32 Mannschaften, 8 Gruppen, 1 Weltmeister - bleiben Modus und Regelwerk auch bei der Fussballweltmeisterschaft in Russland wie gehabt? Nicht ganz. Der grundsätzliche Turniermodus verändert sich im Vergleich zu den vergangenen Weltmeisterschaften nicht - wichtige Neuerungen könnte es dagegen im Regelwerk geben.

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Der Turniermodus bei der WM 2018

In der Gruppenphase ermitteln die Teams die Teilnehmer der Achtelfinals. In diese ziehen jeweils die beiden bestplatzierten Mannschaften einer Vierergruppe ein.

Die Punkte werden nach dem bekannten Verfahren vergeben: Der Sieger einer Partie bekommt drei Punkte und der Verlierer keinen, bei einem Unentschieden teilen sich die Mannschaften jeweils einen Punkt. Die Anstosszeiten und Austragungsorte der Gruppenspiele sind im WM-Spielplan aufgeführt.

Wenn am Ende der Gruppenphase zwei oder sogar drei Mannschaften die gleiche Punktzahl erreicht haben, muss man genauer in die Statuten schauen. Für einen solchen Fall geben die Fifa-Statuten nämlich mehrere Auswahlkriterien vor, die in folgender Reihenfolge herangezogen werden:

1. Die Tordifferenz aus erzielten und erhaltenen Toren

2. Anzahl der erzielten Tore in der Gruppenphase

3. Punktzahl aus den direkten Begegnungen der punktgleichen Teams

4. Tordifferenz aus den direkten Begegnungen der punktgleichen Teams

5. Anzahl der erzielten Tore in den direkten Begegnungen der punktgleichen Teams

6. Position in der Fairplay-Wertung in den Gruppenspielen

7. Losentscheid

In die Achtelfinals ziehen 16 Mannschaften ein. Sie ermitteln im weiteren Turnierverlauf in Viertel- und Halbfinals und dem abschliessenden Finale den Weltmeister.

Nachsitzen in der K.O.-Phase

Ist ein Spiel in der K.O.-Phase nach 90 Minuten unentschieden, geht es wie gewohnt in die Verlängerung. Diese besteht aus zwei Halbzeiten à 15 Minuten. Die Pause zwischen den Halbzeiten dauert 5 Minuten.

Steht auch nach der Verlängerung kein Sieger fest, entscheidet das Elfmeterschiessen. Hier schiessen zunächst fünf Schützen jeder Mannschaft im Wechsel. Steht dann noch immer kein Sieger fest, wird jeweils ein weiterer Elfmeter geschossen, bis ein Team vorne liegt. Theoretisch könnte ein Elfmeterschiessen also auch 15:14 ausgehen.

Der Rekord für WM-Elfmeterschiessen liegt bis jetzt allerdings nur bei 5:4. Dieses Ergebnis kam bisher in vier WM-Begegnungen zustande - darunter das legendäre Elfmeterschiessen im Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich 1982, in dem Horst Hrubesch den letzten "Elfer" verwandelte.

Welche Sperren drohen für gelbe und rote Karten?

Wird ein Spieler mit einer roten Karten vom Feld gestellt, ist er mindestens für das darauffolgende WM-Spiel gesperrt.

Die Disziplinarkommission hat ausserdem die Möglichkeit, eine längere Sperre auszusprechen. Bei Platzverweisen wegen groben Foulspiels, Tätlichkeiten und unsportlichen Verhaltens sind Sperren für mehrere Spiele die Regel.

Ein Spieler, der Gelb-Rot gesehen hat - also zwei gelbe Karten in einem Spiel -, verpasst gemäss der Regeln der WM das folgende Spiel.

Nach der zweiten gelben Karte im Turnierverlauf folgt eine Sperre für ein Spiel. Wer also im ersten Spiel der Gruppenphase und im Achtelfinale mit Gelb verwarnt wird, muss im Viertelfinale zuschauen.

Vor dem Viertelfinale werden gelbe Karten gelöscht. Damit ist es nicht möglich, das Halbfinale wegen einer zweiten Gelben zu verpassen.

Kommt der Videobeweis bei der WM 2018?

Die Einführung des Videobeweises hat in der Bundesliga zu kontroversen Debatten geführt.

