Promis, Kinder und Klischees: Mario Barth setzt in seiner neuen RTL-Show "Die Wahrheit über Mann und Frau" auf ein Rezept, das im Fernsehen eigentlich immer funktioniert. Barth-Fans werden dabei ihren Spass haben, alle anderen zumindest manchmal.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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Schenkt man einem beliebten Online-Lexikon Glauben, dann ist ein Klischee "eine ehemals innovative Vorstellung, Redensart, ein Kunstwerk oder ein Stilmittel, die mittlerweile veraltet, abgenutzt oder überbeansprucht erscheint. Das Klischee existiert als etwas geistig oder sprachlich Schablonenhaftes."

Schenkt man darüber hinaus seinen eigenen Augen und Ohren Glauben, dann ist Mario Barth ein Komiker, der gerne mit Klischees arbeitet. Man kann auch sagen, Barths Humor-Konzept basiert einzig auf Klischees. Seine Lieblingsklischees sind dabei die über Männer und Frauen: "Männer sind faul, sagen die Frauen" und so weiter.

Das ist auch vollkommen in Ordnung, sofern man seine Witze einordnen kann. Dass Barth mit seinem Faible für Mann-Frau-Klischees so grossen Erfolg hat, mag auch daran liegen, dass er damit den grösstmöglichen gemeinsamen Nenner hat. Die allermeisten Menschen sind schliesslich entweder Mann oder Frau.

Wer sitzt länger auf dem Klo?

Und Barths Konzept funktioniert auf so vielen Wegen: im Stadion, im Fernsehen, auf der Bühne, auf T-Shirts oder in Wörterbüchern. Für seine neue Show "Die Wahrheit über Mann und Frau" hat sich Barth einen neuen Objektträger für seine Geschlechterklischees ausgesucht, der den gleichen gesellschaftlichen Konsens erzielt: Kinder.

Der Grund ist einfach, wie Barth erklärt: "Seit Jahren brennen uns Fragen unter den Nägeln und du bekommst die Wahrheit nicht von deinem Partner. Wer sagt die Wahrheit: Betrunkene und Kinder." Auch Leggins sagen die Wahrheit, aber Barth konzentriert sich in seiner Show auf die Kinder.

Das funktioniert so: Barth hat 100 Grundschulkinder befragt, was sie so über Männer und Frauen denken. Im Studio muss das in Geschlechter aufgeteilte Saalpublikum dann raten, wie die Kinder wohl mehrheitlich geantwortet haben.

Da es inzwischen zum guten Ton jeder TV-Show gehört, dass dort auch Prominente mitmischen, dürfen auch bei Barth sechs Promis mitraten.

In der Auftaktfolge waren das Frank Buschmann, Steffen Henssler und Ingo Appelt stellvertretend für die Männer und Angela Finger-Erben, Sophia Thomalla und Janine Kunze für die Damen.

Die Fragen speisten sich dabei aus dem, was Männerrunden und Mädelsabende nach dem dritten Glas Wein zu bieten haben: Wer sitzt länger auf dem Klo – Männer oder Frauen? Wer ist lustiger, Mama oder Papa? Muss man seinem Partner jeden Tag "Ich liebe dich" sagen? Darf man jemandem sagen, dass er nach Schweiss riecht?

"Was habt ihr denn alle für ein Männerbild?"

Der eigentliche Spass der Show sind aber nicht die Tipps der Promis oder des Publikums, sondern die eingespielten Antworten der Kinder auf die Fragen. Muss man seinem Partner jeden Tag "Ich liebe dich" sagen? "Nein, man kann sich das ja auch merken", antwortet zum Beispiel ein Mädchen. Auf die Frage, ob Mama lustiger ist, gibt es ein "Wenn Papa getrunken hat, ist er auch lustig."

Hier hat Barths neue Show ihre unterhaltsamsten Momente. Schwierig wird es immer dann, wenn die Promis auf dem Sofa nicht wesentlich über die abgedroschendsten Sprüche hinaus kommen: "Der liebe Gott hat sich schon was dabei gedacht, dass wir Frauen die Kinder bekommen. Sonst wären wir schon lange ausgestorben", weiss zum Beispiel Janine Kunze zu der Frage beizutragen, wer bei Krankheiten mehr jammert.

Dass so etwas ziemlich lahm ist, merkt zwischendrin sogar Frank Buschmann, der selbst eher für markante Sprüche bekannt ist. Bei der "Ich liebe dich"-Frage wendet sich Buschmann vollkommen ironiefrei an die Promi-Damen: "Was habt ihr denn alle für ein Männerbild? Das ist ja erbärmlich!"

Die immer gleiche Geschichte

Was hat das Ganze nun mit der Wahrheit über Mann und Frau zu tun, wird sich vielleicht der eine oder die andere fragen? Natürlich nichts oder zumindest fast nichts.

Ist das wenigstens lustig? Kommt darauf an. Wer eines der zahlreichen Mann-Frau-Sprüche-T-Shirts von Mario Barth im Kleiderschrank hängen hat, wird sich auch bei dieser Show wieder auf die Schenkel klopfen können.

Nun gibt und gab es neben Mario Barth eine ganze Reihe von Komikern, die mit Geschlechter-Klischees ihr Publikum finden und gefunden haben. Selbst Grössen wie Loriot haben damit gearbeitet. Trotzdem hatten die meisten mehr als nur die immer gleiche Geschichte zu erzählen.

Barths Geschlechter-Fixierung funktioniert seit nunmehr 15 Jahren. Es sei ihm zu wünschen, dass - wenn der letzte "Männer sitzen lange auf dem Klo"-Kalauer erzählt ist - sein Publikum nicht das Gleiche über ihn denkt, wie das Mädchen in der Show über seine Mutter: "Mama kennt nur einen Witz."