Einer der ganz grossen Entertainer ist tot: Udo Jürgens starb im Alter von 80 Jahren bei einem Spaziergang an Herzversagen. So nimmt die deutschsprachige Presse Abschied vom Gentleman-Schlagersänger.

Der Sänger, Komponist und Entertainer Udo Jürgens ist tot. Der österreichische Musiker ("Griechischer Wein", "Aber bitte mit Sahne") starb am Sonntag völlig überraschend mit 80 Jahren in der Schweiz bei einem Spaziergang. Das teilte sein Management mit. Familie, Weggefährten, Kollegen und Fans trauern. Die Presse huldigt dem Ausnahmekünstler und "Publikums-Umarmer" auf besondere Weise.

Österreich:

Die Presse: "Udo Jürgens zeigte der biederen deutschen Unterhaltungswelt, was es heisst, wenn einer Glamour, Intelligenz und Mitgefühl in seine Kunst einbindet. Für den grossen Udo geht die Sonne leider nie mehr auf. Uns bleibt nur mehr leise Trauer."

Der Standard: "Gerade war er noch da. Am 30. September wurde er 80 Jahre alt, und das Album, das er heuer veröffentlichte, titelte Mitten im Leben. Das nahm man ihm ohne Anflug eines Zweifels ab. Udo Jürgens war der Inbegriff der Unverwüstlichkeit. Er schien einer zu sein, dem das Alter nicht viel anhaben konnte. Gut, die Haare waren gefärbt, aber sonst war er ein scheinbar immerwährendes Energiebündel, dessen Konzerte jedes Mal die Zwei-Stunden-Marke sprengten, als wäre er halb so alt. (...)

Udo Jürgens ist tot, doch seine Songs leben weiter in unseren Herzen.

Er machte sich über Spiessbürger lustig (In diesem ehrenwerten Haus), sang in Rot blüht der Mohn über Drogen und kam mit Gehet hin und vermehret euch in Bayern sogar auf den Index, nachdem sich Kirchenvertreter über dieses Lied zum Thema Überbevölkerung erregt hatten. Da machten sie ihre Rechnung aber ohne die Udo-Jürgens-Fans. Diese gingen tatsächlich auf die Strasse, um ihren Udo im Radio hören zu können. Das war in den 1980ern, und Jürgens war damals längst eine Institution."

Kurier: "Udo Jürgens ist tot. Selten war das Wort erschütternd so passend wie hier. Mit Udo Jürgens, Österreichs grösstem Sänger und Entertainer, ist ein Stück von uns allen gestorben. (...) Udo Jürgens war 60 Jahre im Musikgeschäft. Die Frage, wie lange er noch arbeiten werde, hatte er zuletzt schon satt: 'Das hat man mich schon vor 30 Jahren gefragt. Ich weiss nicht, wann ich mich zurückziehe. Das Leben setzt uns rechtzeitig Schranken, das Schicksal sorgt für die Richtung.' Er wird schrecklich fehlen."

Kronen-Zeitung: "Schock und Trauer am vierten Adventsonntag: Österreichs Ausnahme- Entertainer Udo Jürgens ist im Alter von 80 Jahren verstorben. (...) Sein gefühltes biologisches Alter gab er schmunzelnd mit "vielleicht 51" an, sein 53. Album nannte er "Mitten im Leben", erst vor Kurzem startete er seine 25. Tournee."

Deutschland:

Süddeutsche.de: "Um Udo Jürgens und die Noblesse zu begreifen, die auch noch in seinem simpelsten Tralala liegt, welches sich zum Beispiel auf 'Siebzehn Jahr, blondes Haar' reimt, muss man vielleicht auch einmal im Garten der Bockelmanns gewesen sein. Und wenn man den Schmerz, der in der Nachricht seines schattenhaft unerwarteten Todes liegt, bekämpfen will, dann erinnert man sich vielleicht auch nicht zuerst an den Plexiglas-Flügel und den weissen Bademantel, den sich Udo Jürgens, der am 30. September 1934 in Klagenfurt geboren wurde, gegen Ende seiner Konzerte immer wie einen flauschigen Schutzschild gegen die allzu grosse Liebe und Zuneigung seines Publikums umhängen liess, erschöpft und glücklich, sondern man mag sich an den Geruch der Obstbäume im Bockelmann'schen Garten erinnern. An krumme Bäume. Hohes Gras. Ein Geruch wie die Hoffnungsfarbe Grün. (...)

