"Das ist deutsche Geschichte" - Legendäres Leder bei "Bares für Rares"

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Ein Hauch vom "Wunder von Bern" wehte am Donnerstag durchs Pulheimer Walzwerk: Ein Fussball, signiert von der legendären Weltmeistermannschaft von 1954, sollte in der Trödelshow von Horst Lichter zu Barem gemacht werden. Da wurde es nicht nur Fussballromantikern warm ums Herz.

"Oh Sven, das tut mir aber leid, hast du eine Lederallergie?", scherzte Horst Lichter als er sah, dass Sven Deutschmanek Handschuhe trug. "Da sind extrem wichtige Autogramme auf dem Ball, die fettende Haut könnte die beschädigen“, erklärte der Experte. "Jetzt wird ein Schuh draus", fand Lichter. Am ehesten wohl ein Fussballschuh.
"Subjektiv hat er für mich einen sehr hohen Wert", erklärte Friseurmeister Peter Schreiber aus Essen. "Er", das war ein ganz besonderer Ball. Dass der Fussball auf 1954 datierte, war kein Zufall: Er wurde – so will es die Legende, die der 67-Jährige kolportierte – in der Halbzeit des WM-Endspiels von der deutschen Nationalmannschaft unterschrieben.
"Ui!", machte Horst Lichter. "Hat der Ball mitgespielt?" Das zwar nicht, doch einer der Männer, die in Bern auf dem Rasen Geschichte schrieben, hatte dafür gesorgt, dass auch auf den Ball geschrieben wurde: Der Schalker Stürmer Berni Klodt war ein Kumpel des Vaters von Peter Schreiber. Dieser hatte den Ball mit zur WM gebracht.
"Ich habe keinen Zweifel, dass die Autogramme alle echt sind", lautete das Urteil des Experten. "Ein sehr, sehr aussergewöhnliches Objekt", so Deutschmanek. Er glaube, "die Fussballfans die das nötige Kleingeld haben, würden jetzt durchdrehen, weil: Das ist deutsche Geschichte."
Die Echtheit ihrer Unterschriften haben viele der noch heute lebenden Spieler schriftlich bestätigt. Befragt nach seinem Wunschpreis meinte Peter Schreiber: "Es sollte schon fünfstellig sein."
Könne man belegen, dass der Ball sich während des Spiels in Spielfeldnähe befunden habe, wären bis zu 30.000 Euro drin, so Deutschmanek. "Du kriegst auf jeden Fall nachher einen Baldrian-Tee", erklärte Lichter. "So aufgeregt habe ich den Mann noch nie erlebt." Es sei ihm eine Ehre, so etwas in den Händen halten zu dürfen, erklärte der Kollege.
"Das Wunder vom Walzwerk" erhoffte sich Horst Lichter. Händler Julian Schmitz-Avila (rechts) stellte fest, es sei "nicht der Spielball der Weltmeister". Es klang ein wenig wie eine Frage. Dann gab er sich selbst die Antwort: "Wenn der auf dem Platz gewesen wäre, wäre er unbezahlbar."
14 weltmeisterliche Unterschriften auf einem stummen Zeitzeugen eines unvergesslichen Fussballabends – wie viel war das legendäre Leder den Händlern wert? "Ich starte mit 500 Euro", eröffnete Wolfgang Pauritsch (links) das Rennen. Julian Schmitz-Avila (rechts) verdoppelte sofort.
Walter Lehnertz und Susanne Steiger schwiegen andächtig. Der Besitzer des Berner Souvenirs erklärte, ihm schwebe "ein Vielfaches vor – fünfstellig." Die Händler stiegen alle auf einmal aus. "In einer Auktion kann so etwas vielleicht eine fünfstellige Summe erzielen", tröstete Wolfgang Pauritsch.
"Schön wäre, wenn das jemand kauft, der es für die Öffentlichkeit zugänglich macht", gab Wolfgang Pauritsch dem Nicht-Verkäufer mit auf den Weg. Julian Schmitz-Avila versprach: "Wir verpacken es wieder vorsichtig." Pauritsch schwärmte: "Schön so etwas mal gesehen zu haben, vielleicht sehen wir das in unserem Leben nie wieder."