Kommissar Lichter ermittelt im "Bares für Rares"-Krimi

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Tatort Pulheim! Im Walzwerk war ein Fall zu lösen: Welches Geheimnis hatte der Schokoladenmann zu verbergen? Und konnte Kommissar Lichter es lüften?

"Oh, du hast aber einen vernünftigen Händegriff", staunte Horst Lichter. Von Berufs wegen, erklärte Renate Fischer aus Bodenheim. Die 61-Jährige arbeitet als kriminaltechnische Assistentin bei der Spurensicherung. "Ich bin die mit dem weissen Overall", so Fischer. "Nein!", machte Lichter ehrfürchtig.
"Ich kenne das nur aus Krimis", sagte Lichter. "Da sagen die immer: 'Es kommt die Spusi!' Sagt man das wirklich so?" Renate Fischer bejahte. "Mit Überzieher über die Schuhe, Handschuhen und Maske, und dann geht's los mit dem Pinsel?", gab Lichter sein Knowhow weiter. Auch das ist laut der Kriminologin im wahren Leben genauso wie im Fernsehen.
"Hier fasst niemand etwas an!", gab Sven Deutschmanek Krimiklischees zum Besten. Und tat gleich darauf das Gegenteil. Er begrapschte das Mitbringsel und verkündete dann mit dem heiligen Ernst eines Fernsehkommissars das Ergebnis seiner Expertise: "Es geht hier um Schokolade." Genauer gesagt: um die norwegische Schokoladenmarke Freia.
Der Experte datierte das Beweisstück auf die 1940er-Jahre. Eine Reproduktion schloss er anhand eines Details aus: Dass die aus Gips gefertigten Schokoladentafeln, die der Junge unter den Armen transportierte, in Papier gewickelt waren, sei typisch für die Zeit. Auf so viel Kombinationsgabe wäre wohl selbst Sherlock Holmes neidisch.
Inspiriert sei die Figur vom "Little Boy" aus einem Charlie-Chaplin-Film, dozierte Sven Deutschmanek. Gemeint war "Der Vagabund und das Kind" mit Jackie Coogan in der Rolle des Jungen an der Seite von Chaplin. Die Werbefigur diente seinerzeit als auffälliger Thekenaufsteller, der Kunden zum Kaufen animieren sollte.
Doch was war das Geheimnis des Schokoladenmannes? Warum wollte die Polizistin diesen stummen Zeugen unbedingt um die Ecke bringen?
Dann gestand Renate Fischer alles. "Jedes Mal, wenn ich den angucke, bin ich erst mal verliebt und glücklich", erklärte sie. "Dann sehe ich die Schokolade und muss in die Küche und ein Stück Schokolade holen - das wird zu viel auf Dauer, deswegen muss er weg." Tatmotiv also: Die Figur ist schlecht für die Figur.
Renate Fischers Wunschpreis: 50 Euro. Sven Deutschmanek fand das zu billig. Er empfahl zwischen 250 und 300 Euro. "Der Schätzpreis hat mich richtig umgehauen", erklärte sie und ging bester Laune in den Händlerraum. Egal wie viel sie für den kleinen Mann bekommen würde, eines hatte sie sich fest vorgenommen: "Dafür kaufe ich mir keine Schokolade."
Jan Cizek (2.v.r.) wollte wissen, wann Renate Fischer die Figur gekauft hatte. Im letzten Jahr erst, gestand sie. "Und sie möchten sich schon wieder trennen?", wunderte sich der Händler. "Ich muss", so Fischer. "Wenn ich den angucke, bekomme ich Hunger auf Schokolade." Das könne sie sich nicht mehr leisten. Die Händler widersprachen höflich.
"War das ein Spontankauf?", wollte Daniel Meyer wissen. "Ich habe den gesehen und mich verliebt", gab Fischer zu. "Da bist du aber mit wenig zufrieden, wenn du dich direkt in den Vogel verliebst", stellte Walter Lehnertz (l.) fest. "Fangen wir mal mit 80 Euro an", schlug Waldi - natürlich - vor.
Susanne Steiger wunderte sich über das hohe Startgebot. Auch die anderen stiegen sofort aus. "Für das Geld, was ich bekomme, komme ich demnächst zu dir", argumentierte Fischer. "Dann gebe ich freiwillig 100 Euro", versprach Lehnertz. Die Kriminologin versicherte: "Das Geld werde ich beim Waldi lassen, den besuch ich in seinem Geschäft."
Aussderdem verkauft wurde am Donnerstag bei "Bares für Rares" ein britisches Fernrohr aus Messing, Leder und Mahagoni. Geschätzt auf 1830 bis 1840, erstand Susanne Steiger es für 220 Euro - als Deko für den Hausflur.
Und ein wetterfestes Wappen des Königreiches Bayern aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert sollte laut Verkäuferwunschpreis für 250 Euro veräussert werden. Jan Cizek bekam den Zuschlag für sensationelle 1.100 Euro.