"Wer wird Millionär?" - Kratzbürstige Kandidatin bietet Günther Jauch Paroli

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Kandidaten mit fiesen Fragen und ebenso fiesen Kommentaren einzuschüchtern, bereitet Günther Jauch bisweilen Freude. Umso grösser seine Überraschung, als eine Kandidatin mindestens genauso gemein zurückschiesst.

Wenn Blicke töten könnten ... Seine Lieblingsrolle als Oberlehrer konnte Günther Jauch im Machtkampf mit dieser kratzbürstigen Witwe nicht durchziehen. Ellen Marquardt schaffte es am Montag, den Moderator mit ihrer forschen Art aus der Fassung zu bringen. Am Ende duellierten sich die beiden nicht nur im Wortgefecht!
Das Lächeln sollte beiden bald vergehen! Unentspannt wurde es gleich zu Beginn, als Jauch der Kandidatin mehrmals erklärte, sie müsse die Antworten nicht eintippen. "Ja, Sie reden einem das ja fast ein!", maulte Ellen Marquardt. Es wurde nicht besser. Die Kandidatin hatte zwar Antworten auf die Quizfragen, doch auf Smalltalk mit Jauch keine Lust.
"Es ist nichts dagegen zu sagen, dass Sie mir immer nur den Buchstaben entgegenrufen, aber sind Sie sonst etwas gesprächiger?", fragte der Moderator. "Ja", erwiderte Marquard. "Was interessiert Sie denn im Leben - ausser Backöfen?", fragte Jauch, nachem die Kandidatin wenig Anteilnahme zeigte. Einen Backofen wünschte sie sich vom Gewinn.
Ellen Marquardt dachte nach, dann erinnerte sie sich: Sie mag Tiere und Pflanzen. Menschen? Eher weniger. Mit dem Erspielten wolle sie eine neue Wohnung erwirtschaften - "grösser, schöner und mit netten Nachbarn". Der Moderator fragte, ob die Nachbarn Schuhe im Flur parkten oder nachts Geräusche machten. "Bitte! Vertiefen Sie es nicht!", bat sie.
"Marquardts eisiger Blick brachte ihn zum Schweigen. Dann bohrte er ebenso penetrant nach, wie der Kater der Kandidatin heisst. Das wollte sie nicht verraten - aus Angst, das Tier würde sonst gestohlen. Jauch amüsierte sich prächtig: "Steht der Name des Katers an der Klingel unten?" Die Kandidatin bissig: "Ich sage den Namen nicht, Feierabend!"
Als Jauch der Kandidatin ein Mikrofon bringen sollte, glaubte er, ihres sei defekt. Eine Stimme aus dem Off erklärte, es gehe um eine Gesangseinlage. Bewusst doppeldeutig sagte er: "Ach so, ich dachte, Frau Marquardt hat einen Defekt." Das Publikum war amüsiert, die Witwe weniger. "Wir sprechen uns nachher unter vier Augen", kündigte sie an.
Ellen Marquardt hatte eine Ode an den Moderator getextet - zur Melodie von Shaun, das Schaf. "Möchten Sie bei der zu Hause Kater sein?", fragte Jauch das Publikum. Ellen Marquardt focht nicht nur die Frechheiten Jauchs an, sondern zweckentfremdete noch vor der geplanten Gesangseinlage das Mikrofon zu einem Luft-Fechtkampf.
Jauch parierte den Luftkampf, indem er - nur mit seinen Fingern bewaffnet - ebenso wild zurück fuchtelte. Dazu brüllte er: "Reden Sie mit mir nicht wie mit Ihrem Kater!" Die Kandidatin konterte frech: "Mit dem rede ich ja nicht so." Das Ständchen sang sie ihm dennoch vor. Jauch blieb hart. Sein Urteil: "Katzenmusik!" Marquard war gekränkt.
An die 64.000-Euro-Frage wagte Ellen Marquardt (Mitte) sich nicht. Sie ging mit 32.000 Euro. "Ich möchte nicht wissen, wie viele Männer jetzt sagen: So eine habe ich auch zu Hause", trat Jauch nach. Bezeichnend: Diese freche Bemerkung traute er sich erst zu sagen, als die Katzenfreundin die Bühne verlassen hatte.
Deutlich harmonischer war Jauchs Zusammenspiel mit Lars Bente. Vielleicht aufgrund der beruflichen Parallelen: Der Hamburger war Redakteur und Radio-Moderator. "Deshalb auch das Gesicht", meinte er selbstironisch. Nach einer Bedenkzeit zu einer Frage der nächste Scherz auf die eigenen Kosten: "Ich habe so getan, als ob ich es nicht wüsste."
Dass der 32-Jährige neu in der Rolle des Familienvaters ist, weckte bei Jauch Erinnerungen. Er gestand, beim Geburtsvorbereitungskurs unangenehm aufgefallen zu sein, als er bekannte, er sorge sich, durch diesen Termin möglicherweise den Anfang der "Sportschau" zu verpassen. Der Hamburger trat im Studio sympathischer auf als Jauch beim Privattermin.
Dass eine Provision vorausschauend kassiert wird, war 4.000 Euro wert. "Das hätten Sie mir ja schon vorher sagen können", scherzte Lars Bente. "Heute sind nur Durchgeknallte da", fand Jauch. "Das ist jetzt aber ein harter Vergleich", beleidigte der Kandidat subtil seine Vorgängerin. "Mein Wunschkandidat wäre heute der Kater", stellte Jauch fest.
Wie durchgeknallt der Radio-Moderator ist, zeigte ein Einspieler: Für eine 1.000-Euro-Wette gegen einen Hörer hatte er sich mit Elektroden sieben Stunden lang in künstliche Wehen versetzen lassen. "Ich habe den ganzen Mist durchgemacht, ohne am Ende die Belohnung zu bekommen", so Lars Bente. Immerhin bei Jauch bekam er eine Belohnung: 64.000 Euro.
Gegen den Zickenkrieg und den Spassvogel ging sein Auftritt etwas unter: Tilmann Meinshausen war der Überhangkandidat vom letzten Mal. Für 8.000 Euro war gefragt: "Wovon wurden im Jahr 2000 hierzulande 7 Mrd. Stück in den Verkehr gebracht, während es 2018 nur noch 2 Mrd. waren?" Kondome aus Automaten fand der Kandidat am wahrscheinlichsten.
"Das heisst: Der deutsche Mann hätte im Jahr 2000 durchschnittlich 150 Kondome verbraucht", rechnete Jauch aus. "Da gratuliere ich aber." Dem Kandidaten konnte er allerdings nicht gratulieren, denn richtig gewesen wäre: Plastiktüten an der Supermarktkasse. Bitter: Er fiel auf 500 Euro.
"Ich wollte risikofreudig sein", erklärte Tilmann Meinshausen, "aber es ist nur ein Spiel", tröstete er sich selbst. "Sie nehmen es wie ein Mann", lobte Jauch. Sein schlüpfriger Rat zum Schluss: "Bei den Kondomautomaten können Sie ja dafür sorgen, dass wir auf die entsprechenden Summen hinkommen."