Udo Jürgens war deshalb eher ein Chansonnier als ein Schlagersänger und noch viel eher ein Künstler denn einer dieser Schlagermarketender, wie sie sich heute auf ihn berufen, weil in seinen Liedern das Grosse dem Kleinen so kunstvoll nahe kommt.

Weil er etwas tun konnte, was selten geworden ist: Er konnte seine Lieder - mehr als 1.000 hat er komponiert, und zwar tatsächlich: komponiert, als komplexes Ganzes -, er konnte seine Lieder also uns nah und für uns doch seltsam erhaben wirken lassen. Ja, auch pathetisch. Sie waren, sie sind, denn sie bleiben: wahr."

Welt Online: "Udo Jürgens, Popstar und Chansonnier, Götterliebling am Klavier, Schlagersänger ohne Schlagerappeal, ein Musiker der Millionen, für die Pop kein Image oder Distinktionsmittel ist, sondern berührendes Gefühl. Jürgens verkörpert Würde und Alterslosigkeit genauso wie seine Melodien zeitlos sind; ja, verkörpert, die so endgültig klingende Vergangenheitsform will in diesen Stunden noch nicht so recht passen.

Er hat das Bürgertum mit deutscher Popmusik versöhnt und Generationen von Teenagern zum Singen deutscher Texte gebracht. Alles fiel ihm zu. Alles fiel ihm scheinbar leicht. Ein Charmeur und Charismatiker, ein Optimist und selbst erschaffener Glückspilz, den jeder verstand, wenn er 'Und immer, immer wieder geht die Sonne auf' anstimmte. (...)

Chansonnier, Lebemann, Legende: Udo Jürgens stirbt im Alter von 80 Jahren.

Nun hat er den Konzertsaal des Lebens verlassen, eigentlich viel zu früh. Merci, Mann am Klavier. Für die Stunden mit dir. Adieu, adieu, adieu."

Spiegel Online: "Keiner beherrschte die Kunst besser, dem deutschen Schlager Tiefgang zu geben. Keiner stand zugleich so über diesem Genre. Udo Jürgens war die Grösse in der Branche, die doch sonst so von Oberflächlichkeit lebt (...) Wie sehr die Deutschen ihn verehrten, merkte man daran, dass sie ihn als einen der Ihren begriffen. Dabei war er Österreicher, mit Wohnsitz in der Schweiz. Das Erstaunlichste an Jürgens war womöglich, dass er nie peinlich wirkte. Selbst wenn er als alter Mann um Ende eines Konzerts den weissen Bademantel überzog, haftete ihm nichts Lächerliches an, vielmehr schien das Kleidungsstück ihm noch mehr Würde zu verleihen. Hatte Jürgens in früheren Jahren mal wieder irgendwo eine junge Frau abgeschleppt, die seine Tochter hätte sein können, erregte das eher Bewunderung als Empörung. Eine ähnliche Narrenfreiheit genoss in der alten Bundesrepublik allenfalls Harald Juhnke, wenn er sich mal wieder einen Vollrausch geleistet hatte."

Bild-Zeitung: "Udo Jürgens ist tot, aber seine Lieder leben. Udo Jürgens schien unsterblich – und er ist es. Er konnte bis vier Uhr morgens mit Wein und Wodka-Tonic im Berliner 'Borchardt' sitzen und wirkte wie ein 50-Jähriger. Der Mann hätte weiter gesungen – aber sein Herz war müde. Auch Märchen haben ein Ende."

