Bis hierher und nicht weiter! Webo verdient höchste Anerkennung dafür, dass er sich gewehrt hat, und seine Mannschaft, dass sie Solidarität zeigte.

Die Glaubwürdigkeit der UEFA steht auf dem Spiel

Beide Klubs werden heute gemeinsan - mit ausgewechseltem Unparteiischen-Team - versuchen, zu ihrer Tagesordnung zurückzukehren, die restliche Spielzeit nachholen und beim Einlaufen zumindest ein sichtbares Signal gegen Rassismus setzen (verfolgen Sie die Partie ab 21 Uhr bei uns in der Live-Ticker-Konferenz).

Das alleine wird nicht reichen. Die UEFA, die Millionen in ihren Kampagnen gegen jede Form von Diskriminierung steckt, darf eben nicht zur Tagesordnung übergehen und muss den Fall von Paris nicht nur aufklären, sondern ggf. Strafen aussprechen, die eine unmissverständliche Sprache sprechen, wenn der Verdacht erhärtet wird. Der UEFA sollte klar sein: Heute Abend steht erneut die eigene Glaubwürdigkeit der UEFA auf dem Spiel.

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Pit Gottschalk ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fussball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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Rassismusvorwurf: Partie zwischen PSG und Basaksehir abgebrochen

Nach einem Rassismusvorwurf gegen den Vierten Offiziellen ist das Champions-League-Spiel zwischen dem französischen Fussball-Meister Paris Saint-Germain und Basaksehir aus Istanbul abgebrochen worden. Die Partie wird am Mittwochabend fortgesetzt.