Die neue RTL II-Show "Game of Clones" lässt Nerd-Träume wahr werden: Ein Kandidat darf sich seine Traumpartnerin am Computer designen und zieht mit sechs Frauen, die exakt diesen Vorgaben entsprechen, in eine Villa. Allerdings lässt das Konzept einige Fragen offen und die Show selbst erweist sich im weiteren Verlauf als Bachelor-Abklatsch.

Christian Stüwe
Eine Kritik
von Christian Stüwe, Freier Autor

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Im Jahre 1985 hatten Computer noch etwas Futuristisches. Fast alles schien dank der Rechner in Zukunft möglich, auch wenn die real angebotenen Modelle in Sachen Geschwindigkeit und Leistung vermutlich gegen jede heutige Kaffeemaschine den Kürzeren gezogen hätten.

Ein Kinofilm wie die US-Komödie "L.I.S.A – der helle Wahnsinn" passte damals gut zum Zeitgeist. Darin designen sich zwei schüchterne Schüler am heimischen PC eine Traumfrau und erwecken diese zum Leben – die ultimative Nerd-Phantasie. Auch wenn das Wort "Nerd" damals natürlich noch nicht wie im heutigen Sinne gebräuchlich war.

Im Jahr 2019 ist der Nerd-Traum am Donnerstagabend nun wahr geworden – dank RTL II. In "Game of Clones – Ein Klon zum Verlieben" darf in vier Folgen ein weiblicher oder männlicher Single seinen Traumpartner am Rechner designen.

"Gewünscht, bestellt, geliefert, das ist Dating 3.0", verkündet die Stimme aus dem Off zum Beginn der Show. Marcel, 26, Kaufmann aus der Nähe von Hamburg, ist der erste Picker. Er trifft in der "Klon-Zentrale" ein, einem futuristischen Bau wie aus einem Science-Fiction-Film, und schon geht es los.

Wie beim Autokauf: Die Traumfrau wird zusammengeklickt

Grösse, Hautfarbe, Gewicht, Beinlänge, Bauchmuskeln, Augenfarbe – nach den Vorstellungen des Pickers wird der Avatar designt, "fast so wie beim Autokauf", sagt der Sprecher doch tatsächlich und findet daran offenbar nichts verwerflich.

"Lippen sind zum Küssen da", sagt wiederrum Marcel und wünscht sich "so ein bisschen ein Duckface". Dann stellt sich die Frage nach den Brüsten. "Können wir die ein bisschen grösser machen?", fragt der Picker, um dann einzuschränken: "Aber auch nicht solche Riesenmelonen". Der Gedanke an Frankenstein und seine Kreatur drängt sich auf. Mary Shelley schrieb den Roman 1818, um die Menschheit davor zu warnen, Schöpfer zu spielen. RTL II ist das 200 Jahre und ein paar Tage später herzlich egal.

Da aber auch RTL II keine Datingshow-Kandidaten aus dem Reagenzglas schaffen kann, beginnt nun der merkwürdigste Teil der Show. Dieser Abschnitt wirft Fragen auf, die nicht beantwortet werden. Denn wo kommen die sechs Kandidatinnen her, die so aussehen wie der Avatar? Und wieso sollten diese sechs Frauen, die zufällig dem Avatar ähneln, auch Interesse an Marcel haben? Die Klonsuche wird verschwiegen, stattdessen geht es direkt ins Haus der Klone weiter, in der Villa wird Marcel einige Tage mit den Frauen verbringen.

Unheimlicher Auftritt der Klon-Frauen

Nun kommt der vielleicht beste, überraschendste, aber irgendwie auch unheimlichste Moment der Show. Marcel trifft sechs Frauen, die auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden sind. Die Frisur, die Kleidung, Schmuck und das Make-Up - alles gleicht sich exakt. Eben genauso wie Marcels am Computer entworfener Avatar. Zum Glück tragen die Damen Namensschilder, damit Marcel nicht völlig durcheinanderkommt.

Nicht mal zehn Minuten Sendezeit sind bis zu diesem Punkt vergangen. Zehn Minuten, die trotz des moralisch fragwürdigen Ansatzes zumindest irgendwie innovativ im völlig ausgelutschten Dating-Genre wirken.

Doch nun nimmt die Show eine Wendung. "Äusserlich passen sie alle. Doch was ist mit Herz, Hirn und Charakter?", fragt der Erzähler. In den nächsten vier Tagen soll Marcel herausfinden, welche Klon-Frau charakterlich am besten zu ihm passt. Ja, jetzt geht es um dem Charakter. In einer Show, in der Minuten zuvor der Traumkörper am Computer entworfen wurde.

Fummeln, Knutschen und Zickereien

Und ab diesem Zeitpunkt war es das dann auch mit der Innovation bei "Game of Clones". Es gibt Einzeldates, Zickereien, ein Klon verweigert einen Kuss, ein anderer wird geküsst. Jeden Tag muss eine Frau die Villa verlassen. Alles in allem nichts, was man beim "Bachelor" nicht auch schon gesehen hätte. Mehr und mehr wird "Game of Clones" selbst zu einem Klon und wirkt wie eine auf zwei Stunden eingedampfte Bachelor-Kopie.

Die Klone müssen aus sechs Metern Höhe in ein Luftkissen springen ("Der Härtetest für die Persönlichkeit"). In der Sauna und im Whirlpool wird gefummelt und geknutscht. Am Ende entscheidet sich Marcel für Klon Fabiana. Und es bleibt die Erkenntnis, dass die Zukunft der Datingshows trotz des futuristischen Ansatzes nichts wirklich Neues zu bieten hat.

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