Entsetzen bei "Bares für Rares": Antike Kostbarkeit wurde als Spielzeug genutzt

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Nicht alles, womit Kinder gerne spielen, ist ideal bei ihnen aufgehoben. Am Mittwoch fiel ein "Bares für Rares"-Kandidat aus Berlin fast in Schockstarre, als er erfuhr, was ein als Spielzeug "missbrauchtes" Erbstück in Wahrheit wert war.

Nach einem genaueren Blick auf die Schatulle war sich der Moderator nicht mehr sicher: "Jetzt wo ich da mal reingucke: Das ist kein Spielzeug. Das ist alt." Experte Detlev Kümmel stimmte ihm zu. "Das ist richtig alt. Wir reden hier von einer Zeit um 1700." "Donnerwetter", entfuhr es da dem Herrn, der das Teil in die Trödelshow mitgebracht hatte.
Erstmals erfuhr Markus Andree aus Berlin: Das Erbstück seiner Grossmutter war kein Spielzeug, sondern eine historische Schmuckschatulle. Im Deckel sah man das Schloss mit vier Riegeln, die mit einem Zentralschlüssel gleichzeitig geöffnet wurden. "Gibt es auch ein verstecktes Schloss?", fragte Horst Lichter interessiert.
"Ja, hier mit dem Fallriegel kann man den Hauptverschluss auf dem Deckel verstecken", bestätigte der Experte. "Und was besonders schön ist, hier ist alles mit der Hand geschmiedet worden. Jeder Winkel, jeder Riegel! Eine tolle Arbeit." "Wahnsinn", stammelte Lichter beeindruckt. "Da findet man aber sicher keinen Hersteller, oder?"
Der Experte fand tatsächlich keinen Herstellernachweis, konnte sich aber auf eine Gegend festlegen. Die Machart sei typisch für Kunsthandwerkstätten um Nürnberg. Die sehr aufwendig gemachte Truhe war original handbemalt, wie man vorne an der verblassten Landschaft mit Fluss, Boot und Turm noch sehen konnte.
"Das ist so cool. Spannend das Ding. Ich habe jede Menge gelernt. Wusstest du das alles?", wollte Lichter vom erstaunten Verkäufer wissen, der verneinen musste. Doch wie viel wollte Markus Andree für seinen antiken Schatz haben? Mindestens 400 Euro! Zu wenig, fand Horst Lichter. Und was sagte der Experte?
Abgesehen von kleineren Mängeln war die Schachtel in einem guten Zustand. Die Kinder müssen also einigermassen pfleglich mit ihr umgegangen sein. Hinzu kam, dass sie ein über 300 Jahre altes Unikat war und immer noch tadellos funktionierte. Detlev Kümmels Schätzpreis war entsprechend hoch: 1.800 bis 2.000 Euro.
"Donnerwetter! Ich bin begeistert", freute sich der Verkäufer - und Lichter gleich mit: "Das ist eine Sensation, mein Lieber. Und jetzt überleg mal, Du hast damit gespielt. Und Deine Kinder auch!" Markus Andree fand die Vorstellung jetzt auch unglaublich. "Dafür musst du dich nicht schämen. Ist ja nicht kaputt, das Ding!", beruhigte ihn Lichter.
Dann der Verkäufer vor die Händler, die sich sofort für das kleine Kästchen interessierten. "Sind da noch Diamanten drin?", schmunzelte Elisabeth Nüdling. Ludwig Hofmaier (rechts) erkannte eine "sehr alte, kleine Eisentruhe". Alt war sie in der Tat.
Thorsden Schlössner (Bild), seit Mitte Februar neu in der "Bares für Rares"-Händlerrunde, startete mit einem Gebot von 500 Euro. Schnell kamen 800 Euro von Ludwig Hofmeier, der das Stück schön handlich fand. "Ja, die passt auf den Beifahrersitz oder auch ins Handschuhfach", lachte Julian Schmitz-Avila und erhöhte auf 820 Euro.
Thorsden Schlössner schien wild entschlossen und erhöhte auf 1.000 Euro. Das spannende Bieterduell ging weiter, bis Julian Schmitz-Avila bei 1.500 Euro den Zuschlag erhielt. Mit einem Preis in dieser Grössenordnung hatte der Verkäufer wirklich nicht gerechnet, der nochmals ein erfreutes "Donnerwetter!" von sich gab.
Neben der Schatulle gingen weitere Herzensstücke und Sammlerobjekte an die Händler: so wie eine Goldkette mit Diamanten aus den 1980er-Jahren. Der Wunschpreis der Verkäuferin aus Erfurt lag zwar bei 1.500 Euro, doch auch mit 950 Euro von Händlerin Elisabeth Nüdling war sie zufrieden.
Das Blechspielzeug von Schuco mit dem Modellnamen "Motodrill 1006" und dem Aufdruck "Made in U.S.-Zone" hätte auch Horst Lichter sehr gerne gekauft. Doch der kleine Motoracer ging für 150 Euro an Händler Ludwig Hofmaier. Laut Expertenschätzung war das Sammlerstück zwischen 200 und 250 Euro wert.