Seit zwei Staffeln löst Mike Müller als "Der Bestatter" Luc Conrad die verzwicktesten Mordfälle im Schweizer Fernsehen. Das SRF hat mit seiner Krimi-Miniserie einen Glücksgriff getan, was sich auch in den aktuellen Quoten niederschlägt. Wir haben mit Mike Müller über Schweizer Eigenheiten, seine Lieblingsfiguren und eine mögliche Fortsetzung gesprochen.

Herr Müller, Sie sind dem Schweizer Fernsehpublikum als Satiriker bekannt. Was hat Sie an der Rolle des Luc Conrad im "Bestatter" gereizt?

Mike Müller: Eigentlich komme ich aus der freien Szene und habe daher immer schon das gemacht, was mir passt. Am Theater waren das teilweise traurige Rollen, im Fernsehen habe ich eher Komik gemacht. Die Rolle des Bestatters ist eigentlich die einfachste in dieser Miniserie - weil er Bestatter ist, der seinem Geschäft nachgehen muss, aber das Schnüffeln dennoch nicht lassen kann. So kann man zwei Sachen gleichzeitig spielen. Das macht das Leben des Schauspielers sehr viel einfacher.

Trotzdem ist Luc Conrad ein recht emotionaler Charakter: mal eifersüchtig, mal patzig, mal sehr liebevoll. Von so vielen Gefühlen kann ein Schauspieler sicherlich auch überwältigt werden oder?

Mike Müller: Da muss man schauen, was in einem selbst passiert. In der Regel hat man eine ganz klare Situation am Set, auf die man sich gut vorbereiten kann. Es lässt sich abwägen, wie viele Gefühle in diese Situation passen und wie man sie am besten umsetzt. Die Ideen des Regisseurs können dabei hilfreich sein. Man kann eine Szene auch übervorbereiten, kommt mit einer bestimmten Vorstellung ans Set und möchte die durchsetzen. Das ist aber keine gute Lösung.

Das Emotionale zieht sich durch die gesamte Serie. Die Charaktere sind allesamt recht eigen und würden sich im normalen Leben vermutlich regelmässig an die Gurgel gehen. Haben Sie eine Lieblingsfigur im "Bestatter"?

Mike Müller: Natürlich mag ich alle Charaktere. Aber emotional am nächsten ist Luc Conrad mit Sicherheit sein Assistent Fabio. Die beiden mögen sich sehr, sagen es sich aber nie, weil es die Form von Bestatter und Gehilfe nicht zulässt. Dazu kommen der grosse Altersunterschied und die unterschiedlichen Vorstellungen vom Leben und vom Tod. Trotzdem sind sie sich sehr gut gewogen. Dasselbe gilt für den Gerichtsmediziner, der dem Bestatter sehr nahe steht, allein schon durch sein Fach. Doch auch da gilt es, sich die Zuneigung über das Spiel von Bestatter und Pathologe zu zeigen.

Mit all diesen Charakteren arbeiten Sie als Luc Conrad sehr eng zusammen - vor allem natürlich auch, um Verbrechen aufzuklären. Welches perfekte Verbrechen würden Sie in Ihrer Rolle als Bestatter gern mal aufklären?

Mike Müller: Das ist eine gute, aber schwierige Frage. Ein perfektes Verbrechen ist ein Verbrechen ohne Leiche. Die Indizien sind sehr schwach, der Täter geht raffiniert vor. Das ist natürlich eine sehr platte Antwort, aber so ein Fall wäre für die Drehbuchautoren sicherlich eine Herausforderungen. Denn wie bringt man den Bestatter ins Spiel, ohne dass es eine Leiche zum Einsargen gibt? Vielleicht eine grossartige Idee, vielleicht eine Schnapsidee.

Vielleicht aber auch der ideale Fall für eine Fortsetzung der Serie. Ist denn eine weitere Staffel von "Der Bestatter" geplant?

Mike Müller: Man überlegt sich das schon, in Anbetracht der erfreulichen Zahlen. Deswegen hat man die Autoren auch schon auf eine dritte Staffel angesetzt. Die Dreharbeiten müssten im Juni und Juli stattfinden, weil ich sonst auch gar keine Zeit habe. Nur in diesen Monaten ist die Sendepause von "Giacobbo/Müller" (Mike Müllers satirischer Wochenrückblick im SRF, Anm. d. Red.), denn während einer laufenden Staffel kann ich keine Hauptrolle spielen. Auch nicht, wenn es nur eine Miniserie ist.

Das haben wir während der ersten Staffel des "Bestatters" für fünfeinhalb Wochen gemacht. Allerdings war das logistisch und auch für mich nicht sehr glücklich für beide Produktionen. Doch bis Juni ist es eine kurze Zeit und man muss sehr ambitioniert sein, damit das klappt. Deshalb hat man die Autoren auch schon mal darauf angesetzt, egal ob sich die Geschäftsleitung des SRF für eine Fortsetzung entscheidet oder nicht. Pragmatisch wie man in der Schweiz ist, wartet man nicht den korrekten Entscheid ab, sondern legt schon mal etwas vor.

Angesichts dessen, dass Sie nebenbei andere Projekte wahrnehmen: Haben Sie keine Angst davor, in der Rolle des Luc Conrad gefangen zu sein?

Mike Müller: Wenn der "Bestatter" noch Jahre weiterlaufen würde, müsste ich sicherlich darüber nachdenken. Das Schöne an solch einer sechsteiligen Serie ist aber, dass man sich jedes Jahr aufs Neue die Frage stellen kann und auch muss, ob diese Serie überhaupt weitergehen soll. Haben die Autoren Lust und genügend Ideen? Hat der Sender genug Geld? Das sind methodische Fragen, aber man sollte sie sich stellen. Denn Fernsehen sollte man wirklich nur machen, wenn man davon überzeugt ist.

Aufgrund des Erfolgs liegt die Frage ja auch nahe, ob man den "Bestatter" in andere Länder exportieren sollte. Aber kann die Serie aufgrund ihres Sprachwitzes und vielem mehr überhaupt woanders als in der Schweiz funktionieren?

Mike Müller: Ein Remake könnte in jedem Fall funktionieren. Die ursprüngliche Idee, die von einem deutschen Autoren stammt, würde auch in anderen Ländern greifen. Denn seltsame Menschen gibt es ja nicht nur in der Schweiz, würde ich behaupten. Ob konkret unsere Produktion in einem anderen Land funktioniert, weiss ich nicht. In den vergangenen 20 Jahren war es leider nicht so, dass Schweizer Produktionen auswärts besonders erfolgreich waren.