Helmut Dietl: Seine unvergesslichsten Werke

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Helmut Dietl (1944-2015) gehört bis heute zu den relevantesten Regisseuren Deutschlands. Sein tragischer Krebs-Tod im Jahr 2015 erschütterte Familie, Freunde und Medienwelt gleichermassen. Am 22. Juni wäre Dietl 75. Jahre alt geworden. Ein gebührender Anlass, um auf seine kultigsten Werke zurückzublicken. © spot on news

Helmut Dietl (1944-2015) gehört bis heute zu den relevantesten Regisseuren Deutschlands. Sein tragischer Krebs-Tod im Jahr 2015 erschütterte Familie, Freunde und Medienwelt gleichermassen. Am 22. Juni wäre Dietl 75. Jahre alt geworden. Ein gebührender Anlass, um auf seine legendären Filmwerke zurückzublicken.
Mit "Monaco Franze - Der ewige Stenz" schaffte Dietl Anfang der 1980er-Jahre seinen grossen Durchbruch als Regisseur. In der Serie spielt Helmut Fischer den Kriminalkommissar Franz Münchinger alias "Monaco Franze", der neben seiner Arbeit vor allem als Lebemann und Schürzenjäger bekannt ist - trotz seiner liebevollen Ehefrau Annette, die von Ruth Maria Kubitschek verkörpert wurde (im Bild: Erni Singerl).
In der satirischen TV-Serie "Kir Royal" nimmt der Drehbuchautor Dietl die Münchener "Abendzeitung" und ihren Klatschreporter Michael Graeter aufs Korn. Sechs Folgen lang begleitete Dietl den Boulevardjournalisten Baby Schimmerlos, gespielt von Franz Xaver Kroetz, auf seinen Abenteuern inmitten der Schickeria der bayerischen Landeshauptstadt - und erhielt dafür sogar den Grimmepreis.
Nachdem Dietl sich zunächst ausschliesslich in der TV-Welt einen Namen gemacht hat, wagt er sich 1992 mit "Schtonk!" erstmals an einen Film – mit grosse, Erfolg. Der Streifen greift detailgetreu den Skandal um die gefälschten Hitler-Tagebücher auf, die Konrad Kujau in den 1980ern dem Magazin "Stern" verkauft hatte. Dafür wurde er nicht nur mit dem Deutschen Filmpreis und dem Gilde-Filmpreis in Gold ausgezeichnet, sondern auch für einen Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert.
1997 überzeugt der Film- und Fernsehregisseur mit "Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief". In dem Film spielt neben Götz George, Heiner Lauterbach und Jan Josef Liefers auch seine damalige Lebensgefährtin Veronica Ferres mit, mit der er von 1990 bis 1999 liiert war. "Rossini" gehörte mit 3,2 Millionen Kinobesuchern in Deutschland zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 1997 und gewann jede Menge Preise, darunter den Bayerischen und Deutschen Filmpreis sowie die Goldene Leinwand.
Ferres verdankt Helmut Dietl ihre Karriere, wie der Journalist Stephan Lebert einst schrieb: "Er hat viele wunderbare Schauspieler entdeckt und gross gemacht wie Helmut Fischer oder Franz Xaver Kroetz, auch seine ehemalige Lebensgefährtin Veronica Ferres wäre ohne ihn nie das geworden, was sie ist."
Dietls filmische Hochzeit fand anschliessend ein jähes Ende. Mit dem Film "Late Show" nimmt der Regisseur 1999 die TV-Branche satirisch ins Visier, kann Kritiker damit jedoch nicht überzeugen. Kult bleibt der Film trotzdem. Und zwar weil ...
... Thomas Gottschalk und Veronica Ferres darin zwei der Hauptrollen verkörpern.
Der Film "Vom Suchen und Finden der Liebe" schneidet 2005 besser ab. In seiner Abrechnung mit der Liebe greift Dietl auf den Mythos von Orpheus und Eurydike zurück. "Ich möchte ein Plädoyer halten dafür, es immer wieder mit der Liebe zu versuchen, egal, welche schlechten Erfahrungen man schon mit ihr gemacht hat", erklärt der Autor damals im Interview mit dem "Dirk Jasper Filmlexikon".
2012 wagt Dietl mit dem Film "Zettl" eine Neuauflage von "Kir Royal". Nachdem es im Vorfeld zu Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Hauptdarsteller Franz Xaver Kroetz gekommen war, übernahm Michael "Bully" Herbig die Hauptrolle des Max Zettl, ein bayrischer Chauffeur, der als Online-Klatschreporter in Berlin Karriere macht. An die alten Erfolge von "Kir Royal" konnte der Streifen allerdings nicht anknüpfen. Später gab Dietl sogar zu, unter der "Häme, die sich über diesen Film ergoss [...] schwer gelitten" zu haben.
Nicht nur die Karriere von Helmut Dietl verlief über die Jahre durchwachsen, auch in Sachen Liebe fand der Regisseur nur wenig Beständigkeit: Drei Kinder von drei verschiedenen Frauen und vier Ehen lautet die Bilanz seines Privatlebens. Seine letzte Ehefrau, Tamara Duve, trug ihn 2015 schliesslich zu Grabe.
Am 30. März 2015 verstarb Helmut Dietl an den Folgen von Lungenkrebs, an dem er 2013 erkrankt war. "Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist", kommentierte Dietl damals seine Krankheit in einem Interview mit der "Zeit". Er wurde 70 Jahre alt.