"DSDS"-Finale: Ramon Roselly gewinnt mit historischem Ergebnis

Von
Jürgen Winzer

Das gab es bei DSDS noch nie: Mit 80,82 Prozent der Zuschauerstimmen, dem deutlichsten Votum in 17 Staffeln, wurde Roman Roselly zum neuen "Superstar" gewählt. Der Schlagerspezialist verwies Chiara D'Amico auf Platz zwei.

Er ist der neue "Superstar von Deutschland": Ramon Roselly (26)! "Ich glaub es nicht", sagte er mit Freudentränen erstickter Stimme, nachdem das Ergebnis verkündet war: 80,82 Prozent stimmten für ihn - ein Erdrutschsieg über Finalgegnerin Chiara D'Amico (18). Null Spannung? Von wegen: Selbst Dieter Bohlen war ungewohnt nervös ...
Diese "DSDS"-Jury wird es wohl nie mehr geben: Florian Silbereisen (zweiter von rechts) war nach Xavier Naidoos Rausschmiss Aushilfsjuror. Was wird 2021 aus Oana Nechiti? Deren Fazit "Danke, dass ich ein Teil hiervon sein durfte" klang nach Abschied! Klar ist nur eins: "Ich werde wieder dabei sein", verkündete Dieter Bohlen (rechts). Und sein "Knuddel-Bro" Pietro Lombardi?
Joshua Tappe eröffnete mit "Supergirl" das Finale. Er ist zwar ein "Supertyp" (Silbereisen), aber er sang anfangs gar nicht super. "Aber du nimmst Herausforderungen an, du hast dich reingekämpft". Oana Nechiti sah eine "reife Performance", Pietro Lombardi sogar eine "Superleistung". Na, dann.
Chiara D'Amico versuchte sich an "Baby One More Time" von Britney Spears. Silbereisen sah einen Achtungserfolg: "Ich hab Britney mal live in Las Vegas gehört. Und du hast auf jeden Fall besser gesungen als sie damals." Pietro Lombardi konnte es kaum fassen: "Ich fand das zu 80 Prozent komplett schief." Aber, so lobte Oana Nechiti: "Du bist eine Rampensau!"
"Tränen lügen nicht" schmachtete Ramon Roselly, und "Schlager-Titan" Silbereisen wedelte gleich mit dem Feuerzeug. Bohlen lobte: "Alle versuchen hier, Töne zu treffen. Du nicht. Du triffst sie. Jeden einzelnen." Er empfahl Ramon Silbereisen für dessen Schlagershows. Jener blieb vage, überreichte aber eine aus Papier gebastelte Bonus-CD!
"Sieben Leben für dich" (Maite Kelly) sang Paulina Wagner. Das Beste am Auftritt war ihr perfekter Griff des Mikrofons. Die als "Floris Telefonjoker" zugeschaltete Maite Kelly blieb vage - und freundlich: "Mit so langen Beinen wurde der Song noch nie präsentiert." Bohlen fand: "Du hast dich 'durchgemerkelt'. Du must im Finale mutiger sein."
Stress in der Jury! Silbereisen wollte Paulina in Schutz nehmen: "Auch dieser Schlager ist halt ein schwieriger." Aber Bohlen fuhr dazwischen: "Schwieriger Schlager? Alles Quatsch! Wenn du in diesem Wettbewerb bist, musst du mehr als eine Oktave singen können!" Er lag mal wieder richtig: Die Zuschauer wählten Paulina raus!
In der zweiten Runde durften die drei Verbliebenen ihre besten Vorrundensongs singen. Chiara präsentierte "Dance Monkey" (Tones and I) mit Inbrunst. Die Jury feierte, das Netz lästerte: "'Tanzaffe" ist ein sehr gutes Stichwort für diesen Auftritt!", postete einer, "Die ist schlechter als Bibi und der Wendler" ein anderer.
"Das war Unterhaltung pur", meinte Silbereisen diplomatisch zu Chiaras zweitem Auftritt. Pietro Lombardi litt mit: "Ich seh mich in dir. Über mich haben sie damals auch gesagt, ich wär schlecht. Aber wir beide wollen Herz auf die Bühne bringen!" Bohlen fand auch: "Du hast alles gegeben." Nur: Würde es reichen?
