Günther Jauch, die helfende Kraft: In der Doppelfolge von "Wer wird Millionär?" am Montagabend musste der Moderator seinen zum Teil erschreckend ahnungslosen Kandidaten immer wieder kräftig unter die Arme greifen. Nur einer lehrte Jauch das Fürchten. Sass hier etwa der nächste Millionär? © teleschau - der mediendienst GmbH

Unter den Kandidaten am Montagabend stach besonders Politikstudentin Hazina Habibi hervor. Und das nicht nur wegen ihres, nun ja, eher schlichten Wunsches bei einem möglichen Millionengewinn: Sie würde ihre Spülmaschine endlich anschliessen lassen. Die wird nämlich aufgrund eines fehlenden Bauteils seit Jahren lediglich als Geschirrschrank genutzt.
Doch bereits die (vermeintlich) leichten Fragen bis 500 Euro bringen die junge Frau ins Straucheln. Die wirren Wortspiele lassen die Studentin grübeln. "Sie müssen sich in die sinnlose Welt unserer Fragenredakteure reindenken", rät Günther Jauch und hievt sie mit so manchem Tipp über die 500-Euro-Grenze.
Aber die Studentin tut sich weiterhin schwer. "Jetzt geht es um 1.000 Euro, die Frage ist schon rein rechnerisch doppelt so schwer wie die letzte", witzelt der Moderator. Er rät wiederholt zum beherzten Joker-Einsatz - und bezeichnet sich selbst aufgrund seiner Hilfen als "unmenschlichen Gutmensch".
Mit viel gutem Zureden von Günther Jauch gewinnt Hazina Habibi am Ende 16.000 Euro. Trotzdem ärgert sie sich, dass sie ausgestiegen ist - schliesslich hätte sie die Antwort auf die nächste Frage doch gewusst, war sich aber zu unsicher. Jauchs Kommentar: "Da macht man und tut - Frauen sind manchmal so undankbar!" Immerhin: Ein einzelner älterer Herr im Publikum klatscht.
Noch vor Hazina, nämlich als erster der acht statt üblicherweise vier Kandidaten, schaffte es Axel Othmer auf den begehrten Stuhl. Ein Kandidat, der Jauch das Fürchten lehrte ... Und das nicht etwa wegen seines feschen Backenbarts.
Bei der 8.000-Euro-Frage findet der Lauf des Kandidaten ein jähes Ende. Die Frage "Welche massgeschneiderte Verpackung ist speziell für die Aufbewahrung weihnachtlicher Backwaren erhältlich?" muss der Zusatzsatzjoker aus dem Publikum beantworten: Es ist der Stollenbeutel.
Und auch die nächste Frage hat es in sich. Sie lautet: "Wer sollte am ehesten von der seit 2014 geltenden RDKS-Pflicht gehört haben?" Der Arzt verballert Telefon- und Publikumsjoker, doch das Votum ist nicht eindeutig. "Sie fallen zurück auf 500 Euro!", warnt Jauch und der Kandidat antwortet süffisant: "Die Spielregeln sind mir bekannt." Anders als die richtige Antwort - die ist ihm nämlich nicht bekannt. Es wäre "Autofahrer" gewesen, und der aussichtsreiche Arzt muss gehen.
Mathelehrer Emrah Yigit war schon einmal als Zuschauer im Publikum, doch beinahe wäre er kein zweites Mal in dem Studio gewesen: Als eine Mitarbeiterin der Produktionsfirma Endemol bei ihm angerufen hatte, um ihn in die Show einzuladen, hätte er sie beinahe abgewimmelt. Er hielt das Telefonat für einen Werbeanruf.
Schon bei der 500-Euro-Frage muss der Realschullehrer das Publikum befragen: "Welche Mahlzeit mit Promille-Beigabe ist nicht nur vielen Geniessern, sondern auch dem Duden ein Begriff?" Der Kandidat hat noch nie vom "Sektfrühstück" gehört, das Publikum dagegen schon: 100 Prozent votieren für die promillelastige Frühstücksvariante.
Die Frage "Wer beginnt seine Rennen in der Regel aus dem sogenannten Starthaus?", stellt Moderator Günther Jauch pantomimisch mithilfe des Zusatzjokers dar: Es sind die Ski-Alpin-Fahrer.
Für die Frage, was man unter einer "Angina Pectoris" versteht, hat Emrah den richtigen Telefonjoker: einen Arzt! Denn der Begriff beschreibt eine Form von Herzschmerzen, der Kandidat hangelt sich dank der korrekten Antwort mühsam auf 4.000 Euro.
Am Ende gewinnt der sympathische Lehrer mit kleineren Hinweisen von Günther Jauch und den richtigen Jokern immerhin 32.000 Euro - den höchsten Gewinn des Abends. Er möchte das Geld ganz klassisch in ein kleines Häuschen stecken.
Alles in allem war die Doppelfolge "Wer wird Millionär?" kein Highlight in der 17-jährigen Geschichte der Quizshow. Die Kandidaten blieben überwiegend blass, Günther Jauch musste immer wieder unterstützend eingreifen. Dabei blieben seine schlagfertigen Kommentare, welche die Sendung sonst so sehenswert machen, allerdings dieses Mal eher rar gesät.