Taktik-Genie, Titel-Sammler und Trotzkopf: Josep "Pep" Guardiola wird 50

Kommentare11

Pep Guardiola gehört zu den besten Trainern unserer Zeit, auch wenn ihm die Erfüllung eines grossen Traums bei seinen letzten beiden Stationen verwehrt wurde. Zu seinem 50. Geburtstag am 18. Januar blicken wir auf die Erfolge, Niederlagen und Kontroversen rund um den Katalanen zurück. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Er will sich nichts vorschreiben lassen: Schon früh machte Josep "Pep" Guardiola klar, dass er seinen eigenen Kopf hat. Wen wundert’s? Schliesslich ist Guardiola Katalane und hat von klein auf einen gewissen Unabhängigkeitsdrang entwickelt, der sich bereits in Barcelonas Jugendakademie "La Masia" zeigte.
Guardiola wurde ab 1990 in der berühmten Jugendakademie des FC Barcelona ausgebildet. "La Masia" gilt als Talentschmiede, die auch Fussballstars wie Lionel Messi, Gerard Piqué, Thiago oder Xavi geformt hat. Was Guardiola damals noch nicht ahnen sollte: Barca wird ihn sein halbes Leben begleiten.
Stolze elf Jahre spielte er für die Katalanen als defensiver Mittelfeldspieler – und das mehr als erfolgreich. Guardiola war Teil der heute noch als "Dreamteam" bezeichneten Mannschaft, die von Johan Cruyff (r.) trainiert wurde.
In dieser Zeit sammelte er seine ersten Titel: Er holte 1992 den Europapokal der Landesmeister, 1997 den Europapokal der Pokalsieger und wurde sechsmal mit Barca spanischer Meister. Am Ende seiner elf Profijahre hatte er beeindruckende 16 Titel mit dem FC Barcelona gewonnen.
2001 verliess er die Primera División in Richtung Serie A und unterschrieb beim Aufsteiger Brescia Calcio. Nach einer kurzen Stippvisite beim AS Rom, kehrte er nach Brescia zurück und zog in der Saison 2003/04 weiter zum katarischen Verein Al-Ahli aus Doha.
In dieser Zeit wurde ihm fälschlicherweise der Gebrauch der leistungsfördernden Substanz Nandrolon nachgewiesen und eine Sperre von vier Monaten sowie ein Bussgeld in Höhe von 50.000 Euro aufgebrummt. Guardiola brauchte Jahre, um seine Unschuld zu beweisen.
Guardiola schlüpfte 47 Mal in das Trikot der spanischen Nationalmannschaft (mit der er 1992 Olympisches Gold holte) und erzielte über die Jahre fünf Tore. Nach der Saison 2003/04 beendete er seine Karriere als Profispieler. Doch die grossen Erfolge sollten erst noch kommen.
Mit 37 Jahren wurde Guardiola Chef-Trainer des FC Barcelona und weihte sein Amt gleich mit einer grandiosen Pleite gegen Numancia ein. Nachdem er zuvor bereits den Superstars Ronaldinho, Deco und Samuel Eto’o mitgeteilt hatte, dass er mit ihnen nicht plane, war das allgemeine Murren gross.
Das verstummte jedoch schnell, denn auf die Pleite folgten 20 Spiele in der Liga, in denen Barcelona unbesiegt blieb.
Am Ende seiner ersten Saison als Barca-Trainer war Guardiola 38 Jahre alt und spanischer Pokalsieger, spanischer Meister, Champions-League-Sieger, spanischer Supercup-Sieger, europäischer Supercup-Sieger und Weltpokalsieger.
Neben seinen sportlichen Erfolgen machte Guardiola (hier mit Jose Mourinho, r.) auch immer wieder durch Zerwürfnisse mit einzelnen Spielern von sich reden. Im August 2010 sortierte er Zlatan Ibrahimović (l.) aus, der erst ein Jahr zuvor gekommen war. Fortan sollte eine innige Fehde Trainer und Stürmerstar verbinden.
"Guardiola ist ein fantastischer Trainer. Aber als Mensch? Er ist feige", sagte Ibrahimović einst in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".
Unbestritten sind seine sportlichen Erfolge: Am Ende seiner Trainerzeit bei den Katalanen am 30. Juni 2012 standen 14 Titel unter Guardiola zu Buche. Damit ist er der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte.
Nach einem Jahr Auszeit in New York schlug Guardiola seine Zelte beim deutschen Rekordmeister, dem FC Bayern, auf. Am 24. Juni 2013 wurde er im Rahmen einer Pressekonferenz, die er zu Erstaunen der anwesenden Journalisten grösstenteils auf Deutsch führte, in der Allianz Arena als Trainer vorgestellt.
Auch hier eckte der Katalane ein ums andere Mal mit seinen Vorstellungen an. So wollte er etwa Stürmerstar Neymar (l.) verpflichten, was bei den Bayern-Bossen nicht gut ankam.
Der damalige FCB-Präsident Uli Hoeness erklärte: "Guardiola hatte gewisse Vorstellungen, einen jungen brasilianischen Spieler zu kaufen. Aber wir waren in der Vergangenheit nicht so gut gelegen mit jungen Brasilianern."
Zudem soll er Paul Pogba (r.), Marco Verratti, Eden Hazard, Kevin De Bruyne und Raheem Sterling als Wunschkandidaten ins Spiel gebracht haben. Auch für diese Transfers erteilten ihm die Verantwortlichen eine Absage.
Auf dem Platz war zunächst – zumindest auf Bundesliga-Ebene – nicht viel von dem Gerangel hinter den Kulissen zu spüren. Meistertitel und Pokal waren frühzeitig gesichert, nur in der Königsklasse wollte der Ball nicht so richtig rollen.
In der Königsklasse scheiterten die Bayern im Halbfinale an Real Madrid und dessen Cheftrainer Carlo Ancelotti (l.), der später Guardiolas Nachfolge in München antreten sollte.
Ein ähnliches Bild zeichnete sich in der nächsten Saison 2014/15 ab: Die Bayern erreichten wieder das Halbfinale der Champions League, wieder verloren sie – dieses Mal ausgerechnet gegen Guardiolas Ex-Klub Barcelona. Der Gewinn der deutschen Meisterschaft geriet da schon fast zur Nebensache.