Joachim Löw überraschte einige Beobachter mit der Bekanntgabe des finalen WM-Kaders der Nationalmannschaft. Insbesondere die Nicht-Nominierung von ManCity-Spieler Leroy Sané löste Kontroversen aus. Ein Blick auf die Hintergründe der Entscheidung.

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In England wird er als Jungstar gefeiert, für Joachim Löw reichte das pure Potenzial nicht für ein WM-Ticket: Leroy Sané , der Aufsteiger beim Pep-Guardiola-Club Manchester City, darf nicht mit nach Russland. Dabei hatte der 22 Jahre junge Offensivspieler in dieser Saison beim englischen Fussball-Meister sehr gute Argumente für eine WM-Teilnahme gesammelt. Das Problem für ihn: In der deutschen Nationalmannschaft ist Sané , der bei den jungen Fans sehr beliebt ist, (noch) nicht angekommen. Zuletzt bekam er gegen Brasilien und Österreich noch zwei Chancen in der Startelf - nutzen konnte er sie nicht.

Brandt statt Sané

So entschied sich der Bundestrainer bei der Benennung seines endgültigen 23-köpfigen WM-Kaders am Montag für den Leverkusener Julian Brandt und gegen Sané, obwohl er auch sagte: "Leroy hat ein riesiges Talent." An Russland dribbelte der Ex-Schalker vorbei.

Für 14 Tore und 19 Vorlagen zeichnete Sané in 49 Pflichtspielen für ManCity in dieser Saison verantwortlich. "Leroy Sané , der beste junge Spieler in der Premier League, muss zuhause bleiben. Jogi, nicht dein Sané-Tag heute?!", schrieb der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack bei Twitter. "Löw setzt sich mit dieser Entscheidung selbst massiv unter Druck!"

In seinen zwölf Länderspielen - davon fünf in der Startelf - hat Sané überhaupt noch nicht getroffen. Zwar wollte der Bundestrainer dem 22-Jährigen nach dessen Leistung beim 1:2 gegen Österreich "überhaupt keinen Vorwurf" machen: "Er hat eine gute Defensivarbeit versucht, ist nach hinten gegangen, hat umgeschaltet." Aber die angeprangerten Fehler im Umschaltspiel gingen zu einem grossen Teil auf Sanés Kappe.

Kritik an mangelndem Team-Geist

"Wir sind drei-, viermal in Überzahl auf das gegnerische Tor zugelaufen und haben die Aktionen nicht mal zum Abschluss gebracht. Wir hatten Ballverluste im Minutentakt", hatte Löw moniert. Kapitän Manuel Neuer berichtete von einem Gespräch mit Sané noch auf dem Platz in Klagenfurt: "Man hat gemerkt, dass wir nicht zufrieden waren. Gerade in der Aufteilung hatten wir es nicht leicht, hinten raus zu spielen. Da waren wir beide frustriert."

Schon nach dem 0:1 gegen Brasilien hatte Champions-League-Sieger Toni Kroos scharf kritisiert, dass die Spieler aus der neuen Generation zu wenig einbringen würden. Auch Sané durfte sich angesprochen fühlen. Im DFB-Tam wirkte er bisher noch mehr wie ein Einzelspieler.

DFB-Durchbruch aufgeschoben

Die Entscheidung gegen Sané war zugleich eine Entscheidung für den Leverkusener Julian Brandt, machte Löw deutlich. "Mit Reus, Draxler, Müller sind wir auf diesen Positionen gut besetzt. Julian war beim Confed Cup gut, hat gute Fortschritte gemacht. Er hat auch im Training guten Einsatz gezeigt", sagte der Bundestrainer.

Sané hatte wegen einer Nasenoperation vor einem Jahr auf die WM-Generalprobe in Russland verzichtet. "Beide haben grosse Qualitäten, sind schnell und dribbelstark", erklärte Löw zum Zweikampf Sané gegen Brandt: "Am Ende war es eng."

Sané werde aber zurückkehren. "Leroy hat sich sehr korrekt und gut verhalten. Wir werden in Zukunft verstärkt mit ihm arbeiten", kündigte Löw an. Dennoch darf das WM-Aus für den Jungstar als Karriereknick gewertet werden. Bei der EM vor zwei Jahren in Frankreich war er als Lehrling dabei, durfte nur im Halbfinale gegen den Gastgeber elf Minuten ran, als das Spiel schon verloren war. Die WM in Russland sollte für ihn zum internationalen Durchbruch werden - darauf muss der in Essen geborene Sané nun warten. (mc/dpa)

"Ganz ganz übles Foul" an Leroy Sané: Bundestrainer Joachim Löw hatte die schlimmsten Befürchtungen

Leroy Sané habe sich nicht verletzt. Das war für Joachim Löw nach einem unnötig harten Einsteigen des Serben Milan Pavkov im Test-Länderspiel in Wolfsburg die wichtigste Erkenntnis. Pavkov habe riskiert, Sané den Fuss zu brechen. Löws Kollege Mladen Krstajic entschuldigte sich für die hässliche Szene. © DAZN