• In Mexiko ist die Gewalt im Rahmen eines Fussballspiels eskaliert.
  • Die Partie zwischen dem FC Querétaro und Atlas Guadalajara muss nach 62 Minuten abgebrochen werden.
  • Mindestens 26 Menschen werden zum Teil lebensgefährlich verletzt.
  • Das Ausmass der Gewalt ruft sogar die Fifa auf den Plan.

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Nach einer Schlägerei bei einem Fussballspiel in Zentralmexiko ist die Zahl der Verletzten auf mindestens 26 gestiegen. Dies sagte der Gouverneur des Bundesstaates Querétaro, Mauricio Kuri, in einer Pressekonferenz am Sonntag. Demnach befanden sich drei unter ihnen in einem kritischen Zustand. "Auch wenn es keine Toten gibt, können wir nicht sagen, dass dies nicht eine Tragödie ist", so Kuri.

Der Weltverband Fifa zeigte sich in einer Stellungnahme "geschockt von diesem tragischen Vorfall" und nannte ihn "barbarisch". "Die Gewalt im Corregidora-Stadion war inakzeptabel und nicht zu tolerieren", hiess es in dem Statement am Sonntagabend weiter. Die Fifa wolle noch einmal betonen, "dass Gewalt im Fussball absolut keinen Platz haben sollte, und wir werden weiterhin mit allen Gruppen zusammenarbeiten, um sie aus unserem Spiel zu verbannen".

Die Fifa ist vor allem deshalb alarmiert, weil Mexiko zusammen mit den USA und Kanada Co-Gastgeber der WM-Endrunde 2026 ist. Queretaro ist allerdings - anders als 1986 - nicht als Austragungsort vorgesehen, gespielt werden soll in Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey. Dennoch wurden erste Forderungen erhoben, Mexiko die Gastgeberrolle wieder zu entziehen.

Mitgefühl mit den Betroffenen zeigte Mexikos Nationalmannschafts-Rekordtorschütze Chicharito. "Gewalt ist kein Weg, um einer Mannschaft Zuneigung zu zeigen. Hoffentlich werden nun alle Menschen darauf aufmerksam, damit so etwas nie wieder passierte", verbreitete der 33-Jährige, der von 2015 bis 2017 das Trikot von Bayer Leverkusen trug, in den sozialen Netzwerken.

"El Universal": "Schwärzester Tag in der Geschichte des mexikanischen Fussballs"

Angesichts der Gewalt und des Chaos schrieb die Zeitung "El Universal" vom "schwärzesten Tag in der Geschichte des mexikanischen Fussballs". Bei dem Spiel zwischen dem FC Querétaro und Atlas Guadalajara im Stadion La Corregidora in Querétaro waren Anhänger beider Mannschaften zunächst auf der Tribüne aufeinander losgegangen und stürmten dann auf das Spielfeld, wo sie sich teilweise mit Stühlen und Stangen weiter attackierten.

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Die Anhänger des gastgebenden Queretaro FC und von Atlas Guadalajara (schwarz-rotes Trikot) prügeln sich - zunächst auf den Tribünen und später auch auf dem Spielfeld - dermassen ausufernd, dass die Partie der ersten mexikanischen Liga nach 62 gespielten Minuten nicht mehr fortgesetzt wird. Mindestens 26 Menschen werden verletzt.

Frauen und Kinder suchten in den Stadiontunneln Schutz. Spieler flüchteten in die Umkleidekabinen. Querétaro-Torhüter Washington Aguerre war einer derjenigen, die auf dem Platz blieben und versuchten, auf die Menschen einzuwirken. Die Partie wurde in der 62. Minute beim Stand von 0:1 unterbrochen und dann abgebrochen. Das Sicherheitspersonal war massiv überfordert, die Situation für alle Anwesenden höchst gefährlich.

Der Zivilschutz des Bundesstaates Querétaro hatte in der Nacht auf Sonntag von mindestens 22 Verletzten berichtet. Neun von ihnen seien ins Krankenhaus gebracht worden, zwei unter ihnen mit schweren Verletzungen, hiess es in einem Tweet weiter.

Angebliche Berichte über Todesopfer wurden noch nicht bestätigt

17 Tote, von denen in ersten Berichten die Rede gewesen war und die angesichts der heftigen Bilder befürchtet wurden, bestätigten weder der Zivilschutz noch die Regierung des Bundesstaates Querétaro.

Völlig unerwartet kamen die schweren Krawalle in dem mittelamerikanischen Land nicht. Schon seit 2007 sind die Fans beider Klubs miteinander verfeindet. Trotzdem entzündeten auch Anhänger von Atlas Guadalajara im heimischen Jalisco-Stadion Kerzen, um damit ihr Mitgefühl auszudrücken.

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Am Jalisco-Stadion in Guadalajara entzünden Anhänger des Klubs Atlas Kerzen. Sie drücken damit nach den Schlägereien zwischen rivalisierenden Fans im Auswärtsspiel ihrer Mannschaft beim Queretaro FC ihre Anteilnahme mit den zahlreichen Verletzten aus.

Fünf Polizisten sind vorläufig vom Dienst suspendiert

Die Partien in der mexikanischen Topliga werden auf vorerst unbestimmte Zeit ohne Publikum ausgetragen. Darüber hinaus wurden fünf Polizisten vorläufig vom Dienst suspendiert - und man kündigte den Vertrag mit dem privaten Sicherheitsdienst im Stadion mit sofortiger Wirkung.

Die mexikanische Fussball-Liga verurteilte die Vorgänge und teilte mit, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei. "Diejenigen, die die Verantwortung für die fehlende Sicherheit im Stadion tragen, werden dafür bestraft. Die Sicherheit unserer Spieler und Fans hat oberste Priorität", sagte der mexikanische Liga-Präsident Mikel Arriola.

In Mexiko und anderen lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien und Brasilien kommt es immer wieder zu Fangewalt im Fussball.

Deutschland bestritt bei der WM 1986 seine Gruppenspiele in Queretaro

Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft hatte im Rahmen der WM-Vorrunde 1986 ihre Gruppenspiele gegen Uruguay (1:1), Schottland (2:1) und Dänemark (0:2) im Stadion La Corregidora ausgetragen. (dpa/SID/hau)

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