Eine Revolte lähmt derzeit den Betrieb bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Weil sich zahlreiche Piloten - offenbar nach Absprache - krank gemeldet hatten, strich das Unternehmen am Dienstag und Mittwoch zahlreiche Flüge. Zwischenzeitlich sind etliche Crews zurück im Dienst - das Ringen um Übernahme und Arbeitsplätze aber geht weiter.

Nach zwei Tagen voller Flugausfälle scheinen die Krankmeldungen bei Air Berlin abzuebben.

Etliche Crews hätten sich wieder gesund gemeldet und für Flüge zur Verfügung gestellt, teilte die Fluggesellschaft Eurowings mit, die ebenfalls von den Ausfällen betroffen war. "Die Piloten kommen zurück", sagte ein Air-Berlin-Sprecher.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schilderte, dass am Mittwoch einzelne Crews trotz vorhandener Maschinen nicht fliegen konnten, weil die Fluggesellschaften vorsorglich Verbindungen aus dem Flugplan gestrichen hatten.

Nach der Streichung von etwa jedem siebten Flug am Dienstag hatte der Chef der insolventen Airline, Thomas Winkelmann, in einem offenen Brief auch die Situation am Mittwoch als "unerträglich" bezeichnet.

Dutzende Flüge wurden gestrichen

Mindestens 32 Flüge müssten gestrichen werden - am Vortag war es noch mehr als das Dreifache gewesen.

Zudem fielen am Mittwoch 35 Verbindungen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings aus, die üblicherweise von Air Berlin durchgeführt werden.

"Potenzielle Investoren werden durch die gestrige und heutige Performance verschreckt", betonte Winkelmann gemeinsam mit Betriebsleiter Oliver Iffert und Personalchefin Martina Niemann. Sie appellierten an die Piloten: "Meldet Euch aus dem Off freiwillig zurück."

Air-Berlin-Verantwortliche haben kein Verständnis und drohen Angestellten.


Hinter der Krankheitswelle wird ein illegaler Bummelstreik der Piloten vermutet.

Die VC will damit nichts zu tun haben. Man habe nicht dazu aufgerufen, sondern vielmehr den Kollegen geraten, ihre Arbeitsplätze einzunehmen, sagte VC-Sprecher Markus Wahl am Mittwoch.

Gespräche über Sozialplan sollen fortgeführt werden

Ausserdem kündigte er an, dass die Gespräche über eine Sozialplan für die Piloten der insolventen Air Berlin in der kommenden Woche fortgeführt werden sollen.

Die VC will nach eigenen Angaben verbindliche Kriterien festlegen, in welcher Reihenfolge die Piloten zu neuen Eigentümern wechseln könnten.

Kriterien könnten die Betriebszugehörigkeit und soziale Aspekte sein. "Wir wollen verhindern, dass sich jeder Pilot bei seinem neuen Arbeitgeber einzeln bewerben muss. Wir haben die Sorge, dass dann bestimmte Leute aussortiert werden."

Ausdrücklich ausgenommen von den Verhandlungen seien die Tarifbestimmungen, nach denen die Piloten künftig arbeiten müssten. "Das wollen wir mit den aufnehmenden Airlines regeln", sagte Wahl.

Tote und viele Verletzte. Autofahrer waren plötzlich überrascht worden.


Das vorläufige Scheitern der Sozialplan-Gespräche am Montag gilt als Auslöser für die massenhaften Krankmeldungen.

Ein Flugkapitän hat indes deutliche Kritik am Management der insolventen Fluggesellschaft geübt. Im Verkaufsprozess lasse die Unternehmensspitze die Beschäftigten bewusst im Unklaren, um Existenzängste zu schüren, heisst es in einem Offenen Brief des früheren Betriebsratsvorsitzenden Hans Albrecht.

Ziel sei es, sich "vertraglicher Altlasten" zu entledigen und die Tarife unter Druck zu bringen. "Sie machen sich zum Handlager bei der Demontage eines Berufsstandes", heisst in dem Brief, den "t-online.de" verbreitete.

Der Air-Berlin-Vorstand bekräftigte, bis Freitag Kaufangebote von Interessenten anzunehmen und eine Lösung im Gläubigerausschuss am 21. September anzustreben. Die Piloten fürchten um ihre Arbeitsplätze und Einkommen. (dpa/mcf/tfr)

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