Remmidemmi bei "Wer wird Millionär?": Erst verzockt ein notorischer Besserwisser fast eine halbe Million Euro und dann zieht auch noch eine angetrunkene Horde junger Frauen samt Stripper durchs Studio. Was wie eine Fortsetzung der "Hangover"-Reihe klingt, heisst bei "Wer wird Millionär?" ganz einfach "Überraschungsspecial".

Mit Überraschungen ist das so eine Sache. Es kommt halt immer darauf an. Wenn es unverhofft an der Tür klingelt, dann kann das vielleicht ein lieber Freund aus Kindheitstagen sein oder aber die Steuerprüfung.

Beides Überraschungsgäste, beide lange nicht gesehen und trotzdem freut man sich über den einen irgendwie mehr als über den anderen.

Junggesellinnen-Abschied bei Günther Jauch

Christine aus München muss sich an ihrem Abend bei Günther Jauch gewünscht haben, dass sie bitte bitte der Steuerprüfer besuchen möge – solange nur dieser Albtraum endet.

Mit verbundenen Augen sitzt die junge Maschinenbauerin im Dirndl auf dem Jauch'schen Ratestuhl, während ein Stripper zu wummernder Autoskooter-Musik und unter dem Gejohle der Zuschauer vor ihr und Günther Jauch die Hüllen fallen lässt.

Wenige Minuten zuvor wähnte sich Christine noch auf einem Junggesellinnen-Abschied. Was war passiert?

Kandidat reitet auf dem Moderator, um Heiratsantrag nachzustellen.

Die Münchnerin wurde von ihrer Schwester mitsamt der Clique zum Junggesellinnen-Abschied nach Köln gelockt. Dort gewann der "WWM"-Fan "zufällig" von RTL eine Fahrt mit einer Stretch-Limousine.

Alles von Anfang an eingefädelt, denn die feucht-fröhliche Fahrt endet nicht in irgendeinem Kölner Tanzlokal, sondern auf dem Ratestuhl von "Wer wird Millionär?" - ein Schock.

Doch Rate-Onkel Jauch kennt kein Erbarmen mit der sichtlich derangierten Überraschungskandidatin und stellt gleich die erste Frage.

Als hätte sie ein Elefant angerempelt, ringt die Münchnerin benommen um Fassung und versucht die Situation irgendwie zu erfassen. Nicht einfach, nach nur zwei Stunden Schlaf und dem ein oder anderen Sektchen in der Limousine.

"Fünfte oder sechste Pulle?"

"Wo sind wir im Moment?", fragt Jauch amüsiert, "fünfte oder sechste Pulle?" Auch Christines Verlobter im Publikum hofft, dass seine künftige Frau noch nicht allzu viel intus hat.

Ganz so viel scheint es dann doch nicht gewesen zu sein, denn die Münchnerin räumt am Ende mehr ab als sie sich erhofft hatte.

Zuhause vor dem Fernseher hatte sie sich nämlich einmal geschworen: "Wenn ich hier jemals sitze, bin ich froh wenn ich die 16.000 Euro schaffe. Also nehme ich das Geld und gehe shoppen."

Am Ende wurde der Albtraum für Christine dann also doch noch zu einer schönen Überraschung.

Sonderausgaben nehmen zu

Eine Überraschung für den Zuschauer sind solche Überraschungsspecials bei "Wer wird Millionär?" in der Zwischenzeit aber nicht mehr. Seit die Show 1999 startete kommen immer häufiger Sonderausgaben des Rate-Klassikers.

Inzwischen gibt es Prominenten-Specials, Familien-Specials, Blind-Date-Specials, Highspeed-Specials, Lehrer-Schüler-Specials, Zocker-Specials und noch viele mehr. Das Publikum will schliesslich bei Laune gehalten werden.

Nicht verwunderlich also, wenn es vielleicht irgendwann einmal auch ein Klugscheisser-Special gibt. Wenn er nicht schon im gestrigen Überraschungsspecial dabei gesessen hätte, wäre Winzer Thomas Schweisthal ein heisser Kandidat für den "WWM"-Stuhl gewesen.

Fast eine halbe Million verzockt

Wie die Handy-Videos seines Sohnes beweisen, ist der 54-Jährige nämlich offenbar gelernter Besserwisser. Die Familie will ihn therapieren und meldet ihn bei Günther Jauch an und da sitzt er nun.

Relativ schnell spielt sich der Schreiner durch die Fragen, nur ab und zu zögert er und landet am Ende tatsächlich bei der Millionen-Frage: "Welches europäische Land hat den niedrigsten höchsten Berg?", will Jauch wissen.

Nach einer kurzen Denkpause antwortet Schweisthal: "Nach reichlicher Überlegung bin ich dazu gekommen, das ist Dänemark" und setzt damit eine halbe Million Euro aufs Spiel.

Doch am Ende siegt die Vernunft und Schweisthal steigt doch noch aus. Eine kluge Entscheidung, denn richtig wäre Vatikanstadt gewesen. Für den sonst so von sich überzeugten Schweisthal muss das eine echte Überraschung gewesen sein.