Bruce Darnell drückt goldenen "Supertalent"-Buzzer für Furz-Virtuosen: "Was mache ich bloss?"

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Beim "Supertalent" ist Dieter Bohlen über einen leise-subtilen Vortrag gerührt. Fürs Derbe sind andere zuständig, etwa ein Furz-Profi. Kein Witz: Bruce Darnell ist das den Goldenen Buzzer wert. © 1&1 Mail & Media/teleschau

Eigentlich ganz Dieter Bohlens Beuteschema. Aber nein: Trotz ihres Outings als Bohlen-Fan und einem wilden Modern-Talking-Remix bleibt DJane Mila Muse aus München beim "Supertalent" unter ferner liefen. "Du bist nett und siehst gut aus, alles prima", so der Oberjuror. "Aber hättest du wenigstens mal ordentlich Geige gespielt."
Auch der Schwertschluckerin Lisa Chudala hilft ihr sexy Burlesque-Outfit nicht weiter, auch nicht ihre spektakuläre Performance: Vor den fasziniert-entsetzen Augen von Jury und Publikum hämmert sie sich einen langen Nagel in die Nase.
"Bisschen freaky, bisschen scary" (Bruce Darnell): Als Lisa den Nagel mit einer Zange aus ihrer gepiercten Nase zieht, ist nicht nur für Dieter Bohlen zu viel Metall im Spiel. "Hast du das geübt?" fragt Evelyn Burdecki fassungslos. "Nein, das ist ihr einfach so passiert", mutmasst Scherzkeks Chris Tall.
Beim Schlussurteil bleibt Lisa zum Glück nur das Lachen im Halse stecken: "Schwertschlucker hatten wir in jeder Staffel", so Bohlen erbarmungslos: "Und leider viel besser." Bruce und Evelyn drücken "Ja", Chris Tall und Bohlen "Nein" - leider das Aus für die Artistin aus Rotterdam.
Zumindest in dieser Show schätzt Dieter Bohlen nämlich die leisen Töne: Hin und weg ist er zum Beispiel von der Kunst des Strassenmusikers Stefano Rubino aus Italien. Der Glasharfen-Spieler war 23 Jahre Polizist und ist heute in ganz Europa auf der Suche nach Gläsern mit perfektem Klang.
"So was haben wir hier noch nicht gesehen", staunt Bohlen über Stefano, der den Gläserrändern sanfte klassische Musik entlockt. "So viel Gefühl!", kriegt er sich kaum über Stefanos "Glasharfe" ein. "Alles, was man aus so Gläsern rausholen kann, hast du rausgeholt!" Die Kollegen stimmen zu - Stefano ist weiter.
Fast altersmilde urteilt Bohlen auch über Stefanos Landsmann Andrea Castiglia. Ein simpler Papierflieger reicht dem Zirkuskünstler, um Bohlen zu begeistern: Seine Performance, in dem er mit seinem gefalteten Flugzeug tanzt, sei "eigentlich das", was er sich für die Show "viel mehr wünscht", so Bohlen.
"Talent ist nämlich das eine, ein aussergewöhnliches Talent das andere", zeigt sich der Oberjuror ergriffen. Den früheren Politikwissenschaftler und heutigen Zirkuskünstler Andrea freut's - und sicher auch seine Grossmutter selig, die den Enkel einst mit dem Flugzeugfalten vertraut machte.
"Ich meine, da stellt sich ein Mann hin, mit 'nem kleinen Stück Papier, und man guckt die ganze Zeit zu und ist gebannt und denkt sich: 'Scheisse, wie macht er das?'", sagt Bohlen über Andrea und probiert es gleich selbst. Das Resultat "Sturzflug" gilt leider auch für Andrea - nur Neu-Romantiker Bohlen konnte sich für seine Show erwärmen.
Wenn's um derbe Spässe geht, ist sich die Jury schnell wieder einig: Dragqueen Pam Pengco aus Köln macht sich erst mal über diverse Vorbauten lustig: "Mit meinen Brüsten kann ich Melonen zerstossen." - "Ich mit meinen auch", kontert Chris Tall. Ihre Brüste hätten "Apfelform". Dann gebe es noch "Birnen" und - mit Blick auf Evelyn - "Kompott".
"Sind deine denn aus Gummi?" zeigt sich Evelyn wissbegierig. "Schade, dass Corona ist", bedauert Pam. "Sonst hättest du gerne zum Abpausen kommen können." Jenseits der Gags geht es der Dragqueen jedoch um mehr Toleranz für alle Lebensarten und "mehr Glitzer im Leben". Davon kann die Jury gleich etwas verstreuen - Pam ist weiter!
Nach so viel subtilem Wortwitz wird es Zeit für atemberaubende Bewegung: Voilà, hier sind die "Alten Kameraden" aus Schlitz, Essen und weiteren Orten. Sie gehören zu einer der ältesten und bekanntesten Zirkusfamilien Deutschlands - und haben einen prominenten Cousin, DSDS-Sieger Ramon Roselly.
Bereits in der achten Generation treten die Artisten der Familie auf. Luis (ganz oben) ist erst sieben Jahre alt und macht schon Akrobatik wie die Grossen. Ihre Nummer hat Tradition: Im Zweiten Weltkrieg erarbeitete Grossvater Jonny in Kriegsgefangenschaft die Performance mit ebenso talentierten Mitinsassen, um sich die Langeweile zu vertreiben.
In ähnlicher Familientradition stehen die italienisch-spanischen Brüder Ricardo und Alejandro Rossi. Bereits im Alter von fünf Jahren traten Ricardo und Alejandro in Zirkusshows auf. Zu ihren Spezialitäten gehören Jonglage und Luftakrobatik - dazu Charme und gutes Aussehen: "Ihr seid nice, schön, hübsch, alles zusammen", lobt Evelyn.
Auf der Bühne von "Das Supertalent" zeigen die "Fratelli Rossi" die "ikarischen Spiele", bei denen einer von ihnen den anderen mit den Füssen durch die Luft wirbelt. Einmal ist die Nummer schon mit einem spektakulären Sturz gescheitert - und das ausgerechnet beim US-Pendant des "Supertalents", "America's Got Talent."
Diesmal klappt alles aufs souveränste, und nicht nur Bruce Darnell traut seinen Augen nicht. Bei seinem Urteil ist er sich mit der gesamten Jury einig: "Eure Show gehört nach Las Vegas."
Für Guy First aus Israel ist es noch ein langer Weg. Bis dahin arbeitet er als Mediengestalter und widmet sich einem seltsamen Hobby: Mit seinen Händen kann er Furzgeräusche intonieren und damit Pophits begleiten. Akustisch und mimisch gewöhnungsbedürftig - aber in jedem Fall lustig.
So lustig, dass sich Chris Tall zum spontanen Mitfurzen motivieren lässt. Nur kann er leider keine Töne generieren. Wie der Comedian aus Erfahrung weiss: "Die leisen sind ja die schlimmsten."
Auch Bruce Darnell kann sein Feedback erst mal nicht in Worte fassen: "Ich weiss nicht ... Hab so etwas noch nie gesehen. Bin überfordert ... Was mach' ich bloss?" Ach was, dann eben gleich ein Goldener Buzzer! Guy ist also im Finale, ausgestattet mit Bruce' unwiderstehlichem Vorschlag: "Furz im Finale doch etwas von Modern Talking!"