"Bares für Rares": Irre! "Wahnsinns-Plakat" lag jahrelang unterm Bett

Der Verkäufer des Werbeplakats erhoffte sich einen Preis von 60 bis 80 Euro. Dass seine alte Lithographie so viel mehr wert war, hätte er nie gedacht.

Der Verkäufer hatte das Plakat in einem Antiquariat gekauft - vor allem wegen der Tennisszene auf dem Bild, da er selbst Tennisspieler war. Experte Sven Deutschmanek datierte das Werbeplakat circa auf das Jahr 1900.
Der Experte geriet regelrecht ins Schwärmen: Das Poster sei einfach "sensationell". Überdies würde eine Vielzahl an Interessenten angesprochen: Sammler von Werbeplakaten, von alten Motorrädern, aber auch Sammler der Marke Peugeot sowie von alten Lithographien. Denn darum handelte es sich: eine Lithographie. Da wollte Horst Lichter Genaueres wissen.
"Lithografie" beschreibt eines der ältesten und meist angewendeten Flachdruckverfahren beziehungsweise Steindruckverfahren aus dem 19. Jahrhundert. Dabei wurde für jede Farbe eine plan geschliffene Steinplatte angefertigt, um das Poster mit Fettkreide oder Lithotusche zu bedrucken, dozierte Deutschmanek.
Der Experte fuhr fort mit seiner Expertise zur Fahrrad-Werbung: "Das Motiv wurde von dem Illustrator Ernest Thélem entworfen und von der Druckerei Elleaume in Paris hergestellt." Schade war, dass das Plakat geknickt wurde. Das Poster zeigte starke Falten, die zum Teil schon eingerissen waren. Doch minderte dieser Zustand den Wert?
Verkäufer Hansjörg Müller hatte damals 150 D-Mark für das Werbeplakat gezahlt. Doch wie viel war es heute noch wert? Der Experte hatte die Antwort: "600 bis 800 Euro. In gutem Zustand sogar mehr, denn dann erzielen alte Werbe-Lithographien bis zu 1.400 Euro in Auktionen." Der Verkäufer staunte und konnte es kaum fassen.
Horst Lichter scherzte: "Das ist eine vernünftige Wertanlage gewesen, und ich bin glücklich, dass das Poster 40 Jahre unter deinem Bett lag!" Der Verkäufer brachte fast kein Wort mehr heraus, nur noch: "Da bin ich aber platt!" Abzuwarten blieb jedoch, ob die Händler auch so begeistert von der kleinen Poster-Sensation waren.
Doch nicht nur der Verkäufer war platt, auch Sven Deutschmanek kam aus dem Staunen nicht mehr raus: "Das ist ohne Mist das beste Plakat, das wir je bei 'Bares für Rares' hatten!" "Aber hallo!", stimmte ihm Lichter zu. Der Verkäufer hatte jetzt auch die Sprache wiedergefunden: "Ich will, dass sich die Händler gegenseitig übersteigern!"
Doch danach sah es erst mal so gar nicht aus. "Was willste denn damit?", fragte Walter Lehnertz etwas verächtlich. Und auch Händler Julian Schmitz-Avila hatte seine Bedenken: "Wenn man das Bild rahmt, sieht es schon gut aus. Aber das kostet bei der Grösse ein paar 100 Euro."
Der Aufwand sei gross, das Bild verkäuflich zu machen: Papier-Restaurator, Rahmenmacher samt entspiegeltem Museumsglas und vielleicht noch eine Plattwalze gegen die Falten seien nötig. Mit zaghaften Geboten ging es los, die bereits bei 140 Euro stagnierten. Elisabeth Nüdling fand das Bild zwar dekorativ und ein Schmuckstück, "aber nicht für mich!"
Als der Verkäufer jedoch von der Expertise erzählte, wuchs das Interesse. Bei 440 Euro war letztlich Schluss. Den Zuschlag erhielt Steffen Mandel - für eine Summe, die alle glücklich machte.
Auch eine Steinzeug-Vase mit Silbereinlage aus den 1940er-Jahren ging unter Preiswunsch an die Händler. 1.000 Euro hatte sich die Verkäuferin erhofft, erhielt aber nur 450 Euro von Elisabeth Nüdling.
Ein hübsches Reisenähset inklusive Kugelschreiber aus Silber und Emaille wurde von Walter Lehnertz für 250 Euro erworben. Der Händler verriet mit einem Schmunzeln, dass er bereits die grösste Kugelschreiber-Sammlung mit 1.600 Stiften besitze - und dieses Exemplar noch fehlte.