Puls-4-Moderatorin Corinna Milborn ist plötzlich eine internationale Berühmtheit. Felix Baumgartner hatte sie beleidigt, und sie reagierte denkbar geschickt und besonnen. Nun erklärt Milborn, wie die Idee zu ihrem hunderttausendfach angesehenen Facebook-Video zustande kam.

"Ich habe mit ihm noch nie zu tun gehabt", sagt Corinna Milborn über Felix Baumgartner. Nach seinem Sprung ins All falle er in letzter Zeit eher "mit provokanten Postings auf Facebook auf. Meistens geht es dabei um Frauenfeindlichkeit und Anti-Political-Correctness", sagt sie in einem aktuellen Interview mit der "Zeit".

So cool reagiert die Moderatorin auf Baumgartners Beleidigung.


Als Infochefin und Moderatorin des Privatsenders Puls 4 war Milborn bisher nur in Österreich bekannt. Das hat sich buchstäblich über Nacht geändert. Ihr Video, in dem sie Felix Baumgartner in ihre Sendung einlud, wurde inzwischen hunderttausendfach angesehen. Der Extremsportler hatte sich zuvor beileidigend über ihre Figur auf Facebook geäussert, nachdem sie Kritik an einer Werbung des Unterwäsche-Herstellers Palmers geäussert hatte.

Tochter brachte Milborn auf die Idee

Von Baumgartners Beleidigung erfuhr sie, weil eine Freundin das Posting geteilt hatte. "Ich hatte ihr erst gesagt, sie soll es bitte einfach wieder löschen, weil wir uns damit gar nicht erst auseinandersetzen müssen. Ich hatte dann den ganzen Tag über Meetings." Die Dimension der ganzen Geschichte sei ihr erst bewusst geworden, nachdem immer mehr Medien bei ihr anriefen.

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"Ich hatte erst allen mitgeteilt, natürlich sage ich nix dazu. Den Anstoss hat dann meine 17-jährige Tochter gegeben", erzählt Milborn in der "Zeit". "Sie wollte Herrn Baumgartner unbedingt auf Facebook antworten. Ich sagte ihr, mach das nicht. Auf so was antwortet man nicht. Ich habe dann aber noch mal nachgedacht und für mich festgestellt, dass seine Äusserung eine Art der Herabwürdigung ist, die Frauen dauernd passiert." Statt auf den Inhalt dessen einzugehen, was eine Frau sagt, würden Frauen häufig auf körperlicher Ebene beleidigt.

"Kein Problem mit Nacktheit"

Milborn hatte an der Palmers-Werbung kritisiert, dass es sie an ihre Recherchen im Menschenhändler-Milieu erinnere. Inzwischen räumt sie ein, dass sich das Bild freilich auch anders interpretieren lässt: "Mein Blick ist tatsächlich davon geprägt, dass ich lange zum Thema Menschenhandel recherchiert und ein Buch darüber geschrieben habe. (...) Aber auch Leute, die sich gar nicht mit diesen Themen auseinandergesetzt haben, verspüren bei dem Bild ein gewisses Unbehagen, können es aber nicht in Worte fassen. Viele haben mir später geschrieben und gesagt, stimmt, das ist es, was mich so stört daran." Mit Nacktheit in Werbung habe sie prinzipiell aber kein Problem, betont sie.

Baumgartner untergetaucht?

Von der Resonanz - Milborn bekam auch Zuspruch von Politikern - war Milborn selbst überrascht: "Das hat einen Nerv getroffen, weil viele Frauen und Männer mit den Nachteilen einer solch rückwärtsgewandten Weltsicht jeden Tag konfrontiert sind." Es sei die richtige Entscheidung gewesen, das Thema anzustossen.

Gemeldet hat sich Baumgartner übrigens bislang nicht bei Milborn: "Er scheint untergetaucht zu sein und reagiert auf gar keine Anfragen", sagt sie, "aber ich setze weiter darauf, dass er nicht zu feige ist, sich der Diskussion zu stellen. Er präsentiert sich gerne als sehr mutigen Menschen. Insofern wird er das auch durchdiskutieren können."

Corinna Milborn vs. Felix Baumgartner Was meinen Sie? Sollte Felix Baumgartner die Einladung annehmen und in Milborns Sendung kommen?
  • A
    Unbedingt! Genau wie sie sagt: Die "Eier" sollte er haben.
  • B
    Unsinn, das Ganze ist doch lächerlich und total übertrieben.

Ganz abgetaucht ist Baumgartner allerdings nicht. Er zog sich lediglich aus dem Streit zurück. In seinem jüngsten Posting freut er sich über den Besuch von Arnold Schwarzenegger. (af)