Deko oder Trödel-Schatz? Mysteriöse Maschine bei "Bares für Rares"

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In Horst Lichters beliebter Trödelshow im ZDF stellt sich in jeder Folge die Frage: "Ist das rar oder kann das weg?" Bei der Donnerstagsausgabe stand eine kleine "Zeitmaschine" aus den 60er-Jahren zum Verkauf. Für manche nur ein nutzloses Stück Eisen, für andere ein Sammlerstück.

"Das sieht übrigens toll aus", begrüsste Horst Lichter Waltraud Thelen-Pardon. Der Moderator schwärmte nicht vom Verkaufsobjekt. "Das mag ich, wenn die Farben stimmig sind - Brille, Jacke, Lippenstift, Fingernägel ... vom Feinsten", flirtete Lichter. "Ich liebe Rot", erklärte die Dame. "Er liebt Schwarz", leitete Lichter zu Sven Deutschmanek über.
Das Geschäft mit gebrauchten Druckmaschinen will die 72-Jährige aus Mönchengladbach nach und nach aufgeben und dabei Ballast abwerfen. Von einer besonderen Maschine allerdings fiel ihr die Trennung schwer. "Das ist ein Druckerteil", riet Lichter diffus. Der Moderator ist bekannt für seinen charmanten Mangel an Expertise.
"Damit hat man früher Visitenkarten gedruckt", erklärte Waltraud Thelen-Pardon. "Die hat man früher noch gebraucht, heute geht das alles digital." Die Dame erklärte: "Ich fand die so schön, ich hatte die als Schmuckstück bei mir im Büro stehen." Lichter philosophierte: "Irgendwann muss man sich trennen - nicht von allem, aber von vielem."
"Ein Boston-Tiegel", erkannte Sven Deutschmanek. Isaac Adams hat diese Form der Druckpresse 1830 in Boston erfunden. "Oben hast du den Tiegel, da machst du die Druckerschwärze drauf", so der Experte. "Wenn du jetzt nach oben gehst, übernehmen die beiden Farbwalzen die Farbe, der Teller dreht sich und die Farbe wird automatisch oben verteilt."
Die Walzen fahren über den Schriftsatz, und beim Hochfahren "haut das eingelegte Papier gegen den Schriftsatz. Das überträgt sich aufs Papier", erklärte der Experte. Lichter staunte: "Du musstest jedes einzelne Papier reinlegen?" Vielleicht erklärt das, warum Schriftsetzer ein aussterbender Beruf ist ...
Deutschmanek bedauerte, dass nur wenige Lettern vorhanden waren. "Wobei das ist ja nur noch Dekoraktion", mutmasste Lichter. "Ne, ne!", widersprach Deutschmanek. "Wenn einer individuelle Visitenkarten machen will: Das sieht hiermit tausendmal schöner aus." Man müsse die Karten allerdings teurer verkaufen, "wenn du das alles händisch machst".
Im Händlerraum versuchten Esther Ollick und Daniel Meyer, die Funktionsweise der geheimnisvollen Maschine zu erahnen. Was sie ebenfalls nicht ahnten: Waltraud Thelen-Pardon hatte sich bis zu 300 Euro dafür erhofft, Sven Deutschmanek bremste sie auf bis 200 Euro. "Für viele ist das nur ein Stück Eisen, muss man ganz ehrlich sagen", so Deutschmanek.
Dieses Exemplar des Boston-Handtiegels stammte seiner Typenbezeichnung zum Trotz aus Berlin. "Sie hatten eine Druckerei?", glaubte Markus Wildhagen (links). Die Dame verneinte. "Das steht bei mir als Schmuckstück", berichtete die Verkäuferin. "Alle Kunden haben damit rumgespielt, die fanden das immer so schön - dieses auf und zu."
"Von wann ist der Tiegel? 1920?", riet Julian Schmitz-Avila (links). Korrekt war: aus den 60er-Jahren. "Sieht aber älter aus", fand Esther Ollick. "Ich fange mal mit 50 Euro an", erklärte Schmitz-Avila. Ollick verdoppelte sofort. "Herr Meyer, brauchen Sie neue Visitenkarten?", erkundigte sich Schmitz-Avila.
Daniel Meyer störte, dass nur wenige Buchstaben dabei waren. "Händler, die solche Tiegel haben, haben auch die Buchstaben", versicherte die Verkäuferin. Wildhagen ging auf 120 Euro, Ollick auf 150. "Passt farblich auch zum Pullover", attestierte Meyer der Kollegin. Waltraud Thelen-Pardon kannte kein Pardon: "Ich hätte gern noch ein bisschen mehr."
180 Euro war Esther Ollicks letztes Gebot. Nach kurzer Bedenkzeit willigte Thelen-Pardon ein. "Dann habe ich jetzt eine Beschäftigung", freute sich Ollick. Susanne Steiger riet ihr zu einem Praktikanten. "Mein Vater sagte immer: Ich habe euch nur, weil Söhne noch billiger sind als Praktikanten", erinnerte sich Julian Schmitz-Avila.
Deutlich mehr "Bares" floss am Donnerstag in der ZDF-Trödelshow für diese Kaffeekanne aus 13-lötigem Silber. 1.700 Euro waren Julian Schmitz-Avila Kanne nebst Zuckerdose aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wert.