Irgendwann streikt sogar die Website der europäischen Fussballunion UEFA. Wenn man Genaueres wissen will, wie am Freitag die Play-Off-Auslosung zur EM 2020 funktioniert, führt der passende Link zu den "European Qualifier Play-Off Draw" geradewegs ins Nirwana. "Sorry!", steht dort anschliessend zu lesen, "die Seite existiert nicht mehr."

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Die Information hätte den Fans ohnehin wenig genutzt. Schon eine Woche später werden die Vorrundengruppen der Europameisterschaft ausgelost. Und das, obwohl das Teilnehmerfeld gar nicht komplett ist. Das hat es so noch nie in der EM-Geschichte gegeben: Erst 20 der 24 Teams stehen bei der EM-Auslosung fest. Die restlichen vier werden im Frühjahr ermittelt.

Wow! Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft trifft bei der EM 2020 auf den amtierenden Weltmeister und den amtierenden Europameister. Das hat die Auslosung der Gruppenphase am Samstag in Bukarest ergeben. Dennoch ist die deutsche Gruppe noch nicht komplett. Die EM-Auslosung in der Ticker-Nachlese.

EM 2020: UEFA-Auslosung in drei Akten

So degradiert die UEFA ihre spannendsten Spiele wieder zu TV-Ereignissen: Wenn man erst am 26. März erfährt, wo am 31. März im Play-Off-Finale gespielt wird, bleibt man am besten zu Hause. Nur dort kann man sicher sein, dass man keine Spielminute verpasst. Was will man schon von einer UEFA erwarten, die sogar Europacup-Endspiele ins ferne Baku verlegt?

Nur wird die Sache diesmal richtig verrückt. Diese vier restlichen Mannschaften stammen aus dem Restbestand der Nations League. 16 Verbände wollen auf den letzten Drücker beim EM-Start am 12. Juni dabei sein. Aber wenn die Besten aus der Nations League schon qualifiziert sind, rücken die Nächstplatzierten nach. Na, bisher alles verstanden?

Womöglich wird dann am 1. April ein drittes Mal gelost, sobald man nämlich weiss, welche vier Nationen über die Play-Off-Runde Ende März qualifiziert sind. In welchem Umfang eine Auslosung überhaupt notwendig ist, hängt davon ab, wer weiterkommt. Das EM-Turnier ist über Europa verteilt. Da ersetzt Heimrecht oftmals den Glücksmoment einer Auslosung.

Es geht nicht um Idealismus, sondern um Geld

Vom Abschneiden der Ungarn hängt zum Beispiel ab, ob Deutschland zwei oder drei EM-Spiele in München bekommt. Das Verfahren ist Kokolores: Kein Fan kann Urlaub und Reisen so kurzfristig bei einem Arbeitgeber planen, dass die Unterstützung für die Nationalelf gewährleistet ist. Der gesamte Kontinent ist von diesem UEFA-Irrsinn betroffen.

Die ursprüngliche Idee des damaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini war mal, dass eine Europameisterschaft 60 Jahre nach dem ersten EM-Turnier zum europäischen Gemeinschaftsprojekt wird. Durch die Ausweitung auf 24 Teilnehmer sollten Nationen in den Genuss einer Qualifikation kommen, die sonst nie dabei waren.

Aber ein Verfahren, das allein Techno- und Bürokraten als logisch und transparent bezeichnen können, widerspricht dem einfachen Regelwerk des Fussballs. Natürlich steckt dahinter kein idealistischer Ansatz, sondern allein Geld: Möglichst viele Matches bedeuten möglichst viele Moneten.

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Pit Gottschalk, 51, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fussball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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