Fifa-Vertreter und -Gremien, darunter Präsident Gianni Infantino, haben sich im Vorfeld positiv zur Aufnahme des Videobeweises ins WM-Regelwerk geäussert.

Die Torlinientechnologie kam bereits bei der WM 2014 in Brasilien zum Einsatz und wird auch in Russland eingesetzt werden.

Wie viele Spieler darf der Bundestrainer mitnehmen?

Den Nationaltrainern stehen für WM-Spiele höchstens 23 Spieler zur Verfügung: 11 für die Startaufstellung und 12 Auswechselspieler. Das Fifa-Reglement sieht vor, dass im Vorfeld eine provisorische Liste aus 30 Spielern beim Generalsekretariat der Fifa eingereicht wird.

Für die letzte WM in Brasilien hat Jogi Löw den vorläufigen Kader Anfang Mai 2014 bekanntgegeben.

Aus dem vorläufigen Kader werden schliesslich 23 Spieler für die WM nominiert. Nach Bekanntgabe des endgültigen 23er-Kaders können die Verbände Spieler nachnominieren, wenn sich ein Spieler bis 24 Stunden vor dem ersten Spiel der Mannschaft schwer verletzt hat.

Wie setzt sich das Feld der Teilnehmerverbände zusammen?

Die 32 nationalen Verbände gehören zu fünf Kontinentalverbänden wie Uefa für Europa und AFC für Asien und Ozeanien. Die Mitglieder dieser Kontentalverbände tragen untereinander die Qualifikationsrunden für Weltmeisterschaften aus.

Die Uefa entsendet mit 14 Mannschaften von allen Kontinentalverbänden mit grossem Abstand die meisten Teilnehmer.

Zum Vergleich: Der südamerikanische (Conmebol) und der afrikanische Verband (CAF) stellen jeweils 5 Teams. Die Kontingente für die Kontinentalverbände legt das Fifa-Exekutivkomitee fest.

Im Allgemeinen sind für Europa 13 Startplätze vorgesehen, Russland als Ausrichter ist allerdings automatisch qualifiziert und wird dem Kontingent nicht zugezählt.

An der Aufteilung der WM-Teilnehmer wird sich auch bei der WM 2022 in Katar nichts ändern.

Für die WM 2026 hat die Fifa dagegen eine weitgehende Reform beschlossen. Das Teilnehmerfeld der Endrunde soll auf 48 Landesverbände ausgeweitet werden.

Einfluss der Fifa-Rangliste auf die WM-Auslosung

Die Zusammensetzung der Lostöpfe für die Auslosung der WM 2018 hat bei einigen Fussballfans Verwunderung ausgelöst. Starke Teams wie Spanien waren im zweiten Lostopf zu finden, Polen hat es dagegen in den ersten Lostopf geschafft.

Die Erklärung dafür liefert die Fifa-Weltrangliste. Erstmals hat der Weltfussballverband die Zusammensetzung der Lostöpfe allein auf Grundlage der Weltrangliste ermittelt.

Das Verfahren, nach dem diese Rangliste errechnet wird, ist nicht ganz unumstritten. In die Wertung gehen alle ausgetragenen Partien der vergangenen vier Jahre ein: EM- und WM-Spiele, Qualifikationen und Turnierspiele.

Pflichtspiele sind dabei stärker gewichtet als Freundschaftsspiele, und auch die Platzierung des Gegners in der Fifa-Rangliste hat Einfluss auf die vergebenen Punkte. Ausserdem wird die Punktzahl durch die Anzahl der Spiele geteilt, um einen Durchschnittswert zu erhalten.

Kurzum: Freundschaftsspiele (besonders gegen schwache Gegner) bringen einen in der Rangliste nicht nach vorne.

Der polnische Verband hat das erkannt und konsequent ausgenutzt. Er verzichtete für rund ein Jahr auf Freundschaftsspiele. Weil das polnische Team im gleichen Zeitraum eine gute WM-Qualifikation gespielt hat, ist es zum Stichtag in der Fifa-Rangliste auf den sechsten Platz vorgerückt und damit im ersten Lostopf gelandet.

Die Fifa will das Regelwerk dahingehend ändern, dass ein solches Vorgehen in Zukunft nicht mehr belohnt wird.© 1&1 Mail & Media