Von "Gladiator" bis "Joker": So vielfältig ist Joaquin Phoenix

Von einem einfühlsamen Aussenseiter über einen machthungrigen Tyrann bis zum wahnsinnigen Joker: Joaquin Phoenix hat als Geheimwaffe Hollywoods ein irrsinnig breites Repertoire zu bieten. Heute wird der Mann mit dem Hang zum Method-Acting 45 Jahre alt – und wir blicken auf seine bisher eindrucksvollsten Rollen zurück. © spot on news

Seinen Start in die Filmbranche hat Joaquin Phoenix einem Umzug seiner Familie von Lateinamerika nach Los Angeles zu verdanken. Schon während der 80er- und 90er-Jahre war er in diversen Werbespots, Fernsehserien und Filmen zu sehen. Doch schon bald sollte den angehenden Darsteller ein schwerer Schicksalsschlag ereilen.
Sein Bruder River starb 1993 an den Folgen einer Überdosis in Phoenix' Armen. Aufhalten liess sich Joaquin (im Bild links) von dem Schicksalsschlag aber nicht: Der erste Film nach seinem familiären Verlust war 1995 "To Die For" an der Seite von Nicole Kidman (re.) und Casey Affleck (2. v. li.).
Obwohl Hollywood seinen Bruder das Leben kostete, brannte der Jungdarsteller für Momente vor der Kamera – und das merkte auch das Publikum. Seinen internationalen Durchbruch hatte er als Kaiser Commodus in Ridley Scotts "Gladiator" 2000. Für seine Leistung wurde er für zahlreiche Preise nominiert, auch für einen Oscar als bester Nebendarsteller.
Bereits zu diesem Zeitpunkt war er US-Amerikaner branchenweit als "Method Actor" für sein tiefes Eintauchen in seine Charaktere bekannt. Darsteller spielen dabei ihre Rollen ohne Rücksicht auf Verluste. Seinen nächsten denkwürdigen Auftritt hatte Phoenix in gleich zwei Filmen des Regisseurs M. Night Shyamalan: "Signs – Zeichen" und...
… "The Village – Das Dorf". Der Mystery-Spielfilm von 2004 thematisiert das Leben im abgeschiedenen Dorf Covington, das von einem Wald umgeben ist, in dem bösartige Kreaturen leben sollen. Der Film spielte allein am Startwochenende 50 Millionen Dollar in den USA ein.
2004 vor den Dreharbeiten zu "Im Feuer" bewies Phoenix erneut seinen immensen Drang, in Rollen einzutauchen. Er liess sich zum Feuerwehrmann ausbilden, um möglichst authentisch zu wirken. Im Film an seiner Seite waren unter anderem John Travolta (re.) und Ben Affleck.
Für das Biopic "Walk the Line" (2005) schlüpfte Joaquin Phoenix unter der Regie von James Mangold in die Rolle des berühmten Country-Stars Johnny Cash. Phoenix sang für den Film alle Songs selbst ein. Für seine Darbietung erntete er viel Lob, gewann den Golden Globe Award als bester Hauptdarsteller in einer Komödie und wurde als bester Hauptdarsteller für einen Oscar nominiert.
Ab Oktober 2008 spielte der Ausnahmedarsteller sein wohl extremstes "Stück": Der Öffentlichkeit gegenüber gab er an, sich aus dem Business zurückziehen zu wollen und sich ab sofort der Musik zu widmen. Es folgten diverse skurrile Auftritte, er liess sich einen Rauschebart wachsen, verlotterte, doch 2010 kam die Überraschung: All das war inszeniert und diente als Filmmaterial zu Casey Afflecks Doku "I'm Still Here: The Lost Year of Joaquin Phoenix".
Nach seiner zweijährigen, selbstgewählten Filmabstinenz wählte er als Comeback-Film "The Master" mit Philip Seymour Hoffman (re.) aus. Der Film ist an das Leben des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard angelehnt und handelt von der Entstehung der Sekte. Für seine Rolle des Freddie Quell sahnte Phoenix erneut einen Golden Globe ab und wurde zum zweiten Mal für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert.
Er kann auch einfühlsam: Zu einer vierten Oscar-Nominierung im Darsteller-Bereich reichte es für Joaquin Phoenix mit "Her" (2013) zwar nicht, doch seine Darbietung im Drama von Spike Jonze muss dennoch zu den stärksten Leistungen seiner Karriere gezählt werden. Als schüchterner Theodore verliebt er sich nach der Scheidung in Samantha, die Stimme seines neuen Betriebssystems (gesprochen von Scarlett Johansson).
Auch in "Inherent Vice - Natürliche Mängel" (2014), einer Kriminalkomödie von Paul Thomas Anderson, überzeugte Phoenix. 2015 heimste er erneut eine Nominierung für einen Golden Globe ein. Insgesamt wurde der Film in unterschiedlichen Gremien für knapp 100 Preise nominiert oder ausgezeichnet.
Es folgte die erste Kooperation zwischen Phoenix und Woody Allen: 2015 engagierte der Filmemacher ihn für die Komödie "Irrational Man" mit Emma Stone (li.). Darin schlüpft er in die Rolle eines Philosophieprofessors, der in einer existenziellen Krise steckt und erst nach einem Mord an einem Richter wieder den Sinn in seinem Leben findet.
Joaquin Phoenix' besondere Leistung in "A Beautiful Day" (2018) liegt darin, die Abwesenheit eines Innenlebens darzustellen. Die Abschottung des gequälten Kriegsveteranen von der Welt (mit dem inbegriffenen Versprechen der Erlösung) geht Phoenix nicht weit genug, er will Leere verkörpern. Leere Blicke, ins Nichts greifende Gesten, taube Gewalt. Das Drehbuch schrieb Lynne Ramsay Phoenix auf den Leib.
2018 ist nicht nur das Jahr, in dem er sich für seine Rolle als Jesus in "Maria Magdalena" bis auf die Knochen abmagert, sondern auch seine grosse Liebe findet. Nach gescheiterten Beziehungen mit Liv Tyler und Anna Paquin verliebt er sich Hals über Kopf in die elf Jahre jüngere Filmkollegin Rooney Mara.