Reinhold Beckmann wird 65: Die bekanntesten deutschen Fussballkommentatoren

Kein Fussball ohne Kommentar. Reinhold Beckmann gehört zu den bekanntesten Gesichtern und Stimmen der deutschen Sportlandschaft. Zu seinem 65. Geburtstag am 23. Februar werfen wir einen Blick auf die "Sportschau"-Ikone und weitere berühmt(-berüchtigte) Stimmen des deutschen Fussballs. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Reinhold Beckmann begann seine Fernsehkarriere 1980 als freier Mitarbeiter beim WDR. Danach machte er bei Premiere (Sportchef), Sat.1 ("ran") und schliesslich wieder im Ersten Station, wo er die "Sportschau" moderierte. 2006 kommentierte er das Endspiel der Fussball-Weltmeisterschaft zwischen Italien und Frankreich. Ein Finale, dass auch diese Kommentatoren sicher gern übernommen hätten.
Seine Stimme hat seit über 30 Jahren im Fussball Gewicht: Marcel Reif streut seine Sprüche wie andere Vogelfutter. Legendär: Das Champions-League-Spiel von Borussia Dortmund bei Real Madrid 1998. Der Anpfiff verzögerte sich, da das Fussballtor vor Spielbeginn umkippte. Moderator Günther Jauch und Kommentator Marcel Reif mussten die Zeit im Programm von RTL überbrücken.
Für die spontane und schlagfertige Berichterstattung erhielten Jauch und Reif den bayerischen Fernsehpreis. Sprüche wie "Wenn Sie dieses Spiel atemberaubend finden, dann haben Sie’s an den Bronchien" hätten ebenfalls einen Preis verdient.
Der Berliner Steffen Simon kam bei der EM 2004, der WM 2006, der EM 2008, der WM 2010, der EM 2012 und beim WM-Triumph 2014 der deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz und war für die Öffentlich-Rechtlichen bei vielen weiteren grossen Sportevents dabei. Derzeit ist er Sportchef beim WDR und freut sich über den neuesten Erfolg einer Kollegin ganz besonders...
Julia Metzner wird das Finale der Fussball-EM für die ARD im Radio (SWR) kommentieren. Ein guter Schachzug, wie Steffen Simon findet: Sie mache "in der Bundesliga-Konferenz der ARD-Hörfunkwellen (...) einen tollen Job. Sie hat dieses Finale verdient." Mit dieser Entscheidung ehrt das Erste indirekt auch eine andere Kommentatorin.
Fussball-Reporterin Sabine Töpperwien hatte vor Kurzem mitgeteilt, in den Ruhestand zu gehen. WDR-Intendant Tom Buhrow nennt die 60-Jährige nicht nur eine "Pionierin", sondern auch "Legende des Sportjournalismus". In ihrer Karriere setzte sich Töpperwien im männerdominierten "Haifischbecken" durch und kommentierte mehr als 700 Fussballspiele, knapp 600 davon in der Bundesliga.
"Lieber Gott, bitte gib mir ein Verb!" Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news sprach Béla Réthy einmal über den Druck in einer Live-Situation. Eine echte Sprechblockade habe er aber nie gehabt. Und selbst wenn: Der langjährige ZDF-Kommentator spricht Deutsch, Ungarisch, Portugiesisch, Englisch, Französisch und Spanisch – genug Verben zur Auswahl.
Den Couch-Kritikern kann man es nicht recht machen: Zu emotionslos, zu redselig... urteilt manch ein Fussball-Fan über Tom Bartels. Als bei der EM 2012 im Spiel Spanien gegen Irland die irischen Fans beim Stand von 0:4 das Lied "Fields of Athenry" anstimmen, verzichtete Bartels über Minuten auf eine Kommentierung und bewies damit: Als Kommentator muss man manchmal eben schweigen.
Ganz anders seine Reaktion als Deutschland 2014 Weltmeister wurde: "Schürrle ... Der kommt an. Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn! Mario Götze! Als Schiedsrichter Rizzoli abpfiff, rief Bartels: "Deutschland ist zurück im Fussball-Himmel!"
Schweigen ist eher nicht so sein Ding: Frank "Buschi" Buschmann hat zu allem etwas zu sagen. Basketball, Football, Fussball: Der Sky-Mann ist für seinen aufbrausenden Stil bekannt, liefert dafür aber regelmässig unterhaltsame Sprüche, wie "Die Flanke sollte bananenmässig werden, war aber leider nur Fallobst" und "Das nennt der Abiturient Antizipieren".
Wolff-Christoph Fuss ist ebenfalls für Sky am Werk und liefert zusammen mit Frank Buschmann Kommentare für die FIFA-Reihe. Die berühmte Freistoss-Pose von Cristiano Ronaldo kommentierte er: "Der kann kaum stehen vor lauter Cojones."
Aus der Kommentatoren-Kabine direkt in den Container von "Promi Big Brother": Werner Hanschs Karriere schlug einige Haken und landete letztendlich im Trash-TV.
Seinem Legendenstatus tut das keinen Abbruch: "Wer hinten so offen ist, kann nicht ganz dicht sein." Recht hat er, der Werner!
"Und jetzt skandieren die Fans wieder: Türkiye, Türkiye. Was so viel heisst wie Türkei, Türkei." Die Beschreibung des Offensichtlichen war sein Ding: Heribert Fassbender alias "Mister Sportschau" berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen und acht Fussball-Weltmeisterschaften und wusste wie der Fussball-Hase läuft: "Sie sollten das Spiel nicht zu früh abschalten. Es kann noch schlimmer werden."
Beste Unterhaltung war stets auch bei Fritz von Thurn und Taxis geboten. Mit seinen Sprüchen, die etwas aus der Zeit gefallen zu sein scheinen, liesse sich ein ganzes Buch füllen.
Eine Auswahl: "Schaut aus wie ein Zigeuner, dieser Lucho Gonzáles, dieser argentinische Robustling!" und "Da rennen sie, diese unersättlichen Polen."
Neun Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gewann Deutschland das WM-Endspiel gegen den haushohen Favoriten Ungarn und schrieb mit dem "Wunder von Bern" ein Stück Sportgeschichte. Das liegt auch am unvergessenen Kommentator Herbert Zimmermann (r., mit Sepp Herberger): "Aus! Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!"
Von 1982 bis 1998 kommentierte Gerd Rubenbauer alle Weltmeisterschaften und sorgte für Stimmung in Deutschlands Wohnzimmern. Unvergessen bleibt sein Kommentar zum WM-Sieg 1990 und das Schmankerl: "Also, das einzige, was hier läuft, ist der Schweiss von Schiedsrichter Thompson."
Sky-Kommentator Jörg Dahlmann leistete sich zuletzt einen groben Patzer, indem er sich herablassend über Sophia Thomalla äusserte. Zum Debüt von Union-Keeper Loris Karius, Freund von Sophia Thomalla, sagte er: "Hat den Vorteil, dass er zu Hause kuscheln kann mit seiner Sophia Thomalla. Aber für so eine Kuschelnacht mit Sophia würde ich mich auch auf die Bank setzen." Der Pay-TV-Sender zog die Reissleine, Dahlmann und Sky gehen fortan getrennte Wege.
Stephanie Baczyk hingegen marschiert weiter vorwärts. Die 34-Jährige ist seit der Saison 2019/20 für die "Sportschau" im Einsatz und bekommt für ihre Berichterstattung viel Lob. Dass das nächste WM-Finale von einer Frau kommentiert werden soll, könnte ihr zugutekommen.