Los Angeles (dpa) - Brisante Affären, freizügige Sexszenen und blutige Racheverbrechen - das sind die bewährten Zutaten für die Erotik-Thriller des britischen Regisseurs Adrian Lyne. In "9 1/2 Wochen" (1985) lassen sich Kim Basinger und Mickey Rourke auf Sadomaso-Spielereien ein. "Eine verhängnisvolle Affäre" (1987) bringt Michael Douglas und Glenn Close gefährlich nah zusammen. Robert Redford macht Demi Moore "Ein unmoralisches Angebot" (1993) und in "Untreu" (2002) mimt Richard Gere den betrogen Ehemann, der seinen Nebenbuhler ausschalten will.

Danach wurde es still um Lyne, doch nach 20 Jahren Pause meldet sich der jetzt 81-Jährige mit "Deep Water" zurück. Die Handschrift des ehemaligen Werbefilmers ist unverändert - wieder geht es um Beziehungen, Betrug, Eifersucht und Sex.

Ben Affleck ("The Last Duel", "Gone Girl") und Ana de Armas ("Blade Runner 2049", "Knives Out") spielen Vic und Melinda Van Allen, ein reiches Ehepaar mit einer kleinen Tochter, deren Beziehung längst auf Eis liegt. Melinda, von der Mutterrolle genervt, vergnügt sich mit jungen Liebhabern, und das unverfroren vor den Augen ihres Mannes. Doch findet sich der beherrscht wirkende Vic wirklich mit den Affären seiner jungen Frau ab? Oder hat er seine Finger im Spiel, als einige ihrer Lover ums Leben kommen?

"Deep Water" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Patricia Highsmith (1921-1995), deren Bücher schon oft verfilmt wurden. Alfred Hitchcock inszenierte "Der Fremde im Zug" (1951), Wim Wenders "Der amerikanische Freund" (1977) und Anthony Minghella holte Matt Damon als Mörder in "Der talentierte Mr. Ripley" (1999) vor die Kamera.

Affleck macht sich gut in der Rolle des liebevollen Vaters der kleinen Trixie, der zusehends unter den Zurückweisungen seiner untreuen Frau zerbricht. Nach aussen hin, bei den Pool-Partys in den Villen ihrer reichen Freunde, bleibt er cool. Da witzelt er auch mal vor den Augen von Melindas Lover, dass er einen ihrer Ex-Liebhaber bereits umgebracht habe. Schwarzer Humor oder kaltblütiges Kalkül?

Regisseur Lyne spannt Affleck (49) gekonnt für seinen Psychoterror ein. Wie weit sind Menschen bereit zu gehen? Er spielt die Charaktere brutal gegeneinander aus: den gehörnten Ehemann, die unbekümmerten Nebenbuhler und die provozierende Ehefrau, die allmählich misstrauisch wird, dass ihr Mann der heimliche Täter ist.

Die gebürtige Kubanerin Ana de Armas (33) spielt ihre Reize gekonnt aus, doch viel mehr muss sie in dieser Rolle nicht leisten. Lyne gibt ihr wenig Raum, eine komplexere Figur zu entwickeln. In der Thriller-Komödie "Knives Out - Mord ist Familiensache" (2019) hatte Armas ihr vielseitiges Talent viel besser einsetzen können.

Der Dramatiker, Schauspieler und Pulitzer-Preisträger Tracy Letts (56, "August: Osage County", "Die Verlegerin") hat eine Nebenrolle als Schriftsteller, der Vic als Tatverdächtigen ins Visier nimmt. Nach dem Fund einer weiteren Leiche im Swimmingpool ist er nicht mehr zu bremsen. Während Vic und Melinda weiter in der Szene verkehren, will er die Mordtaten aufklären.

In "Deep Water" schaut Lyne erneut hinter die glatte Fassade der amerikanischen Gesellschaft. Er taucht in Beziehungs-Abgründe ein, schwelgt in Leidenschaft, Betrug und Eifersucht. Dabei hält der Regisseur an seinem bewährten Stil fest. Statt Psychodrama mit Tiefgang, das zum Nachdenken anregt, unterhält er mit Erotik, Sex und Blutvergiessen.  © dpa