Die Auszeichnung der umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang beim Echo 2018 hat eine Welle des Protests ausgelöst. Nun hat ein Gewinner-Quartett aus dem Jahr 2017 seine Trophäe sogar zurückgegeben. Diese sei für sie nur noch ein "Symbol der Schande". Auch ein weiterer Künstler hat seinen Preis für das Lebenswerk zurückgegeben.

Weitere News zum Echo 2018

Im vergangenen Herbst wurde das Berliner Ensemble Notos Quartett mit einem Echo Klassik ausgezeichnet. Die Musiker empfanden das als grosse Ehre - doch mit der Echo-Preisverleihung 2018 am vergangenen Donnerstag änderte sich das.

Dass die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang zu den Preisträgern gehören und damit "antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust" mit einem Preis gewürdigt wurden, habe sie zutiefst erschüttert, schreibt das Berliner Ensemble auf seiner Facebook-Seite.

Echo ist ein "Symbol der Schande"

Die Rapper Kollegah und Farid Bang waren am Donnerstag für ihr als antisemitisch kritisiertes Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet worden. Es enthält unter anderem die Textzeilen "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

"Die Tatsache, dass nun eben dieser Preis offenen Rassismus toleriert, ihm gar eine Plattform bietet und ihn auszeichnet, ist für uns nicht tragbar", schreiben Notos Quartett in ihrem Facebook-Post weiter.

Die Trophäe, die bislang in ihrem Probenstudio stand, sei für sie zu einem "Symbol der Schande" geworden. "Daher möchten wir uns von unserer Auszeichnung mit dem Echo entschieden distanzieren und geben hiermit den Preis zurück."

Auch Klaus Voormann hat derweil seine Trophäe zurückgegeben. Der Musiker, der ein enger Freund der Beatles ist, war am vergangenen Donnerstag für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden.

"Ich habe ursprünglich mit Freude den Lebenswerk Echo angenommen, da man bei mir anscheinend nicht nach Verkaufserfolg und Umsatzzahlen ging, sondern meine künstlerische Leistung würdigen wollte", sagte Voormann in einem Statement, aus dem "Bild" und "Spiegel Online" zitieren. "Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als grosse Enttäuschung."

Harte Worte des Sängers nach dem Eklat bei der Preisverleihung.

Nicht nur die Ehrung der Rapper an sich moniert er, auch den Zeitpunkt seines Auftritts. Dieser war direkt nach dem Auftritt der Rapper. Man habe ihn und seinen Laudator und Freund Wolfgang Niedecken ist offene Messer laufen lassen, indem man sie beide und grosse Teile des Saalpublikums in Schockstarre versetzt hat.

Durch die Rückgabe des Preises wolle er "sein Unverständnis ausdrücken gegenüber der Verantwortungs- und Geschmacklosigkeit aller verantwortlichen Beteiligten, die es nicht geschafft haben, rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen".

Veranstalter will Konzept überarbeiten

Angesichts der massiven Kritik - unter anderem auch von Aussenminister Heiko Maas - will der Echo-Veranstalter das Konzept erneuern. Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) kündigte eine "umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen" an. Details nannte er nicht.

"Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt", betonte er. Das dürfe nicht ohne Konsequenzen bleiben. (dpa / jwo / ms)

Bildergalerie starten

Echo 2018: Skandal um Kollegah und Farid Bang, Lametta um Helene Fischer

Kollegah und Farid Bang sorgten für einen Skandal beim Echo, Helene Fischer und Kylie Minogue für funkelnde Momente: Das war der Echo 2018.