Im neuen SAT1- Format "5 Senses for Love – Heirate dein Blind Date" können 30 Frauen und Männer einander leidenschaftlich beschnuppern, den Stimmen der anderen lauschen, sich mit Verve befummeln und sogar schmecken, also küssen. Nur sehen dürfen sie sich vorerst nicht. Das wird erst genehmigt, wenn zwei Flirtpartner einander die Ehe versprechen.

Robert Penz
Eine Kritik
von Robert Penz

Exakt 15 Frauen und 15 Männer sind es, die das verrückte Experiment "5 Senses for Love – Heirate dein Blind Date" wagen, in dem sie alle Reize – mit Ausnahme der visuellen – in unterschiedlichen Spiellevels verarbeiten dürfen, um ihr unbekanntes Gegenüber kennenzulernen. Beschnuppern, der Stimme lauschen, begrapschen und sich gegenseitig die Zunge in den Rachen schieben – beim liberalen Sender Sat1 geht einfach alles. Das Sehen kommt erst mit dem Eheversprechen. Also eh bald. Es ist ja schliesslich eine schnelllebige Zeit.

Was passiert, wenn der eine die Optik des anderen so gar nicht packt und daraufhin den Hafen der Ehe spontan umschiffen möchte, will der Sender übrigens noch nicht verraten.

Papi wird den Ex-Knasti schon mögen

Insgesamt gibt es drei Phasen bei "5 Senses": die "Kennenlernphase", die "Paarphase" und das "Finale". Am Mittwochabend galt es für die 30 "Blindgänger" einmal, die anderen kennenzulernen, wobei sich diese Phase in die Levels "Riechen", "Hören", "Fühlen und Schmecken" sowie später "Sehen" unterteilt. In der Paarphase verbringen die dann bereits Verlobten einen gemeinsamen Urlaub auf Naxos, um sich dort näherzukommen. Im grossen Finale dürfen dann auch Familien und Freunde Teil der Chose werden und gute Miene zum bösen Spiel machen. Tanzt Töchterchen mit Ex-Knasti Mehmet im Windschatten an, wird Papa sicher total begeistert sein. Und überhaupt: Wenn du einander kaum kennst, gibt’s auch noch wenig Negatives zu berichten. Supersendung!

"Steven ist raus, den kann ich nicht riechen"

Nach dem Einzug der 30 Liebeshungrigen in ein Loft, für dessen Inneneinrichtung sich die Sendungsverantwortlichen in Thailand sowie in ein paar deutschen Solarien umgesehen haben dürften, ging’s bereits ans Riechen. Die 15 Damen durften in Level eins ihre Nasen in 15 Boxen mit von den Herren getragenen und/oder parfümierten Textilteilen stecken – sowie natürlich vice versa. Während etwa Renés Hemd blumiges transportierte, waren die Damen von Stevens Textilien vergleichsweise wenig angetan. "Der ist raus, den kann ich nicht riechen", meinte etwa die 27-jährige Sandy, die gleich sieben Männer aufgrund ihres mauen Odeurs kickte.

Zur Erklärung: Nur wenn sich die Singles buchstäblich gut riechen können, begegnen sie einander in der nächsten Runde wieder. Und je höher die Anzahl der Matches, desto mehr Auswahlmöglichkeiten bleiben für sie offen. Von allen Duftboxen sprachen nur jene von Stephan und Steven nicht ein einziges Häschennäschen an. Beide mussten damit bereits Loft und Sendung verlassen. Von den Damen durften zunächst alle bleiben.

Marvin vom Ymas Sex-Job angetan

Anschliessend konnten sich die jeweiligen Duft-Matches in Level zwei in getrennten Räumen, aber mit akustischer Verbindung unterhalten. Erotik-Darstellerin Yma (23) und Student Marvin legten los. Den 26-Jährigen versetzte der Job des Plus-Size-Models, das vor der Webcam masturbiert oder mit einem Partner zur Sache geht, gleich mal gehörig in Ekstase. "Ehrlich, das ist genau das, was ich brauch", jauchzte der 26-Jährige, der bis zum nächsten Plauderdate 30 Minuten später auch wirklich keine andere mehr wollte. "Ich verstehe das Format nicht. Gebt einfach allen Alkohol!", meinte indes jemand auf Twitter.

