"Temptation Island". Insel der Versuchung. So bewirbt RTL seine neue Show. Doch bislang muss der Zuschauer lediglich der Versuchung widerstehen, umzuschalten. Denn auch in Folge zwei ist immer noch kein Unterhaltungswert bei dem Trash-Format zu erkennen.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

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"Auf 'Temptation Island' testen vier glückliche Paare ihre Treue." Was der Off-Sprecher da zu Beginn von Folge zwei ebenso beiläufig wie niedrigpulsig über das Sendungskonzept von "Temptation Island" fallen lässt, bietet in der Theorie eigentlich ein exzellentes Grundgerüst für Trash-TV allererster Güte.

Man steckt vier Pärchen getrennt voneinander in zwei Villen, die mit jeweils elf Singles des anderen Geschlechts aufgefüllt werden.

Tagsüber vertreibt man sich die Zeit mit sogenannten "Dates", um sich die Namen der anderen zu merken, die man dann abends wieder vergessen kann, denn dort zündet man sich dann so lange die Lampen an, bis irgendwann endlich jemand fremdgeht.

Seltener wurde weniger Kreativität beim Ausdenken eines neuen TV-Formats verwendet, als bei "Temptation Island".

Nur aus Alkohol, Fitnessmodels und dem Wunsch vierer Paare, sich das Leben selbst schwerzumachen, hat man eine Unterhaltungsshow gezimmert, die anderen Trash-Formaten in nichts nachsteht. Zumindest in der Theorie.

"Temptation Island": "Alkohol! Ich brauch' Alkohol, Leute!"

Das, was man dann am Sonntagabend in Folge zwei zu sehen bekam, wich dann aber erheblich von der Theorie ab. Bereits in Folge eins tat man sich schon schwer, irgendeinen Unterhaltungswert zu erkennen.

Als sich die Kandidaten am Ende der Folge ansahen, was ihre jeweiligen Partner denn so getrieben hatten, war da nämlich nur wenig, das für einen moralischen Eklat gereicht hätte – zumindest nach Massstäben des 21. Jahrhunderts.

Lediglich Kandidatin Christina schien beim Lagerfeuer-Briefing etwas aufgefallen zu sein, denn sie war wegen des offenbar zu offensiven Verhaltens ihres Salvatore ein bisschen emotional, was sie in Folge zwei den auf sie wartenden "Verführern" auch gleich durch die Blume mitteilt: "Alkohol! Ich brauch' Alkohol, Leute!"

Und was wären die elf Männer für schlechte Verführer, wenn sie der liebesenttäuschten Christina nicht sofort Hochprozentiges anbieten würden. Die hat sich nach den Bildern von Salavtore nämlich eine Sofort-Strategie für diesen Abend zurechtgelegt: "Ich werde mich natürlich ablenken. Ich hab' so eine geile Truppe.

Die Männer sind einfach nur Hammer und die sind wirklich für mich da." Natürlich sind die Männer wirklich für sie da, zumindest wird RTL das in die Jobbeschreibung geschrieben haben.

Das Problem mit dem Testosteron-Ausstoss

Ziania ist von der Männertruppe trotzdem begeistert: "Die haben alle schon eine Kleinigkeit Sensibelheit in sich. Das finde ich sehr schön. Obwohl die jetzt alle so gross und breit sind und klar, stossen die viel Testosteron aus. Aber die können auch anders und das ist sehr schön an Männern"

In der Tat hat RTL da wahre Prachtkerle zusammengetrommelt und man ist als Zuschauer froh, dass der Sender wegen des immensen "Testosteron-Ausstosses" der Männer auf eine Softwarenachrüstung verzichtet hat.

Und so lassen die ebenso sensiblen wie bemuskelten Männer nichts unversucht, Christina ihre Enttäuschung vergessen zu lassen: "Ich habe einen Stern gesehen. Da oben. Aber der ist runtergefallen und sitzt neben mir", versucht es James mit Poesie und es ist ein Wunder, dass sich Christina an dieser Stelle noch nicht die Klamotten vom Leib reisst.

In der Männer-Villa versuchen die "Verführerinnen" mit anderen Mitteln, ihrer Honorarverpflichtung nachzukommen. Dort lungern vier Damen im Pool herum und bitten Fabian und Salvatore darum, ihnen die Rücken einzucremen: "Ich verbrenne gerade", bittet eine "Verführerin" flehentlich um Lebensrettung, aber Fabian und Salvatore ziehen sich lieber uneincremend zurück.

"Wenn ich Single wäre, hätte ich die natürlich eingecremt. Ist ja klar", erklärt Fabian dann im Inneren der Villa. Hätte er aber gar nicht machen müssen, denn wie man noch kurz sieht, sind die vier zurückgewiesenen Damen dann doch auf die Idee gekommen, sich einfach gegenseitig einzucremen.

Fremdgehen wegen Elefanten füttern?

Da also weder mit Poesie noch mit Sonnencreme eine Affäre losgetreten werden konnte, schickt RTL die Kandidaten zu Dates mit ihren "Verführern". Man geht an den Strand zum Kajakfahren, an den Strand zum Massieren und an den Strand zum Gitarre spielen.

Das Ergebnis in puncto Fremdgehen ist bei allen drei Strandbesuchen dasselbe. Oder wie es Ziania ausdrückt: "Ich würde es bevorzugen, wenn ich andere Jungs kennenlernen dürfte."

Lena und Christina hingegen besuchen mit ihren Verführern zusammen ein paar Elefanten. Als sie gemeinsam die Elefanten in einem Tümpel waschen, kommt richtig Versuchungsatmosphäre auf: "Der Elefant hat genau da, wo ich reingefallen bin, gekackt, gepisst und gefurzt", fasst Christina den Ausflug zusammen.

Mit anderen Worten: Das Ganze ist so kreuzlangweilig, dass die "Verführerinnen" und "Verführer" in Zweizeilern vor der Kamera erklären müssen, wie moralisch flexibel und hinterlistig sie doch sind: "Ich hoffe schon, dass Fabians Freundin einen Fehltritt macht oder vielleicht ein bisschen zu viel Alkohol trinkt und dadurch einen Fehltritt macht", erzählt beispielsweise Jennifer.

Nun weiss man natürlich nicht, was sich RTL so vorgestellt hat, was denn passieren würde. Dass die Kandidatinnen und Kandidaten so lange Elefanten füttern, bis sie zusammen in der Kiste landen? Oder so lange Gitarre spielen, bis sie vor lauter Lust übereinander herfallen?

Nein, für ein ernst gemeintes Format ist "Temptation Island" zu gaga, für Trash-TV bislang viel zu langweilig. Vielleicht gibt es in Folge drei einen Grund, warum man sich das Ganze ansehen sollte.

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