Viel ist geschrieben und geredet worden über Til Schweigers "Tatort"-Engagement. Doch wie ist sein Debüt als Ermittler Nick Tschiller eigentlich geraten? Genau so, wie zu erwarten war: Es steckt eine Menge Hollywood in "Willkommen in Hamburg" - und natürlich noch mehr Schweiger.

Bildergalerie starten

Schweiger spielt "Nick Tschiller"

Die ersten Bilder zeigen den neuen Kommissar in Action.

Für den neuen Hamburger Ermittler Nick Tschiller kommt es gleich knüppeldick: Was als routinemässige Wohnungsüberprüfung beginnt, endet nach wenigen Minuten mit drei Toten und einem verletzten Partner. Dienstaufsicht und Staatsanwaltschaft sind angesichts solcher Gewaltexzesse natürlich nicht begeistert.

Wer ist Nick Tschiller?

"Ich hab 'Polizei' gesagt, bei 'ei' hat er geschossen", erklärt Tschiller sein Vorgehen danach lapidar. Da habe er sich eben zur Wehr setzen müssen. So ist er halt, der Neue: Ein knallharter Superbulle, der bisweilen wirkt wie eine Mischung aus Dirty Harry und "24"-Terrorbekämpfer Jack Bauer. Ein Mann der Tat, cool, abgebrüht und eher Einzelgänger als Team-Player.

Einen passenden Spruch hat er auch immer parat. Auf die Frage, ob man seinen Namen schreibe wie den des berühmten Dichters, erwidert er lässig: "Nein, Tschiller. Mit 'T'. Ich nuschel 'n bisschen." Hinter der harten und coolen Schale steckt aber auch ein weicher Kern - wie bei jeder Til-Schweiger-Figur.

Um sich besser um seine Tochter kümmern zu können, ist Tschiller nach Hamburg gegangen. Zuvor war er Undercover-Ermittler beim LKA in Frankfurt und Teil eines SEK. Schon dort eckte er allerdings mit seinen rabiaten Ermittlungsmethoden an. Etwa als er Selbstjustiz an einem Zuhälter übte, der eine Prostituierte misshandelt hatte.

In Hamburg wird Tschiller Yalcin Gümer (gespielt von Fahri Yardim) als Partner zur Seite gestellt. Trotz einer Schusswunde, die gleich aus dem ersten gemeinsamen Einsatz resultiert, ist Gümer auch vom Krankenbett aus eine Unterstützung für Tschiller. Alles was er dazu braucht, ist sein Laptop - damit kann er sich, ähnlich wie die Computerpezialisten in der US-Agentenserie "24", so gut wie überall einhacken. GPS-Ortung von Mikrosendern oder das Einwählen in fremde Telefonschaltungen inklusive.

Wo Schweiger draufsteht, ist auch Schweiger drin

Auch wenn Til Schweiger selbst in seiner Debütfolge "Willkommen in Hamburg" nicht offiziell federführend war, hat er das Kommando aber natürlich dennoch an sich gerissen. Und so kommt einem doch vieles sehr bekannt vor. Kein Wunder, immerhin hat Schweigers Produktionsfirma "Barefoot Films" die Pressearbeit zu "Willkommen in Hamburg" übernommen. Sein Berater ist zugleich im Aufsichtsrat der Produktionsfirma "Constantin Film", die auch beim neuen "Tatort" verantwortlich ist, wie die "Hamburger Morgenpost" berichtet.

Und damit nicht genug: Im Prinzip spielen fast ausschliesslich Schweiger-Vertraute mit. Zum einen wäre da Nick Tschillers Tochter Lenny, gespielt von Schweigers Tochter Luna, die schon in "Schutzengel" und "Kokowääh 2" mit Papa vor der Kamera stand. Co-Kommissar Yalcin Gümer wird von Fahri Yardim verkörpert, der in "Keinohrhasen", "Kokowääh" und "Schutzengel" mitwirkte. LKA-Kollegin Ines Kallwey (Britta Hammelstein) schliesslich spielte in "Kokowääh 2" mit, genauso wie die "Tatort"-Bösewichte Firat Astan (Erdan Yildiz) und Boxer Arthur Abraham.

Auch optisch hat Schweiger dem "Tatort" seinen Stempel aufgedrückt: Die bleihaltigen Action-Szenen erinnern stark an den eben erwähnten Film "Schutzengel" oder auch an Schweigers Hollywood-Debüt "Replacement Killers" von 1998. Mit rasanten Kamerafahrten und schnellen Schnitten ist "Willkommen in Hamburg" ganz auf der Höhe der Zeit, was man von anderen "Tatort"-Produktionen nicht unbedingt behaupten kann. Allerdings ist es ja auch genau dieses nostalgische Element, das viele Fans an der Krimi-Reihe so schätzen.

Ein wenig verneigt sich der Schweiger-Fall dann aber doch vor dem "Tatort". Als Nick Tschiller im LKA-Büro mal muss, taucht am Pissoir neben ihm plötzlich ein Kollege auf: Es ist Kommissar Thorsten Falke alias Wotan Wilke-Möhring - dessen eigenes Debüt als "Tatort"-Ermittler steht ebenfalls bald bevor. Und das erste Wort, das man von Kommissar Tschiller zu hören bekommt, ist ein kurzes, prägnantes "Fuck". Eine sympathische Hommage an "Tatort"-Legende Schimanski (Götz George). Der debütierte seinerzeit 1981 mit "Scheisse".

(lug/cze/kom)