Michael – der Quotenunsympathler

Alkohol gab’s zwar keinen, dafür tauchte Michael auf. Der veritable Unsympathler stahl im Nu allen die Show. "Wenn man so einen schönen Namen hat, dann erwähnt man den natürlich auch", so der 27-jährige IT-Manager zur 39-jährigen Alissa, die seinen Namen zunächst nicht wissen wollte. "Michael" stehe nämlich beispielsweise für "weiss, was er will" und Erfolg im Beruf, klärte der Münchner die Dortmunderin auf. Dass Alissa daheim einst das Nesthäkchen war, liess ihn sofort schlussfolgern, dass sie einen Mann suche, der für sie kocht, putzt und überhaupt auch gleich den ganzen restlichen Mist erledigt. Und auch sonst war Michael durch die Bank angenehm unangenehm. Alissas Euphorie jedoch fiel nach der Unterhaltung eher gemässigt aus: "Den möchte ich auf gar keinen Fall mehr treffen!", meinte sie lapidar.

"Hamburg? Wo liegt das?"

Wesentlich unkomplizierter gestaltete sich da schon das Gespräch zwischen Mehmet und Sabrina: "Wer bist du?" "Sabrina." "Geil!" Weniger geil, dafür umso ausgefallener fand Mehmet, dass Sabrina aus einer Stadt namens Hamburg kommt. "Wo liegt das?", wollte der aus dem fernen Reutlingen stammende Inhaber eines Telekommunikationsgeschäftes wissen. Auch bei seinem zweiten Date mit der 37-jährigen Brigitta war Mehmet "komplett lost". Übersetzt: Auch das fand er geil! "Ich hab zwar noch nie jemanden aus deinem Kulturkreis gedatet, aber ich konnte mich da freimachen", gab sich Brigitta gegenüber dem Türkischstämmigen, der früher Drogen verkauft hat und gern die Fäuste sprechen liess, dies aber noch für sich behalten wollte, weltoffen. "Knutscht du beim ersten Date?", wollte Brigitta am Ende des Dates noch Substanzielles in Erfahrung bringen.

Next Level: Fummeln und Küssen

Dass das Format erst 90 Minuten dauerte, als man nach gefühlt vier Stunden auf die Uhr blickte, war relativ erstaunlich. Und wo war überhaupt Michael? Jetzt, da es nach dem Plaudern ans Eingemachte ging, und je zwei gematchte Singles einander mit verbundenen Augen fühlen, abtasten und schmecken durften, wäre so ein ätzender Protagonist praktisch gewesen. Tobi, der jetzt immer häufiger ins Bild kam, ist zwar äusserst nett, aber irgendwie trotzdem auch ganz in Ordnung. "Es fühlt sich gut an", meinte Aileen zum jungen Duisburger, als der sich gerade anschickte, seine Zunge in ihren Mund wachsen zu lassen. "Du stehst auf Po, hab ich gehört. Also bitte: Darfst auch anfassen", kam die 26-Jährige danach mit einem Angebot, das der scharfe Athletik-Trainer nicht ausschlug.

Tobi darf nochmal

Dass Zungenbrecher Tobi unmittelbar danach auch noch mit Carry in den Infight ging, fand Aileen, die den Duisburger richtig liebgewonnen hatte, nicht allzu prickelnd. "Ich würde ins Schmecken gehen, aber das musst echt du sagen, weil du hattest heute ja schon", liess Carry dem begehrten Tobi die Entscheidung. Nach einer intensiven Nachdenkpause von zwei Millisekunden legte das Kid im Candystore schliesslich los und beendete damit die erste Folge von "5 Senses for Love – Heirate dein Blind Date".

Fazit: Wenn Michael künftig nicht mehr Screenplay bekommt oder die Leute sich – in welcher Form auch immer – nicht bald an die Wäsche gehen, wird sich ein Quotenfiasko nicht vermeiden lassen. Weil gut ist das alles nicht.