Ramon schmachtete mit "100 Jahre sind noch zu kurz" um sein Leben! Mit dem Tränendrüsenquetscher-Schlager hatte er im ersten Casting alle verblüfft - und Bohlens riesige Liebe zu dem Zirkusspross begründet. Silbereisen hatte glänzende Augen: "Man merkt, was bei dir alles möglich ist. Das war grossartig!"
"Ich seh dich als Nachfolger von Carpendale oder Kaiser, wenn die mal aufhören", war Bohlen voll des Lobs über Ramon. "Du hast das Zeug zur Schlager-Ikone!" Pietro Lombardi war auch sicher: "Wenn du nicht ins Finale kommst, dann fress ich echt nen Besen." Aber, wie Moderator Alexander Klaws sagte: "Die Macht haben nur die Zuschauer!"
Joshua Tappes Staffel-Highlight war "Hoch" (Tim Bendzko). Er brachte Stimmung, Power und gute Laune auf die Bühne, aber die Stimme war eher dünn. Und das lag nicht nur am katastrophal schlecht gemischten Studiosound. Trotzdem meinte Silbereisen: "Toll gesungen. Ich hoffe, für dich geht's hoch hinaus."
"Hoch" hatte Joshua beim Recall in Sölden gesungen. Pietro Lombardi erinnerte, dass "wir damals beide gekotzt haben". Aber zum Kotzen fand er die Leistung ("Gut, aber nicht perfekt.") keineswegs. Nechiti: "Du hast den Moment gefeiert." Gut so, denn wenig später hatte es sich ausgefeiert: Das Publikum wählte Joshua raus - Dritter!
Im Finale trug zuerst Chiara den von Dieter Bohlen geschriebenen Sieger-Song "Eine Nacht" vor. Ein echter Edelschnulzenschlager, der im Refrain verdächtig nach "100 Jahre sind noch zu kurz" klingt. Die Jury schunkelte sofort mit und trieb Chiara zur Höchstleistung. Pietro Lombardi: "Deine Eltern können so was von stolz sein!"
Und dann passierte es: Ausgerechnet im Finalsong vergass Chiara den Text! Normalerweise eine Todsünde, aber sogar von Bohlen gab es keine Schimpfe: "Vergiss es, das war nicht schlachtentscheidend." Pietro Lombardi litt mit: "Gott, wie oft habe ich damals den Text vergessen...!" Silbereisen war angetan: "Du bist ein Vorbild als Kämpferin!"
"Den Müll hat Dieter nur für Ramon geschrieben", wurde im Netz geätzt. Fakt aber: Ramon fühlte sich bei "Eine Nacht" pudelwohl - und zeigte trotzdem Schwächen! Silbereisen: "Du hast nicht jeden Ton getroffen. Und das fand ich toll - denn ich habe gesehen: Du bist keine reine Maschine, sondern Mensch. Insgesamt aber war das Bombe!"
"Das war ein krönender Abschluss", war Oana Nechiti von Ramons letztem Auftritt begeistert. Pietro Lombardi auch: "Ich war nie Schlagerfeind. Aber du hast es geschafft, dass ich Schlager mitsinge, dass ich wackel und feiere. Toll!" Vor der Entscheidung war Bohlen so unruhig, dass er eine Auszeit für ein "Nervositäts-Pipi" nehmen musste!
Nein, Chiara hatte keine Chance! Um 23.38 Uhr las Alexander Klaws vom Zettel ab: 80,82 Prozent der Zuschauer stimmten für Ramon! "Gott sei Dank", hiesst es mehrheitlich im Netz. Chiara nahm es mit Fassung, die Ramon sofort verlor: Er weinte Freudentränen. "Ich glaub es nicht", stammelte er.
Der neue Superstar Ramon (um einen Pokal, einen Plattenvertrag und 100.000 Euro reicher), ist auch im Sieg Profi! Er rief die Vocalcoaches Juliette und André und bedankte sich unter Tränen. Danach sang er nochmals "Eine Nacht" - und holte seine Mitfinalisten auf die Bühne. Grosser Sieg, grosser Champion!