Skandinavisches Design: Um dieses Set lieferten sich die Händler einen Wettstreit

"Wenn etwas so formschön ist, ist es meistens Design": Nicht nur Experte Sven Deutschmanek zeigte sich begeistert, auch die "Bares für Rares"-Händler wollten dieses Set unbedingt haben.

"Sondergeld?", konnte Horst Lichter den Nachnamen des 54-jährigen Verkäufers aus Köln kaum glauben. Bernd Sondergeld versicherte: "Der Name ist Programm." Lichter fand den Namen "spitzenmässig". Das mitgebrachte Besteckset hingegen "sieht ein bisschen verrückt aus", so der Designbanause. "Wenn etwas so formschön ist, ist es meistens Design", philosophierte Experte Sven Deutschmanek.
"Skandinavisches Design", wurde Deutschmanek konkret. Aber nicht von Ikea, sondern von der Firma Dansk Knivfabrik aus Dänemark. Als Lichter erfuhr, dass das Griffstück aus schwarzem Nylon ist, wunderte er sich: "Ich dachte, da macht man Strümpfe draus." Nicht nur, klärte der Experte auf.
Der Nachteil des Materials Nylon: "Es reagiert sehr schnell auf Hitze", so Deutschmanek. Daher fand er einige Hitzebeschädigungen. Lichter staunte aber noch mal - über das Alter des Sets. Zwischen 1958 und 1960, so der Experte. Bernd Sondergelds Wunschpreis von 300 Euro fand Deutschmanek aber "leider zu hoch": 150 bis 200 empfahl er.
Als Lichter erfuhr, dass der gebürtige Hesse in der Karnevalshochburg Köln einen Karnevalsladen führt, meinte er: "Dann weiss ich, wo ich hinkomme, wenn ich mal einen neuen Schnäuzer brauche." Sondergeld darauf: "Unbedingt! Ich habe schon überlegt, das ins Programm aufzunehmen."
Lehnertz, immer noch schockverliebt in die Löffel, erhöhte auf 120. Doch Markus Wildhagen (r.) und Julian Schmitz-Avila (M.) waren ebenfalls interessiert. Lehnertz musste daher auf 180 aufstocken. Doch Daniel Meyer rundete auf: 200 Euro standen im Raum.
"Ich finde die Löffel cool", betonte Walter Lehnertz zum vierten Mal. Die Botschaft: Kaufen um jeden Preis! Wildhagen bot 240. "Mein letztes Gebot ist 250", erklärte Lehnertz. Mehr als die Expertise!
Markus Wildhagen gab auf. "Na Gott sei Dank!", triumphierte Lehnertz nach hartem Bieterkampf. Doch der eigentliche Kampf stand noch bevor! "Soll das Superdesign wirklich in die Eifel gehen?", versuchte Bernd Sondergeld die Verkäufer zu motivieren. Lehnertz darauf: "Hör mal, willst du jetzt die Eifel schlecht machen?"
"Auf keinen Fall", versuchte der Verkäufer den Lokalpatrioten zu besänftigen. "Ich bin da völlig schmerzfrei", versicherte Sondergeld. Lehnertz machte einen auf "Der Pate" und drohte: "Du bewegst dich auf ganz dünnem Eis."
Dann wurde Lehnertz versöhnlich. "Komm lass mal bisschen Kultur in die Eifel", bat er. "Wenn keiner mehr dabei ist?", wollte Sondergeld sicher gehen. Es war keiner mehr dabei und die Esskultur ging in die Eifel. Eins sollten sich zukünftige Verkäufer aber hinter die Löffel schreiben: Niemand beleidigt ungestraft die Eifel!
Bettina Klaus aus Essen brachte ein Falt-Monokular aus den 50er-Jahren mit. Sven Deutschmanek empfahl 50 Euro. "Für die Fotografie", vermutete Daniel Meyer, denn es stand "Carl Zeiss" drauf. "Damit kann man um die Ecke schauen", glaubte Markus Wildhagen. Ein Reisefernglas, klärte die Verkäuferin auf. 90 Euro zahlte Wanderfreund Schmitz-Avila.
"Was ganz Jeckes", so die "Expertise" von Lichter. Schliesslich musste er doch an den wahren Experten abgeben: "Was ist das?" Colmar Schulte-Goltz wusste: Götz Heiligmann aus Friedberg hatte eine Seite aus einem Gebetsbuch aus dem 15. Jahrhundert dabei. Daniel Meyer kaufte für 400 Euro.