Neue Osnabrücker Zeitung: "Udo Jürgens war nicht nur der Musikprofi, der 1.000 Lieder schrieb, der Publikums-Umarmer, der seine Zugaben stets im weissen Bademantel sang. Er war vor allem der Barde für alle, dem das Kunststück gelang, den Schnulzenschlager mit dem Protestsong zu versöhnen. Aus dem harmlosen Unterhaltungslied machte er ein Medium tagespolitischen Engagements und schuf damit ein eigenes Genre. Deshalb endet mit seinem Tod endgültig die Unterhaltungskultur der alten Bundesrepublik. Sein Tod fällt - welch ein sinnfälliger Zufall der Kalenderdaten - mit dem Ende von 'Wetten, dass..?' zeitlich zusammen. Beide, der Schlagersänger wie das TV-Format, bildeten eine Alltagskultur ab, die noch zum Mehr-Generationen-Projekt taugte."

Nordbayerischer Kurier" (Bayreuth): "Udo Jürgens war eine Autorität, die Millionen Menschen mit der Kraft der Stimme erreichte. Seine mächtige Gegenwärtigkeit macht es schwer, zu glauben, dass er auf keine Bühne mehr treten wird. Einer wie er fehlt - der das ausdrücken kann, was sehr viele bewegt. Traurig werden seine Fans weiter seine Songs hören, mit Wehmut und der Erinnerung an die schöne Zeit, die er ihnen geschenkt hat."

Schweiz:

Tages-Anzeiger: "Über 1.000 Lieder hat er geschrieben, Dutzende wurden zu Hits. Warum? Weil der seit Jahrzehnten in Zürich und Umgebung wohnhafte Musiker herrlich dick auftragen konnte. Weil er die Seele seiner Zuhörer treffen und umsorgen, Hoffnung spenden und in blitzsauber abgeschlossenen Songs Geschichten erzählten konnte. Geschichten aus dem Leben. (...) Seine Songs, altmodisch und gutmenschlich im besten Sinne, werden wohl noch eine Weile weiterleben. Und sein Säuseln und Summen dem Alltag etwas Sonne, Sahne und Seligkeit verleihen."

Blick: "Er war der grösste Sänger deutscher Zunge. Jetzt ist er nicht mehr. (...) Udo war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Unschlagbar! Er war tiefsinnig, auch witzig – immer elegant. Die Ernsthaftigkeit des Alters stand ihm prächtig, diesem Gentleman der alten Schule."

20 Minuten: "Am vierten Advent ist Udo Jürgens überraschend verstorben. Im Alter von 80 Jahren hörte sein Herz auf zu schlagen. Was bleibt: tausende Melodien, tausende Erinnerungen. (...)

Jürgens war mehr als ein Schlagersänger. Eines seiner Lieder landete in Bayern sogar auf dem Index. Auch politische Themen wie den Fall der Berliner Mauer machte er sich für seine Musik zu eigen. Und wer selbst noch die 'Aber bitte mit Sahne' oder 'Ich war noch niemals in New York' geträllert hat, kennt sicherlich 'Vielen Dank für die Blumen', den Titelsong der Zeichentrickserie 'Tom und Jerry'. Damit sind immerhin ganze Generationen aufgewachsen. Diese grosse Stimme ist nun für immer verstummt. Millionen von Fans müssen Abschied nehmen."

Neue Zürcher Zeitung: "Weinen mitten in uns. (...) Sogar Udo Jürgens hatte die eine oder andere Durststrecke durchzustehen, bloss, wenn er in den Hitparaden gerade nicht präsent war, hielt ihm das Konzertpublikum die Treue. Einen der legendärsten und dauerhaftesten Erfolge vermochte er in absentia zu verbuchen. Das Musical 'Ich war noch niemals in New York' feierte im Dezember 2007 Premiere, es lebte und lebt weiter fort von seinen Kompositionen. (ank/far/dpa)