Das ZDF hat "Die Versteckte Kamera" neu aufgelegt. Kein Witz. Was selbst nach einem TV-Streich klingt, wurde gestern Abend aber Realität. Trotz eines Riesenaufwandes und eines gelungenen Debüts von Moderator Steven Gätjen fehlte der Show die Originalität an den richtigen Stellen.

Tatort-Star Lars Eidinger lässt bei Event die Hosen runter.

Manchmal stellt man sich als Zuschauer die Gespräche in den Sendern bei der Programmplanung so vor: "Also ihr Lieben, zwei Samstage im Jahr sind noch frei, was machen wir da?" Schweigen. Nach fünf Minuten des auf den Boden Starrens ringt sich dann ein Redakteur dazu durch, etwas in die Runde zu werfen: "Machen wir doch Versteckte Kamera. Geht immer, kannste nix falsch machen". Und schon sind die beiden Programmplätze belegt.

In der Tat sind Spässe vor der versteckten Kamera so was wie das Tiramisu der Samstagabendunterhaltung. Wenn Gäste kommen – Tiramisu geht immer. Aber falsch machen kann man bei Tiramisu wie bei der versteckten Kamera trotzdem einiges. "Die Versteckte Kamera 2016" war gestern Abend so etwas wie ein Restaurantbesuch beim Nobelitaliener, der einem dann Tiramisu aus dem Supermarkt serviert.

Seltsame Jury-Nummer

Dabei war eigentlich alles arrangiert, um aus "Die Versteckte Kamera 2016" trotz der leidlich originellen Idee einen amüsanten Fernsehabend zu machen. Live-Atmosphäre, mit dem Duisburger Theater am Marientor einen respektablen Veranstaltungsort und eine ebenso beachtliche Anzahl an Prominenten: Matthias Schweighöfer, Andrea Sawatzki, Uwe Ochsenknecht, Nelson Müller, Uri Geller oder Michelle Hunziker, um nur einige zu nennen. Dazu führte Steven Gätjen bei seiner ZDF-Premiere durchaus charmant und mit Humor durch die dreistündige Show, auch wenn er seinen aus ProSieben-Zeiten antrainierten Superlativ-Sprech nicht vollkommen ablegen konnte.

Das Originalvideo der Hundespinne

Dieses YouTube-Video zeigt den ursprünglichen Streich mit der Riesenspinne. © YouTube

Bei so vielen guten Zutaten hätte man auch durchaus über die vollkommen sinnfreie Idee hinwegsehen können, die einzelnen Kamera-Spässe der prominenten Lockvögel von einer Jury aus Til Schweiger, Heiner Lauterbach und Carolin Kebekus bewerten und am Ende vom Publikum krönen zu lassen. Die Jury selbst gab sich zwar alle Mühe, eine gewisse Ernsthaftigkeit bei der Verkündung ihrer Spontan-Kriterien auszustrahlen, in der Praxis hörte sich das bei Til Schweiger aber bisweilen so an: "Ich fand dich wie immer charmant und gutaussehend", so Schweigers Kommentar zum TV-Streich von Michelle Hunziker. Matthias Schweighöfer war es dann, der von Seiten der Lockvögel diese merkwürdige Jury-Nummer treffend zusammenfasste: "Das ist der absurdeste Moment in meiner Karriere."

Mr. Cool: Florian David Fitz

Nicht weniger absurd waren die TV-Streiche, also das eigentliche Herzstück jeder Versteckten Kamera. Da inszenierten Andrea Sawatzki und Christian Berkel einen aus dem Runder laufenden Drohnen-Lieferdienst, Michelle Hunziker erschreckte Kinder mit sprechenden Haushaltsgeräten und Uwe Ochsenknecht brachte Thomas Anders mit dessen fiktiven Alter Ego Andreas Thomasz aus der Fassung. Je nach eigenem Humorverständnis kann man das lustig finden oder auch nicht, aufwendig inszeniert waren die Spässe allemal.

Humoristischer Höhepunkt war zweifelsohne der Streich, den Matthias Schweighöfer seinem Freund und Filmpartner Florian David Fitz spielte. Nicht, weil die Idee, Fitz bei einer Taxifahrt eine Hochschwangere zusteigen zu lassen und ihn bei der Fahrt ins Krankenhaus dann noch in einen Verkehrsunfall zu verwickeln, sondern weil Fitz sich bei all dem Chaos so überhaupt nicht aus der Ruhe bringen liess. Fitz macht sogar noch mit der Schwangeren ein Fan-Selfie, obwohl die mit vermeintlich geplatzter Fruchtblase neben ihm sitzt.

Youtube gibt’s jetzt auch im Fernsehen

Soweit zur Haben-Seite. Nun ist es ja nicht so, dass man von jeder Show erwarten muss, dass sie gleich das Fernsehen neu erfindet. Von der "Versteckten Kamera" schon gleich gar nicht. Aber dass man sich bei einer öffentlich-rechtlichen Samstagabendshow dermassen von modernen Viral-Klassikern hat "inspirieren" lassen, ist mit unoriginell noch zurückhaltend beschrieben. 30 Leute in einer Nacht zu erschrecken, hatte sich TV-Koch Nelson Müller für seine Streiche vorgenommen. Gelöst hat Müller diese Aufgabe dann, indem er sich bei Youtube-Videos bediente, wie zum Beispiel beim als Riesenspinne verkleideten Hund. Zum Vergleich:

Riesenspinne:

Das Originalvideo des Dinosauriers

Dieses YouTube-Video zeigt den ursprünglichen Streich mit dem Dinosaurier. © YouTube

Dinosaurier:

Das Originalvideo zur übersinnlichen Frau

Dieses YouTube-Video zeigt den ursprünglichen Streich mit der Frau, die telekinetische Kräfte hat. © YouTube

Auch der Streich, bei dem Uri Geller einer arglosen Frau in einem Restaurant vorgaukelte, sie habe telekinetische Kräfte, hatte mit dem Werbe-Clip für den Horror-Film "Carri" einen Viral-Hit als Vorbild:

Diese "Inspirationen" wurden zwar ganz offen kommuniziert, Fernsehen, das man auch bei Youtube im Original sehen kann, stellt aber selbst die Frage nach seiner eigenen Berechtigung. Bezeichnend, dass am Ende Nelson Müller mit "seiner" Riesenspinne den ersten Platz machte.

So bleibt am Ende eine Show mit einem ganz ordentlichen Debüt von Steven Gätjen, einem grossen Promi-Stelldichein, mal mehr, mal weniger lustigen Streichen und Fernsehen, das man sich auch im Internet ansehen kann. Ja, mit Tiramisu kann man nichts falsch machen, aber eben auch nichts gewinnen.