Über Pretty Woman zu Erin Brockovich: So wandelbar ist Julia Roberts

Ihr unverkennbares Lächeln machte sie berühmt: Doch US-Schauspielerin Julia Roberts kann nicht nur "Pretty Woman" sein, sondern auch ernste Töne anschlagen. Sei es als "Erin Brockovich" oder als Rachel Mannus in "Flatliners". Zu ihrem 52. Geburtstag lassen wir ihre schönsten und stärksten Rollen noch einmal Revue passieren. © spot on news

Auf eine wirklich grosse Rolle musste Julia Roberts lange hinarbeiten. Zu Beginn ihrer Karriere hatte sie kleinere Nebenrollen, wie in "Firehouse". Ihr Auftritt dauerte gerade einmal 15 Sekunden. Für die romantischen Musikkomödie "Satisfaction" (Foto) nahm sie sogar Schlagzeug unterrichtet. Der erste grosse Erfolg gelang ihr aber erst 1989 mit "Magnolien aus Stahl".
Als zuckerkranke, angehende Braut überzeugte sie neben Sally Field (li.) in dem Romantikdrama, erhielt den Golden Globe als Beste Nebendarstellerin und wurde prompt für einen Oscar nominiert. Nur ein Jahr später sollte die Rolle aller Rollen kommen.
Als unerschrockene Prostituierte Vivian verdrehte die damals 22-Jährige in der romantischen Komödie "Pretty Women" nicht nur Richard Gere (li.) als Finanzmogul Edward den Kopf. Millionen Kinogänger stürmten begeistert die Lichtspielhäuser, um die besondere Lovestory zu verfolgen. Für diese Leistung räumte sie auch gleich die nächste Oscar-Nominierung ab.
Mit steigendem Erfolg wurden auch ihre Gagen höher: Bekam die Südstaatlerin für ihre Rolle in "Pretty Woman" 300.000 Dollar, sind es heute Traum-Gagen in Höhe von rund 20 Millionen Dollar. In der Zwischenzeit musste sie sich aber mit 550.000 Dollar für "Flatliners - Heute ist ein schöner Tag zum Sterben" "zufriedengeben".
An der Seite von Kevin Bacon gab Roberts die Medizinstudentin Rachel Mannus, die in dem Psycho-Thriller voll beklemmender Spannung und surrealer Bilderwelten sehr an Nahtoderlebnissen interessiert ist. Ein bedrückender Horrorfilm, der am Ende aber etwas Gutes hatte: Am Set lernte Roberts Kiefer Sutherland kennen und lieben. Sie beendete die Beziehung jedoch im folgenden Jahr, nur wenige Tage vor der geplanten Hochzeit.
Spätestens in "Der Feind in meinem Bett" erkannten Kritiker auch ihr Talent für ernste Rollen. Darin verkörperte Roberts eine junge Frau, die ihren eigenen Tod inszeniert, um ihrem sadistischen Ehemann, gespielt von Patrick Bergin, zu entkommen. Der Film war ein wahrer Kassenschlager und hatte am Ende ein Einspielergebnis von 101,5 Millionen Dollar. Roberts selbst bekam eine Gage von einer Million Dollar.
Nach ihrem Auftritt als Fee Tinkerbell in Steven Spielbergs Fantasyspektakel "Hook" nahm sich Roberts dann eine überraschende, zweijährige Auszeit vom Filmgeschäft.
Frisch gestärkt und von Erschöpfung keine Spur kehrte sie 1993 an der Seite von Denzel Washington in der John-Grisham-Adaption "Die Akte" zurück auf die Leinwand.
Im Woody-Allen-Film "Alle sagen: I love you" stellte Roberts dann ihr gesangliches Talent unter Beweis und erhielt durchweg positive Kritiken.
Der nächste Riesenerfolg gelang Julia Roberts schliesslich 1997 mit der romantischen Komödie "Die Hochzeit meines besten Freundes". Darin will sie Cameron Diaz kurz vor deren Hochzeit den Mann (Dermot Mulroney) ausspannen.
Eine Golden-Globe-Nominierung heimste sie für ihre Darbietung in der Romantikkomödie "Notting Hill" (1999) an der Seite von Hugh Grant ein. Wohl kaum jemand kennt die Szene nicht, in der sie mit Barrett und Sonnenbrille bekleidet, den kleinen Laden von Hugh Grant im kultigen Londoner Stadtteil betritt, oder?
Nur kurze Zeit später landete sie an der Seite von Richard Gere in "Die Braut, die sich nicht traut" den nächsten Coup. Journalist Ike (Richard Gere) will herausfinden was es damit auf sich hat, dass Maggie (Julia Roberts) schon einige Male vor dem Traualtar stand und immer wieder einen Rückzieher machte. Beide Filme – "Notting Hill" und "Die Braut, die sich nicht traut" – spielten jeweils erneut über 300 Millionen Dollar ein und machten Roberts zur bestbezahlten Schauspielerin Hollywoods.
Nur ein Jahr später (2000), deckte sie als "Erin Brockovich" nicht nur einen Umweltskandal auf, sondern bekam dafür auch noch eine Rekord-Gage von 20 Millionen US-Dollar. Sie erhielt für ihre Darstellung ihren dritten Golden Globe, den British Academy Film Award, den Critics' Choice Award, den Screen Actors Guild Award und im dritten Anlauf auch den Oscar.
Nach dem starbesetzten Überraschungserfolg "Ocean's Eleven", in dem Roberts neben Brad Pitt als Freundin von Danny Ocean (George Clooney) zu sehen war ...
… spielte sie sich in "America's Sweathearts" als Kiki an der Seite von John Cusack (li.) und Catherine Zeta-Jones erneut in die Herzen der Zuschauer.
2004 wurden sie und ihr Mann, Kameramann Daniel Moder, Eltern von eineiigen Zwillingen. Nach einer fast dreijährigen Babypause fand Roberts schnell wieder zu alter Form zurück und legte neben Tom Hanks in der politischen Satire "Der Krieg des Charlie Wilson" ein erfolgreiches Comeback hin. Dafür gab es die insgesamt sechste Golden-Globe-Nominierung.
In "Eat Pray Love" begab sich Julia Roberts als ausgebrannte Liz Gilbert auf Weltreise, um zu sich und letztendlich in Felipe (Javier Bardem) die grosse Liebe zu finden. Zwischenstation machte sie dabei in Italien, Indien und Indonesien, um zu essen, zu beten und zu lieben. Bis heute ist die Pizzeria in Neapel, in der eine Schlemm-Szene gedreht wurde (Foto), eine Pilgerstätte für Roberts-Fans.
Eine ganz andere – stiefmütterliche Seite – zeigte die Schauspielerin in "Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen" (2012). Als böse Stiefmutter machte sie Schneewittchen (Lily Collins) das Leben zur Hölle.
Zurück zu ernsteren Themen: In "Im August in Osage County" spielte sie neben Ewan McGregor (2.v.l.) eine Tochter, die den Selbstmord ihres Vaters und die Tablettensucht ihrer Mutter (Meryl Streep, re.) in den Griff bekommen zu versucht. Der Film schlug bei Kritikern ein und verschaffte Roberts eine Golden Globe und eine weitere Oscar-Nominierung.
Es folgten 2014 "The Normal Heart", 2015 "Vor ihren Augen" und 2016 "Money Monster". Im Thriller von Jodie Foster spielte sie die Regisseurin einer Nachrichtensendung, deren Finanzguru (George Clooney) Opfer eines Überfalls im Studio wird.