Party-Muffel bei "Bares für Rares": Händler wenig begeistert von Jukebox

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Mit einer Original-Jukebox der Firma Wurlitzer kam Stimmung auf bei "Bares für Rares". Musik-Liebhaber Horst Lichter schwofte zur Musik, und Händler Ludwig Hofmaier verwandelte den Händlerraum zur Tanzfläche. Dennoch taten sich die Verkäufer schwer, einen Abnehmer zu finden.

"Was ist die Geschichte hinter der Jukebox?", war Horst Lichter neugierig. Egon van Lierop aus Dinslaken klärte ihn gerne auf: "Genau so eine Box stand in unserer Disco damals. Dort haben wir uns auch kennen und lieben gelernt. Und als wir dann in den 90er-Jahren ein Haus gebaut haben, wollten wir genau so eine Jukebox für unseren Partyraum."
Experte Detlev Kümmel war sofort begeistert von dem "Kneipenutensil", wie er es nannte. Dabei handelte es sich um eine Jukebox mit dem Modellnamen Baltic 100. Diese wurde 1977 von der Deutschen Wurlitzer GmbH hergestellt.
"Diese Jukebox ist ein Designobjekt, das die typische Formensprache der 70er-Jahre widerspiegelt", erklärte der Fachmann schwärmerisch. "Die Box fasst 50 Platten und hat somit 100 Wahlmöglichkeiten mit der A- und B-Seite einer Vinyl-Single. Wollen wir sie noch mal anmachen?", fragte er mit einem breiten Lächeln.
Doch davor hatte Horst Lichter noch eine Frage. Mit Nostalgie in der Stimme wollte er wissen, ob "das abgekratzte Gitter da oben, ein Zeichen vom typischen Münzkratzen" sei. Detlev Kümmel bestätigte: "Ja, das war zwar Blödsinn, aber die Münze ist dann nicht durchgefallen."
Der Moderator gab zu, dass er bis heute Münzen erst noch abreibt, bevor er sie in Automaten wirft. Danach erkannte auch der Experte ein typisches Zeichen der Zeit an der Jukebox. "Das ist das Zeitdokument schlechthin. Das sind die Spuren der Kippe, die man ablegen musste, um ein Lied auszuwählen", schwelgte auch Kümmel in Erinnerungen.
Doch die Makel minderten nicht den Wert der Jukebox, sondern "gehören dazu und dürfen auch nicht ausgebessert werden", so der Experte. Danach konnte er endlich ein Lied auswählen, um die Mechanik zu demonstrieren. Bei den ersten Klängen fing Horst Lichter an, im Takt zu wackeln und strahlte. "Toll, dass das Gerät voll funktionsfähig ist!"
"Was mir aber leider auffällt, ist, dass die Musikbox nicht gerade wertig gebaut ist, mit Pressholz und abgeplatztem Lack", kritisierte Lichter den Zustand der Wurlitzer. "Ja, diese Modelle wurden industriell für Gaststätten gefertigt und sollten auch nur robust sein", wusste Kümmel den Grund.
Der Wunschpreis der Verkäufer lag bei 500 Euro für ihr Erinnerungsstück aus dem Partykeller. Welchen Preis aber legte der Experte fest?
"Sie ist funktionsfähig und hat mit 'Wurlitzer' einen guten Namen, deshalb würde ich sogar mit 800 bis 1.000 Euro noch höher gehen", überraschte Kümmel. "Ach", staunte Lichter verblüfft. "Jetzt haben die zwei dich aber lieb", neckte er noch den Experten, als er dem Eheaar die Händlerkarte "im tadellosen Zustand" überreichte.
Der Wunsch des Verkäufers Egon van Lierop war, dass "wir jetzt mit den Händlern Rock'n'Roll tanzen". Als hätte Händler Ludwig Hofmaier heimlich zugehört, schwang er schon mal das Tanzbein zu Nenas "99 Luftballons".
Nach seiner Showeinlage startete Hofmaier mit 500 Euro. Damit war der Wunschpreis der Verkäufer schon mal erreicht. Jedoch wünschten sie sich doch einen höheren Betrag - vor allem nach der Expertise von Detlev Kümmel. Walter Lehnertz (r.) erhöhte auf 550 Euro, aber dann war erst mal Schluss mit Geboten.
Elke Velten lehnte ab, da sie keinen Partykeller hat, und auch die anderen Händler liessen wenig Interesse an der Musikbox erkennen. Da wollte der Verkäufer von Walter Lehnertz wissen, ob er denn genug Papiertücher gegen seine Tränen dabei habe. Die würden wohl fliessen, wenn er nicht mehr als 550 Euro für seine schöne Jukebox bekäme. Gewieft!
"Da kannste heulen, bis der Arzt kommt, ich habe genug Taschentücher für dich", grinste Walter Lehnertz, hatte dann aber doch Erbarmen und erhöhte auf 600 Euro. Verhalten stimmten die beiden Verkäufer dem Gebot zu und waren schliesslich doch zufrieden mit dem Ergebnis. Nur Lehnertz schnaufte, denn er hatte "wieder schwer zu schleppen".
Über den Händlertisch ging am Mittwoch bei "Bares für Rares" ebenfalls eine aussergewöhnliche Designerlampe von Paul Talmann aus dem Jahr 1965. Obwohl der Verkäufer 1.000 Euro wollte, verkaufte er dennoch für 800 Euro an Händler Fabian Kahl.